EU-Ratspräsidentschaft Griechenland will Europa besonders sparsam führen

Unser Kurs stimmt - diese Botschaft will Griechenland auch während der anstehenden EU-Ratspräsidentschaft vermitteln. Das Budget soll bescheidener ausfallen als früher. Bereits eingeplante Präsente wurden wieder abbestellt.

Beetroot/Griechisches Finanzministerium

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Thessaloniki/Hamburg - Die griechische Regierung hat angekündigt, ihre bevorstehende EU-Ratspräsidentschaft besonders sparsam zu gestalten. Mit einem Budget von 50 Millionen Euro würden die Kosten deutlich niedriger liegen als in der Vergangenheit, hieß es am Montag im Finanzministerium bei der Vorstellung der offiziellen Logos.

Zum Vergleich: Länder wie Österreich, Finnland, Portugal oder Slowenien gaben für ihre Ratspräsidentschaft jeweils zwischen 70 und 80 Millionen Euro aus. In Frankreich brachte es Ex-Präsident Nicolas Sarkozy dank besonders üppiger Bewirtung sogar auf 175 Millionen Euro.

Neben dem vergleichsweise niedrigen Gesamtbudget nannte die griechische Regierung als Beleg für die Sparsamkeit unter anderem:

  • Ein kleines Organisationsteam: Laut Vizeaußenminister Dimitris Kourkoulas sind lediglich neun befristete Neueinstellungen geplant, 19 Mitarbeiter würden aus anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes abgezogen. Insgesamt dürften es laut griechischen Medienberichten rund 150 Mitarbeiter werden, Zypern dagegen habe im vergangenen Jahr 240 Menschen beschäftigt.
  • Die Vermeidung unnötiger Reisen: Alle 140 Ereignisse und Treffen des Ministerrates sollen in Athen stattfinden, andere griechische Städte bleiben außen vor.
  • Griechenland übernimmt lediglich die Ausgaben der europäischen Außenminister und eines Begleiters.

Insgesamt erwartet Griechenland im Zusammenhang mit der Ratspräsidentschaft 14.000 Besuche und 18.000 Übernachtungen. Für den Transport der offiziellen Gäste sollen gesponserte Wagen genutzt werden.

Auch das Design selbst (siehe Fotostrecke) soll mit 12.000 Euro ungewöhnlich günstig gewesen sein. Als Motiv wählte die renommierte Agentur Beetroot ein stilisiertes Segelboot vor dunkelblauem Hintergrund, dessen Formen zugleich für die Buchstaben E und U stehen. Der Designer Alexis Nikou sagte SPIEGEL ONLINE: "Wegen Griechenlands Krise und des Sparkurses haben wir etwas gemacht, das optimistisch, aber einfach und nicht großspurig ist."

Das passt zur Botschaft, die der griechische Premier Antonis Samaras gerade bei einem Besuch in Berlin zu übermitteln versuchte. Demnach wird Griechenland bereits dieses Jahr einen seit langem angepeilten Überschuss vor Zinszahlungen und Tilgung erzielen. Nun hofft Athen auf Erleichterungen bei der Rückzahlung von EU-Hilfen, welche die europäischen Partner für diesen Fall in Aussicht gestellt haben.

Bestellung von 150.000 Halstüchern wurde storniert

Außenminister Evangelos Venizelos sagte, das erste Halbjahr 2014 sei "von großer Bedeutung für Griechenland, da wir zeigen wollen, dass wir die Krise hinter uns lassen". Griechenland wolle sich als Teil der europäischen Familie sowie als "gleichwertiger Partner, souveräner, unabhängiger und stolzer Staat" präsentieren.

Zumindest in einem Punkt wurde der Sparkurs jedoch erst nachträglich eingeschlagen. Die Regierung hatte bereits ein Budget von rund 150.000 Euro für Halstücher und Schals veröffentlicht, wie sie traditionell an ausländische Gäste verschenkt werden.

Dieser Auftrag sei mittlerweile storniert, sagte Vize-Minister Kourkoulas. "Ich möchte mich bei den Botschaftern entschuldigen, aber aufgrund der Finanzkrise, des Sparkurses und einiger Presseartikel hat sich Herr Venizelos entschlossen, mit dieser Tradition zu brechen."

