Internes Arbeitspapier IWF sagt Griechenland bei Euro-Austritt Hyperinflation voraus

Horrende Preissteigerungen und eine zum Sparen gezwungene Regierung: Der Internationale Währungsfonds rechnet nach SPIEGEL-Informationen bei einem Ausstieg aus dem Euro mit schweren wirtschaftlichen Verwerfungen in Griechenland.

Straßenszene in Athen: Schwere wirtschaftliche Verwerfungen
AP/dpa

Straßenszene in Athen: Schwere wirtschaftliche Verwerfungen


Der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington stellt sich auf den Ausstieg Griechenlands aus dem Euro ein. In einem internen Non-Paper sagen IWF-Experten dem Land für diesen Fall schwere wirtschaftliche Verwerfungen voraus. So sei mit einer Hyperinflation zu rechnen.

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Heft 18/2015
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Die IWF-Experten empfehlen den Griechen, den Wechselkurs ihrer neuen Währung freizugeben und keinesfalls an den Euro zu koppeln. Nur so könne die neue Währung abwerten, um die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft zu stärken. Der geringe Außenwert des neuen Geldes treibe aber die Preise für Importgüter nach oben.

Dieser Entwicklung müsse die griechische Notenbank entschieden entgegentreten. Dazu soll sie ein konkretes Inflationsziel vorgeben, das sie mit drastischen Mitteln, etwa Zinserhöhungen, durchsetzt. Die strikte Geldpolitik müsse flankiert werden durch einen entschiedenen Sparkurs. Nur so könne die neue Währung Vertrauen gewinnen.

Für die restliche Eurozone und die Weltwirtschaft ist der Ausstieg Griechenlands nach Einschätzung des IWF dagegen "beherrschbar". Für "verletzliche Länder" – gemeint sind die ehemaligen Krisenstaaten Portugal, Irland und Spanien – müssten besondere Schutzwälle errichtet werden, um sie vor Attacken von Spekulanten zu schützen. Geld müsse bereitstehen, um zur Not Anleihen dieser Länder aufzukaufen oder deren Haushalte zu finanzieren. Dazu reichten aber die Mittel des europäischen Rettungsschirms ESM und die neuen Instrumente der EZB aus.

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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insgesamt 217 Beiträge
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Seite 1
moeh1 25.04.2015
1. Grexit
Haben das die Huetchenspieler um Tsipras auch schon gelesen bzw kennt das Griechische Volk die Konzequenzen der Syriza Politik. Ich denke nicht, und trotzdem steuert Tsipras auf einen Grexit zu.
iamwiesl2 25.04.2015
2. Hat ja nur 7 Jahre gedauert und
ein paar Billionen gekostet, bis man dieses Szenario erwägt. Vom Erwägen bis zur Umsetzung dauert es dann nochmal 1-2 Jahre und kostet nochmal ein paar Billionen, aber die Banken und Versicherungen haben dann den letzten Cent aus Griechenland abgezogen. Die Kosten auf die europäischen Bürger aufzuteilen ist sowieso viel besser. Danke liebe EU, es ist schön zuzusehen was aus dir geworden ist!
mueller1 25.04.2015
3. Bitte keine Anleiheankäufe!
Zitat: "Für 'verletzliche Länder' – gemeint sind die ehemaligen Krisenstaaten Portugal, Irland und Spanien – müssten besondere Schutzwälle errichtet werden, um sie vor Attacken von Spekulanten zu schützen. Geld müsse bereitstehen, um zur Not Anleihen dieser Länder aufzukaufen oder deren Haushalte zu finanzieren." Genau das würde die Attacken beflügeln - es wäre geradezu eine Einladung an Hedgefonds, sich mit Leerverkäufen am Spiel zu beteiligen. Besser, man stellt das Spiel vorher ein: Handel von Staatsanleihen bei Zinsanstieg aussetzen, Leerverkäufe und Ausfallversicherungen auf Staatsanleihen verbieten (oder durch massive Steuern völlig unrentabel machen), beim Auftreten von Finanzierungsengpässen am Kapitalmarkt vorbei den Staaten direkt Geld bereitstellen, am Besten wäre natürlich ein Abschaffen des Teuros.
pandorawirkommen 25.04.2015
4. Nichts zu verlieren
Wer nichts hat, hat auch nichts zu verlieren. Die was haben, haben ihr Vermögen schon lange in Sicherheit gebracht. Wie soll Inflation abschrecken, in einem, Land wo der Liter Milch oder ein Friseurbesuch ca. 300% mehr kosten als in Deutschland? Es kann nur besser werden. Zum Glück für die Finanzwirtschaft wurden fast alle Verbindlichkeiten sozialisiert.
Solid 25.04.2015
5. Ziel
Hyperinflation ist doch das Ziel des Grexit. Wollte man eine harte Währung, könnte man gleich beim Euro bleiben.
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