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Chaos in Griechenland: Samaras warnt vor Weimarer Verhältnissen

Es ist ein dramatischer Appell an die Euro-Partner: Griechenlands Premier Samaras warnt in einem Interview vor einem drohenden Absturz seines Landes - und zieht Vergleiche mit den letzten Tagen der Weimarer Republik.

Gewaltsame Proteste in Athen am 26. September: "Das Chaos wartet auf uns" Zur Großansicht
DPA

Gewaltsame Proteste in Athen am 26. September: "Das Chaos wartet auf uns"

Berlin - Die Zeit läuft ab für Griechenland, schon bald droht die Pleite. Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras dringt daher stärker denn je auf die Auszahlung der nächsten Hilfszahlung der internationalen Partner. Dem "Handelsblatt" sagte er auf die Frage, bis wann Griechenland ohne die Rate noch durchhält: "Bis Ende November. Dann ist die Kasse leer."

Samaras zeichnete ein düsteres Bild von der Lage in seiner Heimat. Er warnte eindringlich vor einem Absturz des Landes. "Die Armut wächst, immer mehr Menschen müssen in Suppenküchen gehen, um eine warme Mahlzeit zu bekommen", sagte der Regierungschef. Diese Phase sei schicksalhaft. "Die Menschen wissen, dass dies die letzte Chance Griechenlands bedeutet." Wenn seine Regierung scheitern sollte, "wartet auf uns das Chaos". Der soziale Zusammenhalt sei durch die steigende Arbeitslosigkeit gefährdet - "so wie es gegen Ende der Weimarer Republik in Deutschland war". Die Gesellschaft sei bedroht "durch etwas, das es in unserem Land noch nie zuvor gegeben hat: den Aufstieg einer rechtsextremistischen, man könnte auch sagen faschistischen Neonazi-Partei".

Einen Ausweg sieht Samaras dagegen nur, wenn Griechenland einen größeren Spielraum für die Sanierung bekomme. "Was wir brauchen, ist mehr Zeit für die Haushaltskonsolidierung - aber nicht unbedingt mehr Hilfskredite", sagte er. Helfen könnte derzeit etwa die Europäische Zentralbank, "die ja griechische Staatsanleihen hält, mit niedrigeren Zinsen für diese Papiere". Oder die Notenbank könne einer Laufzeitverlängerung zustimmen, wenn diese Bonds fällig werden, sagte Samaras. Vorstellen könne er sich auch eine direkte Rekapitalisierung der griechischen Banken direkt über den Euro-Rettungsschirm ESM.

Einladung an Kanzlerin Merkel

Samaras lädt in dem Gespräch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Besuch ein. Dieser wäre für das Verhältnis beider Völker sehr wichtig, sagte er. Merkel "ist uns jederzeit willkommen". Die Kanzlerin habe den richtigen Ton getroffen, als sie jüngst ihre Betroffenheit über Schicksale von Menschen in Griechenland zum Ausdruck gebracht habe. "Wir wissen sehr zu schätzen, dass uns die Deutschen und die Europäer in dieser schwierigen Zeit helfen", sagte Samaras.

Während Samaras sein Verhältnis zu Merkel als "sehr positiv" beschrieb, äußerte er sich kritisch zu Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. "Herr Rösler ist offensichtlich nicht unser bester Verbündeter", sagte er. Rösler hatte im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise geäußert, ein Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft habe an Schrecken verloren. Samaras bekräftigte dagegen, dass ein Euro-Ausstieg für sein Land keine Option sei: "Er wäre eine Katastrophe."

yes/Reuters

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1. Jammern ohne zu leiden ...
HerrvonSchmidt 05.10.2012
... ich kann dieses ewige gejammere nicht mehr hören ... man will nur noch mehr aus Deutschland und der EU herausholen ... sorry, ihre Griechen ... der Euro ist nichts für euch (Jammerlappen) ... schnappt euch die Drachme wieder und druckt euer Geld wieder ...
2. klar wäre es eine Katastrophe
ehf 05.10.2012
Wenn die Melkkuh nicht mehr zahlen würde. Dann müssten sie nämlich wirklich mal anfangen, mit dem grossen Aufräumen. Oder mal von den vielen Millionären oder Milliardären Steuern verlangen. Oder den Grossteil ihrer unnützen Beamten entlassen. Katastrophal!
3. Weimarer Verhältnisse ?
coyote38 05.10.2012
Was bitteschön weiss denn Herr Samaras von "Weimarer Verhältnissen" ...? Er sollte sich in seinen Aussagen auf Dinge beschränken, von denen er etwas versteht: Steuerhinterziehung, mafiöse Strukturen, Vetternwirtschaft, Regierungsunfähigkeit, Staatserpressung, Insolvenzverschleppung, Bilanzfälschung ... solche Sachen halt ... Deutsche Geschichte sollte er besser den Deutschen überlassen.
4. Also bitte!
hasenmann123 05.10.2012
Das ist aber nicht vergleichbar...Griechenland hat schließlich nur 6 Mio Einwohner und wenn die das Geld so ausgeben wie ein Cracksüchtiger Junkie kann man irgendwann nicht mehr helfen und Deutschland mit Weimar zu erpressen finde ich schon etwas billig und unter der Würde eines Landes welches sich als das Geburtsland der Demokratie bezeichnet! Selbst wenn in Griechenland Faschisten an die Macht kämen wäre dies für Europa keine echte Bedrohung! Die Griechen sind jetzt sauer weil liebgewonnene Privilegien abhanden kommen...aber was sollen denn die Menschen in Äthiopien oder Kongo sagen! Die werden nicht mit Milliarden verhätschelt und drohen auch nicht dass Sie Faschisten wählen und selbst wenn sie es tun wäre es der Welt egal! Ich sehe nicht ein warum wir den Griechen so viel Geld geben sollen wenn es Länder gibt in denen echtes Elend herrscht und die Hilfe viel nötiger hätten! DieGriechen sollen mal selbst für Ihren Wohlstand kämpfen! Deutschland ging es nach dem Krieg viel schlechter und trotzdem ist es heute Wirtschaftsmacht!
5. optional
johannesmapro 05.10.2012
Das ist doch inhaltlich jeden klar seit dem diese Krise angefangen hat und warum EU und IWF das land total zerstören versteht keiner, vielleicht will man ja die strafflager Diktatur in Griechenland testen
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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