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Griechenland-Krise: Euro fällt auf den tiefsten Stand seit 2010

Die desolate Lage in Griechenland setzt die Gemeinschaftswährung unter schweren Druck. Der Euro fiel zeitweise unter die Marke von 1,27 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Der tschechische Notenbankchef legte der Regierung in Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe.

Wolken über der Akropolis: Griechenland-Krise spitzt sich wieder zu Zur Großansicht
dapd

Wolken über der Akropolis: Griechenland-Krise spitzt sich wieder zu

Prag/Berlin - Die weihnachtliche Verschnaufpause in Sachen Schuldenkrise ist vorbei. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wollen am Montagvormittag bei einem Treffen in Berlin ihre Strategie abstimmen. Wie sehr die Europäer unter Druck stehen, zeigt der Kurs der Gemeinschaftswährung. In der Nacht auf Montag fiel der Euro Chart zeigen zeitweise auf 1,2666 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Zuletzt konnte sich die Währung wieder etwas stabilisieren und pendelte um die Marke von 1,27 Dollar.

Vor allem die Zuspitzung der Lage in Griechenland verunsichert die Märkte. Denn es zeichnet sich ab, dass die bisherigen Sanierungspläne für das hochverschuldete Land nicht greifen. Nach SPIEGEL-Informationen glaubt der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht, dass Athen auf Basis der bisherigen Pläne seine Schulden dauerhaft tragen kann. Die EU-Partner zeigen sich angesichts der schlechten Nachrichten zunehmend ungeduldig mit der Regierung in Athen.

So stellt der Chef der tschechischen Zentralbank, Miroslav Singer, harte Forderungen. Sollten die europäischen Partner Griechenland keine weitere umfangreiche Finanzhilfe gewähren, solle das Land den Euro-Raum verlassen, sagte Singer der tschechischen Zeitung "Hospodarske Noviny" laut Vorabbericht. "Wenn der Wille nicht da ist, Griechenland eine riesige Summe Geld aus europäischen Strukturfonds zu geben, sehe ich keine andere Lösung, als dass es aus der Euro-Zone austritt und die neue griechische Währung stark abgewertet wird", sagte der Zentralbank-Gouverneur demnach.

Singer fordert rasche Hilfen für Banken

Mit den bisherigen Krediten sei hauptsächlich Zeit gewonnen worden, reiche Griechen hätten derweil Geld außer Landes schaffen können, erklärte Singer. Weil Griechenland nur zwei Prozent der europäischen Wirtschaft ausmache, sollten sich die Europäer auf Hilfen für Banken konzentrieren, statt sich über Jahre hinweg mit Griechenland zu beschäftigen, forderte der Zentralbankchef. Tschechien ist zwar Mitglied der Europäischen Union, gehört jedoch nicht zur Euro-Zone.

Die europäischen Politiker müssten eingestehen, dass es möglicherweise notwendig sei, den Banken neues Kapital zu geben, sagte Singer. "Wir müssen aufhören so zu tun, als ob wir nie wieder Banken rekapitalisieren." Viele Experten rechnen damit, dass Griechenland ohne eine groß angelegte Umschuldung nicht mehr zu retten ist. Damit müsste die Regierung in Athen den Staatsbankrott eingestehen. Der griechische Ministerpräsident Loukas Papademos warnte bereits, wenn das Land keine Unterstützung aus dem Ausland bekomme, drohe im März der Staatsbankrott.

Angesichts der Griechenland-Krise könne es notwendig werden, selbst großen Banken frisches Geld zu geben, sagte der Chef der tschechischen Zentralbank, Singer. Die EU müsse sich sofort mit den Problemen der Banken befassen. Zugleich kritisierte Singer die abwehrende Haltung vieler Politiker in europäischen Staaten. "Es gibt Politiker, die starke Wörter benutzen - 'niemals, niemals, niemals'", sagte er.

Um einen Staatsbankrott Griechenlands zu verhindern, versuchen die Unterhändler, den Beitrag der privaten Gläubiger zu erhöhen. Banken und Versicherungen hatten ursprünglich eingewilligt, auf 50 Prozent ihrer Forderungen gegen das Land zu verzichten. Inzwischen ist fraglich, ob der angepeilte Schuldenerlass von 100 Milliarden Euro ausreicht, um die griechischen Staatsfinanzen zu entlasten. Im Raum steht, dass die Euro-Partner das zweite Rettungspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro aufstocken müssen.

