Sozialbetrug Regierung stoppt Zahlungen an 200.000 Griechen

Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten kommt die Regierung in Athen offenbar voran: Eine Untersuchung hat ergeben, dass in 200.000 Fällen monatlich Sozialleistungen oder Renten ausgezahlt wurden, obwohl die Empfänger gar nicht berechtigt sind - oder bereits verstorben.

Sokrates-Statue in Athen: Behörden sortieren Karteileichen aus
REUTERS

Sokrates-Statue in Athen: Behörden sortieren Karteileichen aus


Athen - Die griechische Verwaltung hat damit begonnen, ihre Daten zu sortieren und mit Gegenproben und Bedürftigkeitsprüfungen zu ermitteln, wie viele Bürger zu Unrecht Sozialleistungen oder Renten beziehen. Das Ergebnis: In rund 200.000 Fällen werden demnach Renten oder Sozialleistungen zu Unrecht ausbezahlt - das entspricht zwei Prozent der Bevölkerung.

Der Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bezieht sich auf Aussagen eines Beamten im griechischen Arbeitsministerium, der anonym bleiben wollte. Ihm zufolge erhalten viele Familien monatlich Rentenzahlungen, obwohl die eigentlichen Empfänger bereits verstorben sind.

Jährliche Einsparsumme: 800 Millionen Euro

Außerdem hätten sich viele wohlhabende Griechen als so arm dargestellt, dass sie Sozialhilfe beziehen konnten. Reuters zitiert den Beamten mit den Worten: "Diese Menschen wurden bei der Untersuchung erwischt, und der Staat holt sich jetzt das Geld zurück, das sie sich illegal genommen haben." Die Regierung hat die Zahlungen in den entsprechenden Fällen gestoppt und will so bis zu 800 Millionen Euro im Jahr sparen.

Auf Druck der internationalen Gemeinschaft setzt Griechenland derzeit ein rigides Sparprogramm durch. Dafür kürzte die Regierung in Athen die Renten schon um durchschnittlich 25 Prozent, was im Land zu harschen Protesten führte: Weil fast ein Viertel der elf Millionen Griechen im Ruhestand ist, sind die Rentenzahlungen ein große Belastung für die maroden Staatskassen.

Griechenlands großzügiger Wohlfahrtsstaat und die aufgeblähte Verwaltung wurden immer wieder von den internationalen Kreditgebern als Ursachen für die enorme Verschuldung des Landes genannt. Die Regierung setzt deshalb ein hartes Sparprogramm um: Neben den Rentenkürzungen hat sie auch den Mindestlohn um 22 Prozent gesenkt, Lohnzuschüsse gestrichen, den Verteidigungshaushalt eingedampft und das Arbeitslosengeld verringert.

Die Konsolidierung kommt aber nur schleppend voran. Die Wirtschaft schrumpft weiter, während die Arbeitslosigkeit steigt - auf das Rekordniveau von fast 22 Prozent.

nck/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
galahad610 25.04.2012
1. gute nachricht....
Zitat von sysopREUTERSAuf der Suche nach Sparmöglichkeiten kommt die Regierung in Athen offenbar voran: Eine Untersuchung hat ergeben, dass in 200.000 Fällen monatlich Sozialleistungen oder Renten ausgezahlt wurden, obwohl die Empfänger gar nicht berechtigt sind - oder bereits verstorben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,829725,00.html
das klingt als ob die griechen ENDLICH auf dem richtigen weg wären...und jetzt hoffe ich darauf dass man sich die zuviel gezahlte kohle auch mit zins zurückholt...so,wie es HIER normal wäre! hopp,hellas,weiter so!
gratefultom2 25.04.2012
2.
...dass sich da mal was tut. Ehrenpreis für die flinke griechische Verwaltung...
qranqe, 25.04.2012
3. Immerhin
Es hat zwar Jahrzehnte gedauert, aber endlich, endlich tun sie etwas! Und warum haben sie so lange nichts unternommen? Weil das Geld eh von der EU kam, deren Steuerzahler sich nicht wehren konnten und es der griechischen Regierung absolut egal war, immerhin kein eigenes Geld, den Schaden hatten andere. Das gibt es noch an vielen anderen Stellen in Europa!
sarah_h 25.04.2012
4.
erwischt wurden doch nur die, die nicht clever genug waren ihr Hab & Gut so anzulegen das er Staat nicht mal eben schnell ueberpruefen kann, was man so hat.
Dumme Fragen 25.04.2012
5.
Was man da, samt Zinsen, zurückfordern kann! Da können die Griechen ja endlich die U-Boote bezahlen, die wir ihnen geliefert haben...
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