Griechenland-Krise: Barroso fordert dicke Pleitepolster für Banken

Geht Griechenland bankrott, könnten viele Banken dasselbe Schicksal erleiden. EU-Kommissionspräsident Barroso will daher Europas Geldhäuser dazu verdonnern, ihr Kapital aufzustocken. Wenn die Institute dafür Gelder vom Staat brauchen, müssen sie sämtliche Manager-Boni streichen.

Kommissionspräsident Barroso: Banken mit deutlich mehr Kapital ausstatten Zur Großansicht
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Kommissionspräsident Barroso: Banken mit deutlich mehr Kapital ausstatten

Hamburg - Europas Banken stehen ungemütliche Zeiten bevor: Die Euro-Länder wollen die Geldhäuser dazu verdonnern, ihre Kapitalreserven aufzustocken, damit sie bei einer möglichen Staatspleite Griechenlands nicht bankrott gehen. Viele Experten rechnen damit, dass die Staatengemeinschaft nicht darum herumkommen wird, dem darbenden Land einen Teil seiner Schulden zu erlassen. Für die Banken würde das Milliardenausfälle bedeuten.

Kommissionspräsident José Manuel Barroso fordert deshalb eine deutlich bessere Kapitalausstattung der Banken. Konkrete Zahlen nannte er nicht - diese soll die Europäische Bankenaufsicht (EBA) präsentieren. In einem Entwurf der Kommission ist lediglich von einer deutlich höheren Kernkapitalquote die Rede.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters dürfte die EBA eine sogenannte harte Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent fordern; diese muss auch bei einer Staatspleite Griechenlands und allen daraus folgenden Abschreibungen erreicht werden. Hartes Kernkapital ist Geld, das stets verfügbar ist - sofort und bedingungslos; dazu zählen allerdings auch Aktien und Gewinnrücklagen.

Auf Basis der Empfehlungen, die die Europäische Bankenaufsicht gebe, müssten die EU-Staaten dann eine gemeinsame Linie finden, um zu garantieren, dass die Banken das zusätzliche Kapitalpolster auf jeden Fall aufbauen, sagte Barroso.

Wie das ablaufen soll, ist inzwischen recht klar. EU-Kommission, Frankreich und Deutschland machen sich für dasselbe Vorgehen stark. Demnach sollen die Banken zunächst versuchen, Kapital von privaten Investoren am Markt einzusammeln. Sollte dies nicht möglich sein, sollen zunächst die nationalen Regierungen mit Beihilfen einspringen. Nur wenn sie dazu nicht in der Lage wären, könnte im Notfall auch der Euro-Rettungsfonds EFSF angezapft werden.

Banken, die von Staaten gestützt werden müssen, sollen laut Barroso zusätzliche Einschränkungen akzeptieren. Ein solches Institut dürfe weder Dividenden auszahlen noch Boni an ihr Management vergeben.

Diese Bedingungen dürften für eine ganze Reihe von Instituten gelten. Zahlreiche der betroffenen Institute dürften nur mit Hilfe des Staats auf eine deutlich höhere Kapitalquote kommen. Nach Berechnungen von Reuters müssten 48 Banken insgesamt etwa hundert Milliarden Euro an frischen Mitteln aufnehmen. Der Internationale Währungsfonds ( IWF) beziffert den Kapitalbedarf gar auf bis zu 200 Milliarden Euro.

Derzeit führt die europäische Bankenaufsicht EBA einen deutlich verschärften Blitz-Stresstest durch, um die Anfälligkeit der Institute angesichts der Staatsschuldenkrise zu ermitteln. Die Kriterien sind wesentlich härter als bei der Prüfung von 90 Finanzinstituten im Sommer, die nur acht Geldhäuser nicht bestanden. Damals kamen auch Banken durch, deren Kernkapital nur bei fünf Prozent hartem Kernkapital lag.