Troika stattet Griechen wieder Kontrollbesuch ab

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, sagte dem "Tagesspiegel", der vereinbarte Schuldenerlass in Höhe von 50 Prozent werde "wahrscheinlich nicht ausreichen". Wenn es nicht gelinge, die Privatgläubiger in stärkerem Maße heranzuziehen, müssten voraussichtlich die öffentlichen Gläubiger, also auch die deutschen Steuerzahler, zur Kasse gebeten werden. "Es zeigt sich, dass der bisherige Ansatz wieder nicht ausreicht, um das Problem Griechenlands langfristig zu lösen", sagte Schick.

Am 16. Januar soll die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) wieder nach Griechenland reisen und die Reformbemühungen begutachten. Ende Januar wollen sich die europäischen Staats- und Regierungschefs erneut auf einem Gipfel in Brüssel treffen, um über das Vorgehen in der Schuldenkrise zu entscheiden.

Merkel und Sarkozy wollen bei ihrem Treffen am Montag die grobe Strategie festlegen. Es zeichnet sich ab, dass die EU-Partner ihren bisherigen Kurs des strikten Sparens überdenken. Zwar sollen alle Staaten zu mehr Haushaltsdisziplin verpflichtet werden. Deutschland und Frankreich loten aber auch Wege für mehr Wachstum und Beschäftigung aus. Zudem macht Sarkozy bei der geplanten Einführung einer Finanztransaktionssteuer Druck.

mmq/Reuters/dpa/dapd

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1. gute Nachrichten
grana 09.01.2012
Zitat von sysopDie desolate Lage in Griechenland bringt die Gemeinschaftswährung unter schweren Druck. Der Euro fiel zeitweise unter die Marke von 1,27 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Der tschechische Notenbank-Chef legte der Regierung in Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807888,00.html
Endlich wieder gute Nachrichten. Die Exporte werden anziehen und Angela Merkel wird dieses als persönlichen Erfolg verkaufen (können). Richtig ist, was Arbeit schafft ;-)
2. Schnäppchen
m a x l i 09.01.2012
Zitat von sysopDie desolate Lage in Griechenland bringt die Gemeinschaftswährung unter schweren Druck. Der Euro fiel zeitweise unter die Marke von 1,27 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Der tschechische Notenbank-Chef legte der Regierung in Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807888,00.html
Wo bitte ist die Wechselstube, wo ich einen Euro gegen 1,27 Euro tauschen kann? Ein paar Besuche dort und alle meine Geldsorgen sind Vergangeheit.
3. Gut so
peterhausdoerfer 09.01.2012
Zitat von sysopDie desolate Lage in Griechenland bringt die Gemeinschaftswährung unter schweren Druck. Der Euro fiel zeitweise unter die Marke von 1,27 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Der tschechische Notenbank-Chef legte der Regierung in Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807888,00.html
bei 1,20...1,25 ist ein vernünftiger Wert. Der sinkende Euro verhindert Deflation und kurbelt die Wirtschaft über Exporte an. Abgesehen davon sinkt durch eine Abwertung die Verschuldung der Privatleute, Firmen und Staaten. 1950 betrug das Geldvermögen in Deutschland 60% GDP, heute sind wir bei 350%. In dem Rest der Welt sieht es genauso aus, es gibt einfach zuviel Geldvermögen und damit Schulden. Subprime, Griechenland usw. sind Ereignisse die diese Schulden abbauen, besser ist es jedoch einen Teil über die Inflation zu erledigen da so Schockwellen in der Realwirtschaft vermieden werden können. Weg ist ein Teil von dem Geld sowieso aber Inflation kommt uns allemal billiger als Kreditausfälle.
4.
Altesocke 09.01.2012
Zitat von sysopDie desolate Lage in Griechenland bringt die Gemeinschaftswährung unter schweren Druck. Der Euro fiel zeitweise unter die Marke von 1,27 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Der tschechische Notenbank-Chef legte der Regierung in Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807888,00.html
Die 'desolate Lage in Griechenland' bringt die 'Gemeinschafts'-Waehrung euro seit Herbst 2009 unter schweren Druck. Wann wird endlich der Cut vorgenommen? Griechernland MUSS seit 2 Jahren aus dem Euro raus, und es wird verschleppt und verschleppt und (to be continued, bis der Euro ganz am Boden liegt)!
5. Das hätte man billieger haben können
Fricklerzzz 09.01.2012
Zitat von sysopDie desolate Lage in Griechenland bringt die Gemeinschaftswährung unter schweren Druck. Der Euro fiel zeitweise unter die Marke von 1,27 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Der tschechische Notenbank-Chef legte der Regierung in Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807888,00.html
Das Griechenland Pleite ist war klar, wieso musste man so viele Milliarden wegwerfen. Haircut und gut. Die Domino-Effekte kommen doch sowieso. Mal sehen was jetzt wird. Ausserdem muss es Dollar heissen, 1,27 Dollar.
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