Jagd auf griechische Steuersünder Ermittler schlagen bei UBS in Athen zu

Griechische Ermittler haben eine Athener Vertretung der Schweizer Großbank UBS durchsucht. Die Behörden erhoffen sich wertvolle Hinweise auf Steuersünder.

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UBS-Logo am Konzernsitz in Zürich: Besuch von griechischen Ermittlern
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UBS-Logo am Konzernsitz in Zürich: Besuch von griechischen Ermittlern


Die Schweizer Großbank UBS hat in ihrer Vertretung in Athen Besuch von griechischen Ermittlern bekommen. Man ermittle wegen Steuerhinterziehung gegen Besitzer von großen Auslandsguthaben, sagte ein Justizvertreter. Bei der Razzia habe man Unterlagen beschlagnahmt.

Bei den Durchsuchungen ging es um mehr Informationen über rund 200 griechische UBS-Kunden. Ein Sprecher der Bank sagte in Zürich, man sei sich der Medienberichte in Griechenland bewusst, kommentiere aber prinzipiell keine Spekulationen.

Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen hatte dem Athener Finanzministerium im November Datensätze mutmaßlicher griechischer Steuersünder mit Schweizer Konten übermittelt. Es geht um 10.588 Konten von Einzelpersonen und Firmen, mit einem Gesamtwert von 6,8 Milliarden Schweizer Franken. Bei der ersten Auswertung der Daten seien rund 200 Kontoinhaber mit Guthaben zwischen 1,5 und zwölf Millionen Euro identifiziert worden, sagte ein griechischer Justizsprecher. Die Untersuchung bei der UBS sei beschlossen worden, weil die Mehrheit der Konten bei der UBS eröffnet worden sei. Darum habe man zusätzliche Informationen einholen wollen.

Nordrhein-Westfalen hat seit 2010 mehrfach Datenträger mit Insider-Informationen über Steuerhinterzieher gekauft. Dabei wurden bei der Auswertung auch griechische Konten entdeckt.

UBS-Büro soll nur für Werbezwecke gedient haben

Die griechische Zeitung "Kathimerini" hatte als Erstes über die Razzia bei der UBS berichtet. Die Durchsuchungen fanden demnach bereits am Freitagabend statt. Die Ermittler hätten Festplatten und Daten aus dem Büro der UBS beschlagnahmt. Auch in Büros eines Börsenmaklers, der für die Bank arbeitet, gab es demnach Durchsuchungen. Bei dem UBS-Büro in Athen handelt es sich laut Quellen aus dem Umfeld der Bank nicht um eine Geschäftsfiliale, sondern um ein Verbindungsbüro. Das Büro wird angeblich derzeit abgewickelt.

Nach der Razzia wollen die Ermittler mit den gewonnen Daten den Kontenbesitzern nun genauer auf den Zahn fühlen. Nicht alle Konten müssen im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung oder anderen illegalen Aktivitäten stehen.

Die griechischen Behörden haben eine Offensive gegen Steuerflucht eingeläutet. Experten zufolge könnte der Staat dadurch zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von zwei Milliarden Euro bekommen.

Die griechische Regierung will aber Steuersündern entgegenkommen. Dort, wo kein eindeutig krimineller Hintergrund erkennbar ist, sollen Kontenbesitzer ohne strafrechtliche Verfolgung davonkommen, wenn sie ihre bisher undeklarierten Vermögen offenlegen und Steuern nachzahlen oder das Geld wieder in Griechenland investieren.

Reuters

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feri-aus-berlin 15.12.2015
1.
Nein, nein, nein. Das war schon in Deutschland falsch! Gesetze verschärfen und drakonische Strafen, kein entgegen kommen. Denn das ist dann bloß einem Glücksspiel gleich. Es vermittelt "Versuch zu zocken. Vielleicht erwischen wir dich nicht und wenn doch, dann kommen wir die günstig entgegen". Das wäre als würde man Schwarzfahren mit 5 Euro Strafe belegen + reguläres Ticket. Dann probiere ich doch lieber mein Glück beim Schwarzfahren
mk1964 15.12.2015
2.
Zitat von feri-aus-berlinNein, nein, nein. Das war schon in Deutschland falsch! Gesetze verschärfen und drakonische Strafen, kein entgegen kommen. Denn das ist dann bloß einem Glücksspiel gleich. Es vermittelt "Versuch zu zocken. Vielleicht erwischen wir dich nicht und wenn doch, dann kommen wir die günstig entgegen". Das wäre als würde man Schwarzfahren mit 5 Euro Strafe belegen + reguläres Ticket. Dann probiere ich doch lieber mein Glück beim Schwarzfahren
So viele Gerichte können Sie gar nicht bauen, so viele Staatsanwälte und Richter gar nicht einstellen, dass sie jeden griechischen Steuerhinterzieher (gerecht) bestrafen können. Das war nun mal der Normalzustand über Jahrzehnte und jeder hat mehr oder weniger Dreck am Stecken. Sie müssten also den Großteil des Volkes und damit auch die eigenen Wähler bestrafen. Insofern macht das schon Sinn, dass ein Kuhhandel "Steuern zahlen und dafür Straffreiheit" gemacht wird. Was die Regierung diesmal ausschließen muss, ist dass der Steuerschlendrian wieder kommt. Aber das lag ja nicht nur an den Bürgern, sondern auch an der völlig inkompeteten Verwaltung und dem Unwillen von Exekutive und Legislative Steuern wirklich eintreiben zu wollen. Ob sich das geändert hat werden wir erst sehen, wenn der Druck aus dem Ausland nachläßt.
Jugendlicher 15.12.2015
3. Geht doch
kaum hat man eine Woche die Liste in der Hand und schon wird sie bearbeitet. Mal sehen wie viel in der Staatskasse verbleibt. Sicherlich sind viele ehrliche Gelder darunter, also solche Gelder die bereits versteuert werden oder wurden. Trotzdem dürfte ein größerer Betrag übrig bleiben.
windpillow 16.12.2015
4. Was für ne Farce
Vor einem Jahr haben die Schweizer Banken der griechischen Regierung Daten angeboten, die griechische Steuersünder in der Schweiz belasten. Damals hat das die griechische Regierung nicht die Bohne interessiert - jetzt veranstaltet sie genau deswegen Razzien bei den Banken? -Das verstehe wer will.
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