Griechenland-Krise Obama wirbt für Großherzigkeit der Europäer

Zum Abschluss seiner Amtszeit und mit Blick auf die Zeit der Trump-Regierung hat US-Präsident Barack Obama Europa zur Einheit aufgerufen. Dazu gehört auch ein großzügigerer Umgang mit Griechenland.

US Präsident Obama (L), Premier Tsipras
AFP

US Präsident Obama (L), Premier Tsipras


Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat an die europäischen Partner appelliert, eine gewisse Nachsicht gegenüber mit dem hoch verschuldeten Euro-Mitglied Griechenland zu üben. "Die Strategie kann nicht einfach 'Sparen' lauten", sagte Obama am Dienstag in Athen bei seiner letzten Auslandsreise als Präsident. Das Land müsse mehr Luft bekommen, um seine Wirtschaft wieder auf tragfähige Füße zu bekommen.

Griechenland ist durch drei Rettungspakete von der EU, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds vor dem Kollaps bewahrt worden. Allein das letzte Paket hat ein Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro. Ministerpräsident Alexis Tsipras fordert aber Schuldenerleichterungen, um die Konjunktur wieder anzukurbeln. Nach sieben Jahren mit schrumpfender Wirtschaft könne sein Land nicht mehr sparen, deshalb müsse es einen substanziellen Schuldenerlass geben, sagte er nach einem Treffen mit Obama. Deutschland allerdings lehnt das zum derzeitigen Zeitpunkt ab.

Bei vielen Griechen stieß Obama mit seiner Solidaritätsadresse auf wenig Gegenliebe. Im Zentrum von Athen protestierten rund 5000 Menschen nach einem Aufruf der kommunistischen Gewerkschaft PAME und zahlreichen Organisationen der außerparlamentarischen Linken. "Er ist unerwünscht", skandierten die Demonstranten, wie Reporter vor Ort weiter berichteten. Die Menschen protestierten gegen die "imperialistische Politik der USA", die egal wer im Weißen Haus sitze, andauere.

Obama sagte Griechenland gleichwohl Unterstützung in der Schuldenkrise zu. "Wir wollen in diesem Prozess Schulter an Schulter mit dem griechischen Volk stehen", sagte er bei einem Treffen mit dem griechischen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos. Das Land habe dramatische Zeiten durchgemacht. Daher seien die USA froh zu sehen, dass es Fortschritte gebe. Es stünden aber auch noch große Herausforderungen bevor.

Obama mahnte die Länder Europas zudem zur Solidarität in der Flüchtlingsfrage: "Es ist wichtig, dass kein Land die Last dieser Herausforderungen allein trägt." In Griechenland sitzen fast 60.000 Migranten fest, weil sie durch die weitgehende Schließung der Balkanroute im Frühjahr nicht mehr wie geplant in den Norden Europas weiterreisen konnten. Viele von ihnen sind in verlassenen Armeekasernen oder Fabriken untergebracht.

Obama hat Athen für den Auftakt seiner Europa-Reise gewählt, die ihn von Mittwochabend bis Freitag auch nach Berlin führt. Er ist noch bis Januar im Amt. Dann übernimmt Donald Trump. Wie dessen politischer Kurs aussehen wird, ist weitgehend noch unklar.

mik/dpa

insgesamt 30 Beiträge
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Bananenschale 15.11.2016
1. Das hätte Obama ...
... ruhig viel früher sagen können! Gut; er hätte Kontra dahingehend bekommen, daß seine Administration nun auch nicht gerade sanftmütig gegenüber den Mühseligen und Beladenen im eigenen Lande ist. Ändert aber an der Sache nichts: Er hat Recht.
werjor 15.11.2016
2. Wen interessiert es was diese Lame-Duck von sich gibt....
was hat er eigentlich zu VW, Deutsche Bank etc zu sagen....oder wo sind die Billionen Dollar die von Europa nach Amerika geflossen sind (Finanzkrise) !? Man sollte Griechenland eher noch härter an die Kandarre nehmen. Gold, Kulturgüter, Inseln, Rohstoffe etc. alles versilbern um Schulden zu tilgen. Die Rente etc. aussetzen, denn die haben die Rente für die nächsten 10 Jahre ja schon verfrühstückt. Rüstungsgüter zurückholen und sie an die Balten zwecks Schutz der Nordfront weitergeben, da die Griechen sie sich ohnehin nicht leisten können. Statt dem grinsenden Linken sollte dort ein von den Gläubigern bestellter Insolvenzverwalter sitzen. Erst wenn die Schulden bezahlt sind sollte das Wahlrecht wieder rückübertragen werden. Wer jetzt mit den armen Griechen kommt....so ist es halt wenn man Geld in Mrd Höhe ausgibt was einem nicht gehört. Ein überschuldeter muss auch mit dem Existenzminimum auskommen, da wird auch nicht gejammert, der arme Kerl, kein Mittelklassewagen mehr, Urlaub gestrichen und jetzt kann er sich auch nicht mehr das neueste Handy und LED Fernsehermodell leisten.....
i.dietz 15.11.2016
3. Hallo Mister Präsident -
Abschiedstour - das tut bestimmt weh - aber sicherlich auf einem Auge eine Wehmut-Träne - auf dem anderen Auge eine Freuden-Träne . Aber, ihr Aufruf zu mehr Solidarität und (finanzielle) Untersützung für Griechenland wird sicherlich ungehört bleiben. Griechenland hängt seit Jahren (!) am Tropf der EU und das nicht zu knapp ! In der EU ist sicherlich keiner mehr bereit, in dieses "Fass ohne Boden" weitere Milliarden Euro (Steuergelder) zu verschleudern ! Griechenland muss e n d l i c h sein Schicksal mal in die eigene Hand nehmen, selbstständig werden bzw. "erwachsen" werden ! Die Regierung(en) müssen für ihr Handeln endlich einmal selbst die Verantwortung übernehmen und nicht wieder mit Tränen in den Augen nach Brüssel "schielen". Genug ist genug ! Ich weiss, das tut weh !
bobrecht 15.11.2016
4. Griechenland ist für die EU wichtiger als die Türkei.
Griechenland dreht zwar geren mal an den Zahlen, aber es ist dennoch die Wiege unserer Kultur und die letzte Europäische Bastion zum Nahen Osten. Der Schutz der Griechischen Grenze betrifft alle Europäer und wir Deutschen schulden den Griechen zudem noch was. Also folgt dem Aufruf Obamas und zeugt Großzügigkeit gegenüber diesem großartigen Volk.
poetnix 15.11.2016
5.
Großzügigkeit setzt neben einem Herzen auch den Blick auf die Menschen voraus. Beides darf er wohl von Merkels Regierung nicht erwarten. Zu groß ist die Angst, den Bürgern die Wahrheit über die Verluste einer falschen "Hilfspolitik", zu sagen.
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