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Griechenland-Krise Ökonomen zweifeln am neuen Rettungspakt

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Endlich ist die Einigung da, Griechenland bekommt neue Milliarden, ein Teil der Verbindlichkeiten wird erlassen. Griechische Politiker jubeln, doch Experten sind skeptisch: Das Land müsse nun rasch nötige Reformen anstoßen. Auch ist nicht klar, ob wirklich alle Gläubiger beim Schuldenschnitt mitziehen.

Hamburg - Bis in die frühen Morgenstunden haben die Euro-Finanzminister gestritten - dann stand das zweite Rettungspaket für Griechenland. Der hochverschuldete Staat bekommt neue Hilfen in Höhe von 130 Milliarden Euro, auch Banken, Versicherungen und Hedgefonds sollen Athen nun rund 107 Milliarden Euro an Schulden erlassen und die restlichen 93 Milliarden 30 Jahre stunden (alle Details lesen Sie hier).

Noch sind nicht alle Fragen geklärt. Noch verhandeln die Euro-Retter über die Beteiligung des Internationalen Währungsfonds. Noch müssen Banken, Versicherungen und Hedgefonds ihr Versprechen auch wirklich einlösen und den Schuldenschnitt für Griechenland tatsächlich durchziehen. Die Politik reagiert dennoch euphorisch auf die Einigung.

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, Athen könne nun "auf den nachhaltigen Pfad der Gesundung" kommen. Griechenlands Premierminister Loukas Papademos bejubelte einen "historischen Tag für die griechische Wirtschaft". Athens Finanzchef Evangelos Venizelos nannte das Ergebnis "besser als geplant".

Der Vorsitzende des Internationalen Bankenverbands (IIF) sprach von einem "bedeutenden Schritt zur Umsetzung des Schuldenumtausches". Als IIF-Chef vertritt Charles Dallara die Privatgläubiger bei den Verhandlungen über das zweite Rettungspaket.

Ökonomen skeptisch

Wesentlich skeptischer äußerten sich Ökonomen. "Ob die Rechnung aufgeht, wird sich erst Anfang März zeigen, wenn Griechenland den Banken und Fonds das formelle Umtauschangebot ihrer Anleihen gegen neue mit weit niedrigeren Zinsen unterbreitet", sagte Uwe Streich, Analyst bei der LBBW. Will heißen: Ob alle Geldkonzerne mitziehen, ist noch nicht endgültig geklärt.

Tatsächlich kommt das neue Rettungspaket die privaten Gläubiger teurer zu stehen als bislang gedacht. Banken müssten de facto Abschreibungen auf ihre griechischen Staatsanleihen von 73 bis 74 Prozent schultern, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Bislang war in den seit Monaten laufenden Gesprächen immer von 70 Prozent die Rede gewesen. Die höheren Lasten beruhen darauf, dass die Gläubiger nun auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten und nicht mehr nur auf 50 Prozent. Zudem tauschen die Banken ihre alten griechischen Staatsanleihen in neue Papiere mit niedrigerem Zins und längerer Laufzeit, was zu zusätzlichen Belastungen führt.

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hat seine Zweifel, dass das Rettungspaket tatsächlich ausreicht. Allein im vergangenen Jahr habe Griechenland neue Schulden in Höhe von fast zehn Prozent der Wirtschaftsleistung gemacht, merkte er in einer Analyse an. Insgesamt sei das Land derzeit mit rund 160 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet.

Durch den Schuldenschnitt, die 130-Milliarden-Euro-Hilfen und die Sparbemühungen der Griechen werde bis 2020 ein Schuldenstand von 120 Prozent angepeilt. Das sei noch immer "doppelt so hoch, wie der Maastricht-Vertrag maximal erlaubt". Ohne tiefgreifende Strukturreformen werde Athen seine Schulden auch künftig nicht tragen können, sagte Krämer.

"Das wird nicht die letzte Umschuldung sein"

Zudem ändert die Hilfe nichts an den strukturellen Defiziten in dem von der Staatspleite bedrohten Land. Die Regierung in Athen hatte im Gegenzug für das Rettungspaket weitreichende Strukturreformen beschlossen. Der Arbeitsmarkt soll flexibler werden, die Löhne sollen sinken. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, fordert, die Weichen für diese Reformen nun rasch zu stellen. "Gespart worden ist genug", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Es geht darum, den Staatsapparat zu deregulieren. So müsse das Steuersystem vereinfacht werden. "Nur so lassen sich auch Steuern effektiv eintreiben." Der Ökonom forderte die Euro-Länder dazu auf, Griechenland bei der Ausarbeitung einer Wachstumspolitik zu unterstützen.

