Athen - Die griechische Wirtschaft schrumpft nach Ansicht der nationalen Notenbank 2012 stärker als bislang gedacht. Die Wirtschaftsleistung werde im laufenden Jahr um rund fünf Prozent sinken, sagte Zentralbankchef Georgios Provopoulos in Athen.
Bisher hatte die Bank ein Minus von 4,5 Prozent vorausgesagt. Die Europäische Union rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,75 Prozent. Das hoch verschuldete Land befindet sich seit vier Jahren in einer Rezession. 2011 war die griechische Wirtschaft um 6,9 Prozent geschrumpft.
Provopoulos forderte, das Land müsse zu seinen Reformen und zu den Sparauflagen aus den Rettungspaketen stehen. Griechenlands Mitgliedschaft in der Währungsgemeinschaft stehe auf dem Spiel, falls das Land seinen Verpflichtungen nicht nachkomme - vor allem nach den Wahlen am 6. Mai.
Bei Euro-Austritt droht drastischer Absturz
Im Falle eines Austritts aus der Euro-Zone dürfte Griechenland ein drastischer Absturz drohen. Zwar könnte das Land mit einer eigenen Währung seine Exporte ankurbeln. Die immensen Staatsschulden müsste das Land aber weiter in Euro zurückzahlen - was kaum zu leisten wäre. Zudem würde Experten zufolge ein Großteil der Bevölkerung verarmen, weil die Privatvermögen entwertet wären. Importe aus dem Euro-Raum würden für viele Bürger unbezahlbar, die Inflation könnte schnell 20 bis 30 Prozent erreichen.
Deshalb wollen sowohl Griechenland als auch die Euro-Partner das Land unbedingt in der Euro-Zone halten. Zumal die EU-Kommission zuletzt eine verhalten positive Zwischenbilanz der Hilfsmaßnahmen gezogen hat. Es gebe erste "greifbare Ergebnisse" heißt es in dem Bericht, schon 2012 sei mit Erfolgen des Reformkurses zu rechnen.
"Wenn nach der Wahl Zweifel an der neuen Regierung aufkommen und am Willen der Gesellschaft, die Programme umzusetzen, werden sich die derzeit günstigen Aussichten ins Gegenteil verkehren", sagte Provopoulos. Die Euro-Zone werde in diesem Jahr eine milde Rezession durchlaufen. Bei einer Eskalation der Schuldenkrise könnte sich die Lage verschlimmern, warnte der Zentralbanker.
cte/Reuters
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