Besuch in Athen: Schäuble stemmt sich gegen Schuldenschnitt

Schäuble: "Niemand, der was von der Sache versteht, redet von einem Schuldenschnitt" Zur Großansicht
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Schäuble: "Niemand, der was von der Sache versteht, redet von einem Schuldenschnitt"

Der Finanzminister gibt sich unnachgiebig: Ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland komme nicht in Frage, sagte Wolfgang Schäuble vor seiner Reise nach Athen. Experten halten einen erneuten Verzicht der Gläubiger jedoch für unvermeidbar.

Berlin - Kurz vor seinem Besuch in Athen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland abgelehnt. "Es redet niemand, der ein bisschen was von der Sache versteht, im Ernst von einem weiteren Schuldenschnitt für die privaten Gläubiger", sagte Schäuble im RBB-Inforadio. Zunächst müsse das Land jetzt alle Auflagen im Zusammenhang mit den internationalen Hilfskrediten erfüllen. 2014 gebe es dann die Möglichkeit, über weitere Hilfen zu reden.

Viele Ökonomen sehen einen weiteren Schuldenschnitt dagegen als unvermeidbar an. Laut Jörg Rocholl, Präsident der ESMT-Hochschule in Berlin, werde es sich um einen deutlichen Milliardenbetrag handeln - und diesmal die öffentlichen Gläubiger und damit die Steuerzahler treffen. "Ich halte einen weiteren Schuldenschnitt für unabwendbar", sagte Rocholl der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Bislang ist noch kein Cent aus dem Bundeshaushalt nach Athen geflossen - Deutschland hat lediglich Bürgschaften für Kredite an Griechenland übernommen und erwartet, dass diese mitsamt Zinsen zurückgezahlt werden. Das könnte sich jedoch ändern. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bereits mehrfach klargemacht, dass aus seiner Sicht kein Weg an einem Schuldenschnitt vorbeiführt.

Parlament billigt Entlassungen im Öffentlichen Dienst

Schäuble wird im Laufe des Tages in Athen erwartet. Die griechische Polizei hat umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Schäuble trifft sich unter anderem mit dem griechischen Regierungschef Antonis Samaras, Finanzminister Yannis Stournaras und Wirtschaftsminister Kostis Chatzidakis.

In den Gesprächen soll es unter anderem um einen neuen Wachstumsfonds gehen. Der auch mit Finanzmitteln der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausgestattete Fonds soll Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen in Griechenland vergeben. Deutschland will dafür bis zu 100 Millionen Euro "in Aussicht" stellen, wie aus Berliner Regierungskreisen verlautete.

In der Nacht zu Donnerstag hatte das griechische Parlament mit knapper Mehrheit das umstrittene Sparprogramm für den Öffentlichen Dienst gebilligt. Es sieht unter anderem die Streichung Tausender Stellen im Staatsdienst bis Ende 2014 vor. Gegen das Sparprogramm hatte es in Griechenland bis zuletzt heftige Proteste gegeben.

