Zwei-Milliarden-Tranche Griechenland meldet Einigung mit Geldgebern

"Wir haben uns geeinigt": Die griechische Regierung darf laut Finanzminister Tskakalotos auf die Auszahlung milliardenschwerer Kredite hoffen. Mit den Geldgebern gebe es eine Einigung über Reformen in dem Krisenstaat.

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem, griechischer Finanzminister Tsakalotos: Das Geld kann fließen
REUTERS

Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem, griechischer Finanzminister Tsakalotos: Das Geld kann fließen


Griechenland hat sich nach mehrtägigen Gesprächen mit den Kontrolleuren der Gläubiger auf ein Bündel von Reformen geeinigt. Dies öffne den Weg für die seit Wochen ausbleibende Hilfstranche von zwei Milliarden Euro für die maroden Staatsfinanzen sowie zehn Milliarden Euro für die Sanierung der Banken, teilte der griechische Finanzminister Euklidis Tsakalotos mit. "Wir haben uns auf das, was erforderlich war, geeinigt", sagte er nach einem Treffen mit Vertretern der europäischen Gläubiger und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Athen.

Wichtigstes Thema seien die sogenannten faulen Kredite, sagte Tsakalotos weiter. Diese haben inzwischen ein Gesamtvolumen von mehr als hundert Milliarden Euro erreicht. Etwa ein Viertel der sozial schwächeren Bürger, die keine Kredite mehr bedienen können, sollen vor einer Beschlagnahmung ihrer Wohnung geschützt werden. Dafür darf etwa eine vierköpfige Familie nach Informationen von SPIEGEL ONLINE jedoch nicht mehr als 20.639 Euro pro Jahr verdienen.

Zudem sollen Besitzer von Hypotheken mit Eigentum im Wert von bis zu 230.000 Euro vor staatlichem Zugriff geschützt werden. In dieser Kategorie dürfen Betroffene über ein Jahreseinkommen von höchstens 13.906 Euro verfügen (Ehepaare 23.659 Euro, vierköpfige Familien 35.086 Euro). Der durchschnittliche Wert von Hypotheken liegt in Griechenland zwischen 90.000 und 100.000 Euro.

Der nächste Comeback-Versuch

Beobachter rechnen noch im Laufe des Vormittags mit einer Bestätigung auch vonseiten der Euro-Gruppe. Am kommenden Donnerstag soll das Reformpaket vom griechischen Parlament gebilligt werden. Am Freitag könnten dann die stellvertretenden Finanzminister der Eurozone der Einigung zustimmen, sagte Tsakalotos. Das würde die Freigabe einer zwei Milliarden Euro schweren Hilfstranche erlauben - zudem könnte es dann grünes Licht geben für milliardenschwere Hilfen zur Rekapitalisierung der vier wichtigsten Banken des Landes.

Das Bundesfinanzministerium zeigte sich wie häufig beim Thema Griechenland zurückhaltend. "Ohne Zweifel gibt es bei den Verhandlungen mit Griechenland substanzielle Fortschritte", sagte Finanzstaatssekretär Jens Spahn SPIEGEL ONLINE. "Jetzt aber muss Griechenland auch liefern." Nach Verabschiedung des Gesetzespakets müsse zunächst die Troika die korrekte Umsetzung bestätigen. Erst danach könne über die Freigabe der zwei Milliarden Euro entschieden werden. "Das wird im Zweifel erst Anfang nächster Woche sein."

Insgesamt geht es für Griechenland um bis zu 86 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre, 13 Milliarden Euro waren bereits im August geflossen. Es ist das dritte Hilfspaket seit 2010. In zwei vorangegangenen Paketen wurden dem Land seit 2010 bereits mehr als 200 Milliarden Euro geliehen. Durch die Vereinbarung über die neuen öffentlichen Kredite war das Land im Juli vor der Staatspleite und einem drohenden Austritt aus der Eurozone bewahrt worden, musste sich dafür aber zu harten Reformen und Sparauflagen verpflichten.

Erst vor einer Woche hatte Tsakalotos erklärt, bereits 2016 wieder Geld bei privaten Investoren leihen zu wollen. Griechenland will sich im kommenden Jahr wieder Geld am Anleihemarkt besorgen. Geplant sei eine Rückkehr in der zweiten Jahreshälfte 2016, sagte Finanzminister Euklidis Tsakalotos am Rande einer Veranstaltung in London.

Es wäre der zweite Comeback-Versuch Griechenlands. Im Frühjahr 2014 hatte das Land nach jahrelanger erzwungener Abstinenz erstmals wieder längerfristige Staatsanleihen an private Investoren verkauft. Kurz danach war allerdings Schluss, die Stimmung verschlechterte sich wieder.

mxw/gec/dab/dpa/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
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fatherted98 17.11.2015
1. Lach...
...ja genau....Einigung...wieder mal...sprich...die Griechen machen Gesetze die danach einfach nicht umgesetzt werden und alle sind zufrieden.
fredadrett 17.11.2015
2. wieso muss sich nochmal geeinigt werden
Es war doch alles besprochen und verhandelt. Wenn sich Griechenland nicht daran hält gibt es kein Geld. Warum diese permanente Nachsicht? Das ist doch alles Bürgerverarsche!
redbayer 17.11.2015
3. Was soll diese Meldung
der EU-Sozialfall Griechenland läuft doch wie immer ... und 100 Milliarden faule Kredite von Privaten - na und - zahlt doch der deutsche Steuerzahler leicht aus "schwarzen Kassen" der Kanzlerin.
TOM_M 17.11.2015
4. hmmmmmmm,
Aha, und diese Milliarden werden in der Zeit nach Griechenland geschoben wenn wir uns über 6 Millionen beim DFB aufregen!! Gute Nacht Deutschland Gute Nacht Euro-Land TOM
spmc-134658795612172 17.11.2015
5. Im Windschatten der Ereignisse...
Vor Wochen noch waren die Zeitungen täglich mit nur einem Thema gefüllt... heute wird am Rande mitgeteilt, dass wohl wieder Milliarden fließen... Glückwunsch!
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