Ehemaliger EU-Währungskommissar Rehn will griechische Schuldenlast reduzieren

Angela Merkel will Griechenland nicht mehr um jeden Preis in der Eurozone halten. Der ehemalige EU-Währungskommissar Olli Rehn hingegen erwartet nach SPIEGEL-Informationen weitere Zugeständnisse der EU-Partner gegenüber Athen.

Europa-Parlamentarier Rehn: Weitere Zugeständnisse aus Brüssel
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Europa-Parlamentarier Rehn: Weitere Zugeständnisse aus Brüssel


Hamburg - Olli Rehn sieht einem möglichen Wahlsieg der radikallinken Syriza-Partei in Griechenland gelassen entgegen. "Es erscheint mir übertrieben, dass einige den Teufel an die Wand malen", sagte der frühere EU-Währungskommissar dem SPIEGEL. "Jede mögliche Turbulenz, die Griechenland verursachen mag, könnte die Eurozone nicht so erschüttern wie 2010 oder 2012." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Das Oppositionsbündnis Syriza sei eine Kirche mit vielen Strömungen, sagte der Finne, der jetzt Abgeordneter im Europaparlament ist. "Es wird schwierig sein, diese Allianz zusammenzuhalten". Auch deshalb werde es Zugeständnisse aus Brüssel bedürfen.

Einen Schuldenschnitt, wie von Syriza-Chef Alexis Tsipras gefordert, hält Rehn für vermeidbar. Die EU-Partner müssten Griechenland jedoch helfen, die griechische Schuldenlast zu reduzieren. "Das können wir aber auch durch eine Verlängerung der Laufzeiten der Kredite erreichen."

Die Bundesregierung hingegen hält nach SPIEGEL-Informationen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für nahezu unausweichlich, wenn Tsipras nach den Neuwahlen die Regierung übernimmt, den Sparkurs aufgibt und die Schulden des Landes nicht mehr bedient.

Entgegen ihrer bisherigen Linie ist die Bundesregierung bereit, Griechenland notfalls aus der Eurozone ausscheiden zu lassen. Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) halten einen Austritt des Landes aus der Gemeinschaftswährung für verkraftbar.

Grund dafür seien die Fortschritte, die die Eurozone seit dem Krisenhöhepunkt 2012 gemacht habe, heißt es in Regierungskreisen. So sei die Ansteckungsgefahr für andere Länder begrenzt, weil Portugal und Irland als saniert gelten. Zudem stehe mit dem ESM ein schlagkräftiger Rettungsmechanismus zur Verfügung, für die Sicherheit großer Kreditinstitute sorge die Bankenunion.



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Thomas Ernst 04.01.2015
1. Salamitaktik
Nach Rehns Ansicht ist ein Schuldenschnitt nicht notwendig. Wenn man allerdings die Rückzahlungen von Krediten erheblich verlängert (und eventuell die Verzinsungen auch noch reduziert), dann nähert man sich immer weiter einem Schuldenschnitt an. Bei Null Zins und 100 Jahre Laufzeit ist der Kredit so gut wie ein Geldgeschenk - also Schuldenerlass.
mielforte 04.01.2015
2. Solidarität oder Sozialismus?
Das Wort Solidarität ist im Sprachgebrauch der Amerikaner gleichbedeutend mit Sozialismus. Vielleicht liegt es an diesem grossen Missverständnis, dass die führende Nation mit ihrem "Baby" auf dem alten Kontinent nicht umgehen kann und so vieles einfach nicht funktioniert.
auf_dem_Holzweg? 04.01.2015
3. es ist amüsant...
Es muss schon sehr sehr schlimm um Griechenland stehen wenn Frau Merkel aufgibt, schliesslich kommt dies einer Kapitulation ihrer Politik gleich. Und trotzdem, selbst nachdem selbst Berlin den Stand Griechenland's scheinbar verstanden hat - gibt es noch weitere Figuren im Euro-Sumpf die weitere Hilfe fordern...
bausa 04.01.2015
4. nicht mit unseren Steuergeldern
Der Euro war mal eine gute Idee. Allerdings haben sich einige Länder diesen Euro erschwindelt, insbesondere die Griechen.Weiterhin gibt es dort immer noch Korruption und Steuerhinterziehung in großem Maße, ein Änderung ist nicht in Sicht. Die wollen so weiter machen wie bisher, aber alle Vorteile einer einheitlichen Währung geniessen. Außerdem, ein einheitliche Währung kann nur funktionieren, wenn überall die gleichen Bedingungen herrschen. Für mich steht fest, das schwache Länder den Euro immer mehr zur Ramschwährung machen, darum gibt es nur eins. Griechen raus, die Italiener, Bulgaren, Rumänen gleich mit. Keine Neuaufnahme mehr im Euroraum! Sonst wieder D-Mark in Deutschland.
jjcamera 04.01.2015
5. Lohnt sich.
Griechenland ist das beste Beispiel dafür, dass sich Schuldenmachen für einen Regierung lohnt. Den Preis zahlen immer andere.
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