"Für Griechenland gibt es keine einfache Lösung mehr. Mit der Kombination aus einem Forderungsverzicht privater Gläubiger und einem neuen Finanzierungsprogramm haben sich die Verhandlungspartner gestern auf die weniger schlechte Alternative geeinigt", sagt Thomas Mirow, Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London, SPIEGEL ONLINE. "Ein ungeordneter Zahlungsausfall würde Griechenland ins Chaos stürzen und nicht absehbare Folgen für das internationale Finanzsystem nach sich ziehen. Jetzt wird alles davon abhängen, dass Griechenland selbst - mit internationaler Hilfe - Strukturreformen umsetzt, die endlich neues, nachhaltiges Wachstum schaffen", so Mirow.

Zweifel hat auch Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Wenn man den internen Papieren der Troika Glauben schenkt, dann kann sich Griechenland frühestens in acht Jahren wieder selbst am Kapitalmarkt finanzieren", sagt er SPIEGEL ONLINE. "Zudem spiegeln die Zahlen der Euro-Retter eine Genauigkeit wider, die so nicht gegeben ist", moniert er. "Niemand kann voraussagen, dass Griechenlands Schulden im Jahre 2020 bei exakt 120,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts liegen. Das ist schlicht unmöglich."

Skeptisch sind auch die Grünen. Die Einigung sei zwar generell zu begrüßen, sagte deren finanzpolitischer Sprecher Gerhard Schick SPIEGEL ONLINE. "Doch das wird nicht die letzte Umschuldung sein." Das Land sei selbst nach dem Schuldenschnitt noch immer viel zu hoch verschuldet. Bei der nächsten Runde werde auch der Steuerzahler in die Pflicht genommen, sagte Schick.

Selbst die Troika aus EU-Kommission, IWF und EZB ist skeptisch. In ihrer Schuldenanalyse, die die Zeitung "Financial Times" in Auszügen im Internet veröffentlichte, wird vor einer Vertiefung der Rezession in Griechenland gewarnt. Würden sich notwendige Reformen und Privatisierungen weiter verzögern, drohe die Gesamtverschuldung Athens auch in acht Jahren noch bei 160 Prozent zu verharren, heißt es darin.

Verhalten sind auch die Reaktionen an den Märkten. Der Dax tendiert ungefähr auf dem Niveau des Vortags. Euro und Ölpreis sind nur leicht gestiegen.

