Kompromissangebot aus Griechenland Wo ist der neue Vorschlag?

Letztes Treffen, letzte Chance, letztes Angebot. Die griechische Regierung sagt, sie habe ihren Gläubigern ein neues Papier geschickt. Doch warum ist es in Brüssel nicht angekommen?

Griechischer Ministerpräsident Tsipras: Doch noch ein Kompromissvorschlag?
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Griechischer Ministerpräsident Tsipras: Doch noch ein Kompromissvorschlag?

Von , Brüssel


Einfach war die Kommunikation zwischen der griechischen Regierung und ihren Gläubigern nie, und auch der Sonntag vor dem Euro-Krisengipfel macht da keine Ausnahme. Über eine Art Telefonkette verbreitete sich die Nachricht, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras einen neuen Vorschlag übermitteln wolle.

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Heft 26/2015
Europas Scheitern: Was es kostet und was danach kommt

Tsipras telefonierte mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande. Juncker wieder stimmte sich seinerseits mit Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde ab, seine Mitarbeiter kontaktierten Vertreter der Europäischen Zentralbank.

Ein konkreter Vorschlag aus Griechenland ging aber in Brüssel bis zum späten Sonntagnachmittag nicht ein - dafür offenbar bei Hollande, der in Italien weilte. Angeblich bemühen sich EU-Beamte nun, das Papier von der Pariser Regierung weitergereicht zu bekommen.

Griechenlands Geldgeber, der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission, wollten noch am Sonntag erneut zu Beratungen über eine Lösung der Schuldenkrise zusammengekommen.

Aus Athen erfährt man, wie so oft, am meisten

Aus Athen war - wie so häufig in den vergangenen Monaten - am meisten zu erfahren. Die griechische Regierung hatte am frühen Nachmittag erklärt, Deutschland, Frankreich und die EU-Kommission hätten die Vorschläge erhalten. Finanzminister Gianis Varoufakis zeigte sich zudem optimistisch, dass eine Vereinbarung mit den Kreditgebern möglich sei. Auf die Frage, ob er davon überzeugt sei, sagte Varoufakis: "Immer, wir sind auf dem Weg zu einer Übereinkunft." Details nannte er allerdings nicht.

Die englische Zeitung "The Guardian" zitierte ohne Angabe von Quellen angebliche Einzelheiten aus dem griechischen Vorschlag. Tsipras biete demnach an, bei den Schlüsselfragen Mehrwertsteuer und Renten Zugeständnisse zu machen. Im Gegenzug bieten die Europäer dagegen eine Art Schuldenerleichterungen an. Selbst wenn diese Details stimmen sollten, sicher ist eins: Die Geldgeber werden keinem Deal zustimmen, der der griechischen Regierung keine Reformen abverlangt.

Die Zeit drängt, denn bevor die Euro-Gruppe, die am Montag um 12.30 Uhr in Brüssel zusammenkommt, über einen Kompromiss entscheiden kann, müssen die Vorschläge möglichst weit ausgearbeitet werden. Die dafür verantwortlichen Mitarbeiter stehen bereit, auch die ganze Nacht durchzuarbeiten, das haben die Gläubiger mehrfach betont.

Erst wenn die Euro-Gruppe ein sogenanntes "Staff-level-agreement" vorliegen hat, könnten die Mitglieder den Deal bewerten und den Staats- und Regierungschefs, die am Montagabend ab 19 Uhr zusammenkommen werden, eine Empfehlung geben.

Vorher gibt es aber noch ein weiteres Treffen: Tsipras wird nach Angaben von EU-Diplomaten noch am Montagvormittag den EU-Kommissionspräsidenten Juncker treffen.

Mit Material von AFP und Reuters

insgesamt 39 Beiträge
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Incognito 21.06.2015
1. Die
... wegen des Post-Streiks in Kastrop-Rauxel hängen geblieben und kommt erst mit 6 Tagen Verspätung an. Manchmal schreibt das Leben die schönsten Geschichten: Griechenland floegt aus dem Euro, weil die deutschen Kollegen bei der Post streiken.
southofhighway 21.06.2015
2. Die Gaukler....
und Taschenspieler aud GR haben ihre Post verlegt....und morgen ist Weihnachten !
herr minister 21.06.2015
3. Email
Wie wäre es mit einer email - oder bleiben die mittlerweile im Spam Filter der Bundesregierung hängen?
Hamberliner 21.06.2015
4. Trick 17?
Alter Hut. Wenn man die Pistole auf der Brust hat und bis zu einer Deadline etwas einreichen muss, was man gar nicht einreichen kann, mailt man irgendein längeres Dokument als PDF. Vorher macht man das PDF dergestalt kaputt, dass Adobe Acrobat abstürzt. Wenn der Druckmacher sich endlich bequemt, das PDF zur Kenntnis zu nehmen und zu meckern, hatte man inzwischen genügend Zeit, das richtige PDF zu erstellen, und entschuldigt sich brav für die Panne, hier sei das Dokument ein zweitesmal.
c0bRa 21.06.2015
5. Liegt sicher in...
... irgendeinem Lager der "Deutschen Post", was bestreikt wird... Würde mich nicht wundern, wenn das Verblödeln der Post auch uns Deutschen in die Schuhe geschoben wird...
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