SPIEGEL ONLINE

cte/AFP/dpa

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insgesamt 244 Beiträge
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1. Und er kommt doch
Klaus100 18.07.2013
...der Schuldenschnitt.Schäuble spielt wie immer auf Zeit. Vielleicht ist das auch gut so. Wenn die Griechen den Eindruck haben, dass es auch einfach geht, tun sie überhaupt nichts.
2. Deutschland gerät immer mehr in den €-Haftungssumpf...
Watschn 18.07.2013
Das einfache griechische Volk ist nicht schuldig, und wir Deutsche haben keine Zahlknechte zu sein! Es ist der €uro der Schuld hat, denn er wurde zu unbedacht, zu wenig nachhaltig durch fachlich ausgewiesene Wirtschaftsfachleute auf alle ökonomischen Details (Wirtschaftskraft, Produktivität, Homogenität der Wirtschaftsräume, wie auch die menschlichen Faktoren, Mentalitäten, Arbeitslosigkeit, Lebenskultur uam.) geprüft. Die kerneuropäische Vorantreiber des €uro, wie die EU-Politik ist im Brennpunkt der Schuld...., denn vor allem die Regierungen von D+F haben für dieses "€uro-Projekt" die Südländer euphorisiert und damit angestiftet.... Es ist menschlich und nachvollziehbar, das die Südeuropäer verführt durch den Rückgang der Zinslast durch die €uroeinführung von ca. 10% auf 3%, begeistert ausgegeben & konsumiert haben (Bauwirtschaft, Hypotheken, Privatkonsum, erhöh. der staatl. Löhne). Dies hat natürlich die Fehlentwicklung genährt. Wir Nordländer in der gleichen Situation kaum anders handeln. Daher ist die Einheitswährung €uro - solch unterschiedliche Wirtschaftsräume und Mentalitäten in kurzer Zeit in einem Währungsraum zu verschmelzen - absolut ungeeignet, und erzeugt statt Frieden und Wohlstand - Unfrieden, Spannungen, Hass - und schliesslich Konflikte. Es ist bald nicht mehr auszuschliessen, dass diese Konflikte in Umstürze, Bürgerkriege, Sezessionen und südeuropäische Militärdiktaturen münden werden. Die Ursache dieser kolossalen Jahrhundert-Fehleinschätzung liegt nicht zuletzt bei solchen unverbesserlichen, €urobesoffenen (Alt)-Politikern wie Kohl, Genscher, Waigel, Schäuble & Konsorten... Unbedachte €urophile, die unter oberflächlich-schludrigen €uro-Konzeption darauf hinarbeiteten, mit ihren "europapolitischen Visionen" prestigeträchtig in den Geschichtsbüchern zu landen... Landen werden sie in den Büchern schon....aber mehr in Schimpf und Schande.. Dieser €-Wahnwitz liegt heute darin, das der €uro sehr wohl eine Frage von Krieg und Frieden werden könnte......, aber ganz anders, als sich das Kohl ausgemalt hat...... Die einzig richtige Schlussfolgerung ist der €-Austritt der gesamten €-Südländer welche nicht mit dem €uro zurechtkommen. Länder welche früher (vor der €urozeit) ihr Produktivitätsdefizit mit Abwertung der eigenen Währung meistern konnten. Und dies sind nun alle €-PFIGZSS-Länder südlich u. westlich des Alpenkamms..! (Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland, Zypern, Spanien, Slowenien). Alles andere.........(€-Transferunion / pampern des €-Süden mit €uros bis zum St. Nimmerleinstag) wird die €urozone in eine soziale und wirtschaftliche Sahelzone verwandeln...
3. Kein Schuldenschnitt
prophet46 18.07.2013
Zitat von sysopDer Finanzminister gibt sich unnachgiebig: Ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland komme nicht in Frage, sagte Wolfgang Schäuble vor seiner Reise nach Athen. Experten halten einen erneuten Verzicht der Gläubiger jedoch für unvermeidbar. Griechenland: Schäuble will von Schuldenschnitt nichts wissen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-schaeuble-will-von-schuldenschnitt-nichts-wissen-a-911734.html)
Schäuble hat ganz entschieden recht. Keinen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland, man würde wieder in den alten Schlampermodus fallen. Erst wenn der griechische Staat sich auf eine nachhaltige, langfristig tragfähig Basis reformiert bzw. geschrumpft hat,vielleicht in 10 Jahren, könnte man über einen Schuldenschnitt reden. Zinserleichterungen ja, aber auf keinen Fall ein Schuldenschnitt.
4.
zynik 18.07.2013
Zitat von sysopDer Finanzminister gibt sich unnachgiebig: Ein weiterer Schuldenschnitt für Griechenland komme nicht in Frage, sagte Wolfgang Schäuble vor seiner Reise nach Athen. Experten halten einen erneuten Verzicht der Gläubiger jedoch für unvermeidbar. Griechenland: Schäuble will von Schuldenschnitt nichts wissen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-schaeuble-will-von-schuldenschnitt-nichts-wissen-a-911734.html)
Ach Wolfgang, die privaten Gläubiger haben doch längst ihre Schulden auf die Schultern der Steuerzahler umverteilt. Und wer, wie gestern in den Tagesthemen, die Steuerflucht der Absahner mit einem Schulterzucken quittiert, scheint da auch keine großen Probleme mit zu haben. Jetzt einen auf Held der Steuerzahler zu machen, ist ungefähr so glaubhaft, wie die Tacheles-Ansprache des Innenminister in den USA.
5. Hart bleiben!
mps58 18.07.2013
Deutschland muss hier konsequent hart bleiben, ansonsten wird sich in dem Land nie etwas ändern. Solidaritätsgeschwafel ist bei einem von Korruption gequälten Land völlig fehl am Platz. Deutsche Steuerzahler dürfen nicht für die Versäumnisse griechischer Milliardäre und die eklatanten Fehlentscheidungen der rot-grünen Regierung von Schröder einstehen.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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