Grexit-Szenario Griechenland soll Prozesse gegen deutsche Firmen geplant haben

Siemens, Lidl, Allianz: Gegen eine Reihe deutscher Unternehmen plante die griechische Regierung für den Fall eines Euro-Austritts offenbar Korruptionsverfahren.

Filiale des Wettanbieters Opap: Verstaatlichung stand zur Debatte
AFP

Filiale des Wettanbieters Opap: Verstaatlichung stand zur Debatte


Was tun beim Grexit? Zu den griechischen Überlegungen für ein mögliches Ausscheiden aus dem Euro werden immer weitere Details bekannt. Am Freitag bestätigte Premierminister Alexis Tsipras, er habe Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis angewiesen, einen "Abwehrplan" für den Fall auszuarbeiten, dass Griechenland die Währungsunion verlassen müsse.

Dieser Plan beinhaltete laut einem Bericht der Zeitung "Efimerída ton Syntaktón" auch Korruptionsermittlungen gegen deutsche Unternehmen. Entsprechende Verfahren wären gegen in Griechenland tätige deutsche Konzerne wie Siemens Chart zeigen, Lidl, Allianz Chart zeigen, MAN Chart zeigen und Hochtief Chart zeigen eingeleitet worden.

Ein Bestechungsskandal um Siemens sorgt in Griechenland seit Langem für Diskussionen. In diesem Fall läuft allerdings bereits ein Verfahren. Siemens-Mitarbeiter sollen 1997 etwa 70 Millionen Euro Schmiergelder an die griechische Telekommunikationsgesellschaft OTE gezahlt haben, um die Digitalisierung des griechischen Telefonnetzes übernehmen zu können. Rund ein Dutzend damaliger Siemens-Vertreter und rund 40 weitere Angeklagte stehen deshalb seit März vor Gericht.

Ein weiterer Punkt in Athens Alternativplan waren der Zeitung zufolge Verstaatlichungen. So sei die Übernahme des erst 2013 privatisierten Glücksspielunternehmens Opap vorgesehen gewesen, berichtete das linksgerichtete Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Geplant gewesen seien auch neue Mauteinnahmen an den Autobahnen und der größten Brücke des Landes. Die Regierung in Athen wollte den Bericht zunächst nicht kommentieren.

dab/AFP

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insgesamt 229 Beiträge
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kenzino 01.08.2015
1. Hätte Unterhaltungswert!
Einerseits sicher richtig, Korruption zu verfolgen. Andererseits böte ein solches Rosinen pickendes Vorgehen natürlich viel Spielraum für Interpretationen a la "in Griechenland verfolgen wir Korruption nur in Ausnahmefällen - meistens lassen wir's durchgehen".
goethestrasse 01.08.2015
2.
...China machts doch genauso . Aber unsere Firmen schlucken lieber die Kröte, weil sie den Hals nicht voll genug bekommen können. In Russland ebenso und der Iran bietet sich schon an....
frenchie3 01.08.2015
3. Was hindert die
diese Verfahren zu eröffnen? Gibt es echte Verdachtsmomente dann können die jederzeit loslegen und damit beweisen daß sie es ernst meinen mit der Korruptionsbekämpfung. Ansonsten verdeutlicht dieses Ansinnen nur den Charakter der Regierung
Zaphod 01.08.2015
4. Warum auch nicht?
Merkwürdig ist, dass die deutschen Firmen nur im Falle des Grexits Konsequenzen hätten befürchten müssen. Wenn deutsche Firmen tatsächlich Korruption fördern, so müssen sie selbstverständlich auch ohne Grexit verfolgt werden.
bonner85 01.08.2015
5. Rückzug aus GR
Sämtliche deutsche Unternehmen sollten sich aus GR zurückziehen... Griechenland will andere wegen Korruption anklagen... Was für eine Comedyshow... Das wäre das selbe als wenn der IS jemand anderen wegen Mordes oder Verletzung der Menschenrechte anklagen will... Ich wette 1.000 Euro , dass das dritte Hilfspaket nicht zustande kommt! Wer wettet dagegen?
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