Überprüfung: Jede zehnte griechische Rente geht an unbekannt

Die Behörden in Griechenland überprüfen dubiose Rentenzahlungen. Jüngstes Ergebnis: Für jede zehnte Rente können sie nicht sicher feststellen, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie ausgezahlt wird. Jetzt soll erneut kontrolliert werden.

Griechische Rentner in Athen: Jede zehnte Zahlung geht an unbekannte Empfänger Zur Großansicht
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Griechische Rentner in Athen: Jede zehnte Zahlung geht an unbekannte Empfänger

Athen - Die Überprüfung der griechischen Rentenzahlungen scheint eine echte Sisyphusarbeit zu sein. Nachdem die Regierung schon im Frühjahr unberechtigte Zahlungen an mehr als 200.000 Griechen gestoppt hatte, finden sich offenbar immer neue Verdachtsfälle. Für jede zehnte Rente könnten die Behörden nicht sicher feststellen, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie genau ausgezahlt wird, sagte der Chef der Behörde, die die Bücher der Rentenkassen prüft, im griechischen Radio. Um wie viele Fälle es insgesamt geht, sagte er nicht.

Neue Kontrollen sollten nun klären, "was Sache ist", hieß es. Nach einer Verordnung des Arbeitsministeriums müssen alle Rentenkassen bis zum 17. August detaillierte Listen mit den Renten vorlegen, bei denen es Zweifel gibt. Im April wurde bekannt, dass viele Familien Renten beziehen, obwohl die eigentlichen Empfänger längst gestorben sind.

Unterdessen ordnete die Staatsanwaltschaft von Athen umfangreiche Kontrollen in allen Regionen des Landes an. Alle diejenigen, die sich Renten oder Zuschüsse erschleichen, sollten sofort zur Rechenschaft gezogen werden, berichtete das griechische Fernsehen unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen richten sich nicht nur gegen die Bezieher von Renten und Zulagen, sondern auch gegen Kassenangestellte und Ärzte, die für die Bewilligung verantwortlich waren. Neben Einsparungen erhofft man sich auch Einnahmen durch mögliche Rückzahlungen.

Die Behörden nehmen außerdem auch angeblich Blinde ins Visier. Kontrolleure haben auf der Ionischen Insel Zakynthos festgestellt, dass statt angeblich 700 tatsächlich nur 60 Bewohner blind waren. Zu ähnlichen Ergebnissen kam es auch auf der Insel Chios im östlichen Mittelmeer.

nck/dpa

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insgesamt 128 Beiträge
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1. Zynismus ist auch eine Erfindung der alten Griechen?
kantundco 08.08.2012
Deshalb hier mein sehr simpler Lösungsvorschlag: - Renten nicht auszahlen. - Warten bis sich jemand beschwert. - Überprüfen, ob überhaupt ein Anspruch besteht bzw. die Person noch nicht über den Styx gefahren ist.
2. was da los ?
ludwigmvdr 08.08.2012
...irgendwie möchte man dazu seine Meinung eigentlich gar nicht äussern :(
3. Zahlung einfach aussetzen
77records 08.08.2012
Wenn die Rente zu Recht bezogen wird, wird sich schon jemand melden. Dann können auch die fehlenden Daten ergänzt werden. Sonst Bewilligenden und Empfänger bekannt machen und in Regress nehmen.
4. Tipp
GerwinZwo 08.08.2012
Zitat von sysopAPDie Behörden in Griechenland überprüfen dubiose Rentenzahlungen. Jüngstes Ergebnis: Für jede zehnte Rente können sie nicht sicher feststellen, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie ausgezahlt wird. Jetzt soll erneut kontrolliert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,848916,00.html
Vielleicht sollte man damit beginnen, die Kontoinhaber zu überprüfen, auf deren Konto die Rente überwiesen wird. Deren Name könnte dann schonmal mit dem angeblichen Rentenberechtigten abgeglichen werden. Oder werden in Griechenland Renten auf anonyme Konten überwiesen oder per Boten überbracht?
5. Oh je
FrankH 08.08.2012
Zitat von sysopAPDie Behörden in Griechenland überprüfen dubiose Rentenzahlungen. Jüngstes Ergebnis: Für jede zehnte Rente können sie nicht sicher feststellen, ob sie rechtmäßig ist und an wen sie ausgezahlt wird. Jetzt soll erneut kontrolliert werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,848916,00.html
Einerseits ist da heftiges Kopfschütteln angesagt. Andererseits könnte man auch sagen, das ist der Griechen Bier und deren Sache, wie sie damit umgehen. Da aber mein Steuergeld dorthingepumpt bzw. als Sicherheit für deren Haushalt dient, darf man mal höflich fragen, was wir noch alles finanzieren wollen? Wann verdammt nochmal gibt es eine Volksabstimmung darüber, wie mit "Europa", dem Euro etc. weiter verfahren wird? Bundestagswahl 2013? Tritt da bitte mal jemand an, der sagt, dass die Party in Griechenland (Italien, Spanien) eine Ende hat bzw. diese Länder in Zukunft ihre Party selbst finanzieren? Jede Bank hätte mir meinen Privatkredit schon lange gekündigt (obwohl sie ja auch von den Zinsen profitieren - soviel gleich zum Thema, das Deutschland ja auch angeblich von dem ganzen system profitiert), wenn ich der Bank nicht mal in Ansätzen erklären kann, wohin meine Gelder so fließen. 2013 wird meine Stimme definitiv nur jemand bekommen, der diesen Kreditwahnsinn stoppt!!!
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.