ssu/Reuters

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Schuldenkönig Barroso
iron mace 12.10.2011
Ausgerechnet Barroso .... der Schuldenkönig aus Portugal der einen Maßgeblichen Anteil an dieser Krise hat will sich als "Mahner" aufspielen? Dieser Versager sollte Zurücktreten und auf alle Pensionen verzichten, das wäre ein Dienst an Europa. Ich wette auf diese Meldung hin würden alle Börsen steigende Kurse verzeichnen.
2. Dr.
braintainment 12.10.2011
"Ein solches Institut dürfe weder Dividenden auszahlen noch Boni an ihr Management vergeben." Ja, man darf gespannt sein, inwieweit die Umfaller an den Lobbyisten scheitern. Und wenn es doch durchgesetzt wird, dann haben Banken plötzlich nur noch einfache Angestellte oder vielleicht auch jede Menge Pförtner... Aber nichts desto trotz wünsche ich Herrn Baroso viel Erfolg bei dem Vorstoß!
3. Auf Thema antworten
Wolf_68 12.10.2011
Zitat von sysopGeht Griechenland bankrott,*könnten viele Banken dasselbe Schicksal erleiden. EU-Kommissionspräsident Barroso*will daher*Europas Geldhäuser dazu verdonnern, ihr Kapital aufzustocken.*Wenn*die Institute*dafür Gelder vom*Staat brauchen,*müssen sie sämtliche Manager-Boni streichen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791453,00.html
Unser guter Barroso, der stramme Exkommunist, der sein Land Portugal in die Pleite hineinregiert hat. Ein lupenreiner Demokrat.
4. kein titel
frietz 12.10.2011
Zitat von sysopGeht Griechenland bankrott,*könnten viele Banken dasselbe Schicksal erleiden. EU-Kommissionspräsident Barroso*will daher*Europas Geldhäuser dazu verdonnern, ihr Kapital aufzustocken.*Wenn*die Institute*dafür Gelder vom*Staat brauchen,*müssen sie sämtliche Manager-Boni streichen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,791453,00.html
hey, so eine strafe will ich auch. gebt mir 3 millionen € und ich arbeite umsonst!
5. Richtig
flower power 12.10.2011
Und dieses Polster sollten die Beamten und Politiker bilden, denn diese Versager reiben sich schon wieder die Hände. Es ist einfach nur noch ekelhaft was in der EU und in DE läuft. Blutsauger sind unterwegs, Heuchler und Gierhälse.
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Kapitalbedarf deutscher Banken
Deutsche Bank
Der Branchenprimus läge unter den verschärften Bedingungen Finanzkreisen zufolge noch leicht über der Marke von sieben Prozent. Die Bank hat ihr Engagement in den Krisenstaaten in diesem Jahr deutlich reduziert: Ende Juni waren es 3,7 Milliarden Euro, Ende 2010 noch 12,1 Milliarden. Vor allem das umfangreiche Italien-Geschäft wurde abgesichert. Im dritten Quartal hat die Deutsche Bank auf Griechenland noch einmal 250 Millionen Euro abgeschrieben. Aber die Bank kann auf Basis der Stresstest-Daten auf mehr als 30 Milliarden Euro Grundkapital und Gewinnrücklagen bauen, die das harte Kernkapital ausmachen.
Commerzbank
Noch im Juni hatte die Bank 3,3 Milliarden Euro Kapital an den Staat zurückgegeben, das sie nach Ansicht der Aufseher nicht mehr brauchte. Als größter Kreditgeber für den deutschen Mittelstand ist sie auf jeden Fall im Blickfeld der Politiker. Doch der Stresstest hatte gezeigt, wie anfällig die Commerzbank für Krisen ist: Auch ohne einen "Haircut" auf Staatsanleihen wäre sie in dem Szenario 2012 - auf Basis der Daten von Ende 2010 - von 10,0 auf 6,4 Prozent hartes Kernkapital abgerutscht. Ende Juni standen Staatsanleihen aus den Schuldenstaaten mit fast 15 Milliarden Euro in ihren Büchern - nach Abschreibungen von 760 Millionen Euro auf die griechischen Papiere. Der Wert ihrer griechischen Staatsanleihen lag bei 2,2 Milliarden Euro. Bei den Aktionären noch einmal Kapital einzusammeln, wäre für sie schon technisch schwer: Der Commerzbank-Kurs liegt mit 1,80 Euro nicht mehr weit entfernt vom Nennwert von einem Euro, unter dem neuen Aktien nicht ausgegeben werden dürfen. Vom SoFFin hatte die Bank bereits zweimal Kapital erhalten.
DZ Bank
Das genossenschaftliche Spitzeninstitut gehört mit sieben Milliarden Euro Krediten und Anleihen für die öffentliche Hand in Griechenland, Portugal, Spanien, Irland und Italien (Stand Ende Juni) zu den am meisten in den Schuldenstaaten engagierten Banken in Deutschland. Auf Griechenland wurden in der ersten Jahreshälfte 243 Millionen abgeschrieben, 793 Millionen Euro sind noch übrig. Schon im leichten Stress-Szenario des Tests im Sommer blieben weniger als sieben Prozent hartes Kernkapital übrig. Doch die Genossen würden erneut versuchen, bei ihren Mitgliedern - den Volks- und Raiffeisenbanken - das notwendige Kapital einzusammeln, hieß es im Verbund. Sie hatten in der Finanzkrise schon mehr als eine Milliarde Euro nachgeschossen. Staatshilfe hat die DZ Bank noch nie gebraucht.
LBBW
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) arbeitet eifrig am Abbau ihrer Risiken in den Euro-Peripheriestaaten. Ende Juni waren aber noch 8,3 Milliarden Euro übrig. Auf Staatsanleihen aus Griechenland hatten die Stuttgarter bereits im Juni die Hälfte abgeschrieben, mehr als die meisten anderen Institute - bleiben noch 700 Millionen Euro. Das war allerdings im Stresstest noch nicht berücksichtigt. Da war die LBBW selbst unter Stress noch auf 7,1 Prozent hartes Kernkapital gekommen.
BayernLB
Die Münchener Landesbank hatte im Stresstest ebenfalls noch 7,1 Prozent erreicht. In den fünf Euro-Schuldenstaaten sind die Bayern jedoch nur noch mit gut 600 Millionen Euro engagiert. Die griechischen Staatsanleihen - 100 Millionen Euro - stehen zu Marktwerten in der Bilanz.
Helaba
Die Landesbank Hessen-Thüringen wäre im Stresstest selbst unter Berücksichtigung der Stillen Einlage des Landes Hessen - die die EBA nicht anerkannt hatte - unter der Marke von sieben Prozent hartem Kernkapital geblieben. Aus dem Geschäft mit den Schuldenstaaten hat sich die Helaba aber längst weitgehend zurückgezogen: knapp 900 Millionen Euro sind noch übrig, davon 53 Millionen griechische Staatsanleihen.
NordLB
Sie hatte als erste Landesbank griechische Staatsanleihen auf die Hälfte abgeschrieben, hatte allerdings schon vorher nur noch gut 100 Millionen Euro davon in den Büchern. In den fünf Schuldenstaaten zusammen lag ihr Engagement gegenüber Staaten und Kommunen Ende Juni noch bei 3,5 Milliarden Euro. Mit 5,6 Prozent hartem Kernkapital war sie zusammen mit der HSH Nordbank im Stresstest die schwächste deutsche Bank. Als einem der größten Schiffsfinanzierer kommt der NordLB auch eine gewisse Systemrelevanz zu.

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