Schuldenverhandlungen mit der EU Griechen erwarten von Tsipras maximale Härte

In Griechenlands Regierungspartei Syriza werden Stimmen laut, lieber aus dem Euro auszutreten als neue Sparauflagen der EU zu akzeptieren. Gleichzeitig fordern zwei Drittel der Bevölkerung von Premier Tsipras nicht nachzugeben.

Premier Tsipras: Druck aus der Partei und aus der Bevölkerung
DPA

Premier Tsipras: Druck aus der Partei und aus der Bevölkerung


Griechenland könnte in den Verhandlungen mit der EU bis zum Äußersten gehen. Selbst ein Austritt aus dem Euro scheint immer weniger ein Tabu zu sein, wenn man damit neue Sparauflagen der Gläubiger verhindern kann. Regierungschef Alexis Tsipras bekommt gleich von zwei Seiten Druck.

Zum einen werden in seiner eigenen Partei Stimmen laut, notfalls den Euro zu verlassen. "Wer sagt, dass ein Austritt aus dem Euro und eine Rückkehr zur nationalen Währung eine Katastrophe ist?", fragte Energieminister Panagiotis Lafazanis am Wochenende auf einer Tagung der Syriza-Partei - und lieferte die Antwort gleich dazu: Die Regierung solle lieber ihre nächste Kredittranche an den IWF nicht zurückzahlen, statt ihre Prinzipien aufzugeben.

Lafazanis ist der Anführer von Syrizas linkem Flügel, der in der Partei zuletzt deutlich Auftrieb hatte. Ein entsprechender Antrag der Syriza-Linken wurde zwar letztlich abgelehnt - wie das "Wall Street Journal" berichtete mit 95 zu 75 Stimmen. Ein Regierungssprecher versicherte am Sonntag, man werde die kommende IFW-Tranche zahlen.

Das recht knappe Ergebnis zeigt jedoch, wie mächtig der linke Flügel inzwischen geworden ist. Tsipras vertritt eine andere Position, er ist gegen den Euro-Austritt und will die Verhandlungen erfolgreich abschließen. Das aber wird immer schwerer, denn die Parlamentarier vom linken Flügel könnten letztlich jeden seiner Gesetzentwürfe boykottieren.

Zum anderen bekommt Tsipras auch von der Bevölkerung Druck. Am Dienstag veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Public Issue eine Umfrage, derzufolge 59 Prozent der Befragten die Regierung aufforderten, bei den Verhandlungen mit den Gläubigern nicht nachzugeben - und das, obwohl 46 Prozent gleichzeitig fürchten, dass ihre persönliche wirtschaftliche Situation sich verschlechtern wird.

gec/ssu



insgesamt 354 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
oldhenry49 26.05.2015
1. Dann
sollte man den Griechen doch ihren Willenn lassen. Aber nach dem Austritt keinen Cent nach Griechenland. Ich wundere mich immer wieder,wie selbstverständlich angenommen wird,das sparen nie notwendig ist. Aber wahrscheinlich ist nun schon die 2.oder 3.Generation Griechen daran gewöhnt,dass immer irgendwoher Geld gekommen ist und man daher auf so simple Dinge wie Steuerzahungen, getrost verzichten kann.
Gmorker 26.05.2015
2. Interessante Wortwahl
"Energieminister Panagiotis Lafazanis: Die Regierung solle lieber ihre nächste Kredittranche an den IWF nicht zurückzahlen, statt ihre Prinzipien aufzugeben." --- daraus kann man dann also schliessen, das die Fristgerechte Rückzahlung von Krediten nicht zu den Prinzipien der Regierung gehört?
zardoz77 26.05.2015
3. Tja
Mit leeren Taschen kann man keine Forderungen stellen. Dann gehen die Griechen eben aus dem Euro, wenn das griechische Volk es so will. Das beudetet dann aber noch lange nicht das Ende des Euro. Dafür ist Griechenland einfach viel zu unbedeutend. Hilfe wurde angeboten, Milliarden bereits überwiesen. Wenn die griechischen Linken einen nationaleren Kurs bevorzugen, dann werden sie sehen, was sie davon haben. Das Zeichen sollte kraftvoll sein. Und es lautet: "Wer den Euro verlässt, wird kolossal untergehen und niemand wird helfen. Also strengt euch mal lieber an".
auweia 26.05.2015
4. Na also
Werter Herr Tsipras, hören Sie auf Ihres Volkes Meinung. Dann ist der Crash zumindest demokratisch legitimiert und Ihre Noch-Partnerländer sind nicht Schuld gewesen.
realplayer 26.05.2015
5. Was wäre
wenn man die Griechen tatsächlich aus der EU entlässt. Dann könnten die doch alleine weiterwurschteln. Wenn das nicht geht bitte um Erklärung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.