ssu/ric/yes/dpa/Reuters

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insgesamt 97 Beiträge
AndreasC 21.02.2012
Machen wir mal ein Beispiel: Geld sind die Drogen unserer Zeit. So heisst es auch in allen Mainstreammedien. Was passiert jetzt mit diesen Drogen? Der Junkie ist im Moment Griechenland. Er braucht Drogen. Die bekommt er vom [...]
Zitat von sysopEndlich ist die Einigung da, Griechenland bekommt neue Milliarden, ein Teil der Verbindlichkeiten wird erlassen. Politiker jubeln, doch Experten sind skeptisch: Das Land müsse nun rasch nötige Reformen anstoßen. Auch ist nicht klar, ob wirklich alle Gläubiger beim Schuldenschnitt mitziehen. Schuldenkrise: Ökonomen zweifeln am neuen Rettungspakt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816605,00.html)
Machen wir mal ein Beispiel: Geld sind die Drogen unserer Zeit. So heisst es auch in allen Mainstreammedien. Was passiert jetzt mit diesen Drogen? Der Junkie ist im Moment Griechenland. Er braucht Drogen. Die bekommt er vom Dealer (Investoren, Banken, Gläubiger etc.). Der arme Junkie kann die Drogen nicht mehr bezahlen. Der Dealer lässt ihn dafür auf den Strich gehen (Spaarpakete). Es reicht aber immer noch nicht. Der Junkie geht es immer schlechter. Der Dealer geht vor Gericht (EU, Trojka) und sagt er will sein Geld. Das Gericht beschliesst, dass ab jetzt die Familie des Junkies (AAA-Länder) die Schulden beim Dealer begleichen müssen. Auch wenn die Familie dafür selber Schulden machen müssen. Richtig wäre aber: Der Junkie in den Entzug, der Dealer in den Knast. Läuft aber wie oben beschieben...
Kurt2.1 21.02.2012
Nicht nur die Ökonomen zweifeln..... Ich zweifele auch, z.B. am Verstand der jubelnden Politiker, obwohl ich kaum glaube, dass Schäuble jubelt.
Zitat von sysopEndlich ist die Einigung da, Griechenland bekommt neue Milliarden, ein Teil der Verbindlichkeiten wird erlassen. Politiker jubeln, doch Experten sind skeptisch: Das Land müsse nun rasch nötige Reformen anstoßen. Auch ist nicht klar, ob wirklich alle Gläubiger beim Schuldenschnitt mitziehen. Schuldenkrise: Ökonomen zweifeln am neuen Rettungspakt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816605,00.html)
Nicht nur die Ökonomen zweifeln..... Ich zweifele auch, z.B. am Verstand der jubelnden Politiker, obwohl ich kaum glaube, dass Schäuble jubelt.
Reqonquista 21.02.2012
.. bei Lehmann hat Deutschland kurz vor der Pleite auch nochmal Millionen an Lehmann überwiesen, ohne das man merkte, das Lehman schon Pleite war! Unsere Politiker haben aus Lehmann nichts gelernt und wollen nur die Banken [...]
Zitat von sysopEndlich ist die Einigung da, Griechenland bekommt neue Milliarden, ein Teil der Verbindlichkeiten wird erlassen. Politiker jubeln, doch Experten sind skeptisch: Das Land müsse nun rasch nötige Reformen anstoßen. Auch ist nicht klar, ob wirklich alle Gläubiger beim Schuldenschnitt mitziehen. Griechenland-Krise: Ökonomen zweifeln am neuen Rettungspakt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816605,00.html)
.. bei Lehmann hat Deutschland kurz vor der Pleite auch nochmal Millionen an Lehmann überwiesen, ohne das man merkte, das Lehman schon Pleite war! Unsere Politiker haben aus Lehmann nichts gelernt und wollen nur die Banken stützen, die ihnen in der Zukunft weiter die Knete für höhere Staatsschulden (und Wahlkampfmunition) geben sollen. Die Zeche zahlt der Steuerzahler über in alle Ewigkeit nie endende Zinszahlungen für Staatsschulden!!!
profprom 21.02.2012
"Griechenland bekommt neue Milliarden, ein Teil der Verbindlichkeiten wird erlassen. Politiker jubeln" steht im Untertitel. Was glaubt Ihr, wie die 2.000 reichen griechischen Familien jubeln. Denen gehören 80% aller [...]
"Griechenland bekommt neue Milliarden, ein Teil der Verbindlichkeiten wird erlassen. Politiker jubeln" steht im Untertitel. Was glaubt Ihr, wie die 2.000 reichen griechischen Familien jubeln. Denen gehören 80% aller Besitztümer Griechenlands. Und laut Spiegel vom 07.02.2011 auch noch 600 Milliarden € Schwarzgeld alleine in der Schweiz. Und jetzt noch einmal 130 Milliarden. Das Paradies ist ausgebrochen, für Kriminelle . DER SPIEGEL*6/2011 - Angriff auf Schweizer Konten (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76764121.html)
johl 21.02.2012
Sie haben das so schön beschrieben, dass es sogar Erstklässer verstehen... für mich zeigt es ganz klar, dass die Politker noch im Kindergarten sitzen geblieben sind... traurig
Zitat von AndreasCMachen wir mal ein Beispiel: Geld sind die Drogen unserer Zeit. So heisst es auch in allen Mainstreammedien. Was passiert jetzt mit diesen Drogen? Der Junkie ist im ......
Sie haben das so schön beschrieben, dass es sogar Erstklässer verstehen... für mich zeigt es ganz klar, dass die Politker noch im Kindergarten sitzen geblieben sind... traurig
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Die Abkürzungen der Griechenland-Rettung
Die Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Fonds an den Rettungskosten wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy im Herbst 2011 beschlossen. Die Maßnahme ist umstritten, denn auf die zu erwartenden Verluste aus dem Kreditgeschäft mit Wackelkandidaten reagierte der Privatsektor mit immer höheren Zinsen. Im Falle Griechenlands sollen Banken und Fonds auf mehr als 70 Prozent verzichten, oder gut hundert Milliarden Euro des an Athen verliehenen Geldes. Der Markt scheint noch nicht ganz überzeugt, dass Griechenland ein Einzelfall bleibt. Auch Portugal kommt nur zu hohen Kosten an frisches Geld. Fraglich ist auch, ob der Beitrag des Privatsektors zur Rettung Athens reicht.


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Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,359 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Loukas Papademos

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