Grund zur Häme besteht in Deutschland in diesem Punkt kaum. Nach der letzten deutschen Ratspräsidentschaft im Jahr 2007 kritisierte der Steuerzahlerbund, allein die Entwicklung des Logos habe 100.000 Euro gekostet. Gedruckt wurde es unter anderem auf Schals, Teddybären und Anti-Stress-Bälle. Kostenpunkt der Werbeartikel: 2,6 Millionen Euro.

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insgesamt 27 Beiträge
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Dr.pol.Emik 25.11.2013
1. Find ich gut …
… bestens man hätte die Gäste auch noch in Zelten übernachten lassen, damit sie da richtige Gefühl für die von ihnen zu verantwortende Politik bekommen, dazu kalt duschen und zu Fuß zu den Meetings traben, das erst wäre richtig angemessen gewesen. *Quadriga, Goldelse und „Dem Deutschen Volke“ werden verkauft* (http://qpress.de/2011/09/09/quadriga-goldelse-und-%e2%80%9edem-deutschen-volke%e2%80%9c-werden-verkauft/) … das ist ein sarkastischer Vorgeschmack darauf, wenn die Sparsamkeit in Deutschland ankommen wird … wenn alles für die Zinsen draufgeht. Wir können uns damit trösten (bislang noch) vermutlich die Letzten in der Reihe zu sein, aber systembedingt sind wir auch irgendwann dran, wenn es bis dahin nicht schon längst in Europa geknallt hat. Genau an dieser Position radikal zu sparen in die richtige Antwort Griechenlands an die Kollegen … (°!°)
chrimirk 25.11.2013
2. Jetzt werden die auch noch Ratspräsident!
Zitat von sysopBeetroot/Griechisches FinanzministeriumUnser Kurs stimmt - diese Botschaft will die Griechenland auch während der anstehenden EU-Ratspräsidentschaft vermitteln. Das Budget soll bescheidener ausfallen als früher. Bereits eingeplante Präsente wurden wieder abbestellt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-kuendigt-sparsame-eu-ratspraesidentschaft-an-a-935591.html
Na ja, wenn man bedenkt, dass so mancher hohe Geistliche ein Bordell besucht(e) ist das nicht zu beanstanden. Nur: Müsen wir in so einem Verein dabei sein? Die EU-Kolchose + der Euro = Grundlage für den Schuldensozialismus in Europa, soll D. schnellstens verlassen. Gründet mit Willigen eine Art EFTA 2.0 und führt den ECU als börsennotierte Verrechnungseinheit ein. Das reicht völlig. Alle anderen "Globalisierungs-Elemente" sind ein Unglück.
ule1996 25.11.2013
3. Griechische Politiker sparen
Wer erlaubt sich eigentlich solche Witze? Nach der Ratspresidentschaft werden die 150 Mitarbeiter natürlich im Staatsdienst verbleiben und ohne Arbeit weiter bezahlt werden wie soviele tausende andere Beschäftigte des griechischen Öffentlichen Dienstes. Die vielen Geschenke konnten nciht mehr abbstellt werden und gehen an die Familien der Politiker und die eigene Klientel. Sparen auf Griechisch ein Witz. Wird demnächst in den Duden aufgenommen.
kumi-ori 25.11.2013
4. Gibt überhaupt keinen Grund zur Kritik.
Wenn die Veranstaltung ca. 130 Millionen weniger koste, als die Party von Sarkozy, dann sind das für jeden Griechen 10 Euro, für eine vierköpfige Familie 40 Euro, die sie gut gebrauchen können. Das sollte ein Ansporn auch für unsere Regierung sein, mal darüber nachzudenken, ob man bei überflüssigen Protzprojekten nicht sparen könnte.
Raúl gonzales 25.11.2013
5.
Das ist doch eine gute Sache. Bezüglich des erwähnten primären Haushaltsüberschusses wäre es aber gut selber mal zu recherchieren und nicht einfach Pressemeldungen abschreiben. Dieser beruht nämlich leider auf Tricksereien. Diese Art von kritischem Journalismus scheint aber nicht mehr gewünscht bzw. möglich zu sein. Ich selber nutze auch die kostenlose App und kann mich deshalb wohl nicht beschweren, wenn das Niveau dementsprechend ist. Trotzdem finde ich das Aussagen die mit Entscheidungen größter Tragweite für Deutschland verbunden sind mit Bedacht getroffen werden sollten.
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