Griechenland Steuerfahnder kündigen Razzien wie in Deutschland an

Großkonzerne in Griechenland müssen sich ab dem kommenden Jahr auf unbequemen Besuch einstellen. Die Regierung will Steuerfahndungstrupps losschicken - nach "deutschem Vorbild".

Straßenszene in Athen: Jagd auf Steuergelder
REUTERS

Straßenszene in Athen: Jagd auf Steuergelder

Von


Griechenland will an das Geld der Steuerbetrüger - und konzentriert sich auf die großen Fische. Die Regierung setzt darauf, dass bei Konzernen besonders viel zu holen ist. Ab 2016 sollen Polizeiermittler und Steuerfahnder in großem Stil die Büros von international agierenden Firmen, Banken, Medienkonzernen und Bauunternehmen durchsuchen.

Der Kurs der griechischen Regierung: Die kleineren Steuersünder werden weniger beachtet, die großen Fälle dagegen professionell angegangen. Vizefinanzminister Trifon Alexiadis preist diese Strategie als "deutsches Modell" an. In einer Rede vor dem Parlament erläuterte er am Dienstag die künftige Taktik.

Vorbild seien Überprüfungen, wie sie auch in Deutschland stattfänden, sagte Alexiadis. Er verwies darauf, dass es in Deutschland groß angelegte Razzien in Firmen gebe, wenn der Verdacht auf Steuerhinterziehung bestehe. "Solche Szenen werden wir künftig auch in Griechenland sehen", sagte der Vizefinanzminister.

Alexiadis hatte bereits gegenüber SPIEGEL ONLINE angekündigt, die Regierung wolle im Kampf gegen Steuerhinterziehung keine neuen Strategien austesten, sondern das deutsche Modell als Vorbild nehmen. Damals sagte er auch, er wolle sich Know-how von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble abschauen.

Kritiker sehen allerdings auch in Deutschland Aufholbedarf beim Kampf gegen Steuerbetrug. So wird etwa an den Stellen für Finanzbeamte gespart. Andererseits sorgte der Steuerprozess gegen Ex-Bayern-Manager Uli Hoeneß für großes Aufsehen. Hoeneß wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Dass in Deutschland auch bekannte und einflussreiche Menschen vor Gericht kommen, wird offenbar im Ausland anerkannt. Alexiadis kündigte an, neben kleinen und mittleren Unternehmen müssten sich vor allem große Firmen auf Nachforschungen einstellen. "Wir sollten den Banken und den großen Baufirmen auf die Finger schauen", sagte er.

Zudem versprach er, dass Ermittler die sogenannte Lagarde-Liste mutmaßlicher Steuersünder abarbeiten werden. Diese Liste umfasst 2062 Namen von Leuten, die verdächtigt werden, Geld vor dem griechischen Fiskus im Ausland zu verstecken. Die Behörden bekamen die Liste bereits 2012. Abschließend überprüft wurden bisher offiziellen Angaben zufolge aber nur 136 der Genannten.

Alexiadis erklärte nun vor dem Parlament, die Überprüfung der gesamten Liste solle 2016 abgeschlossen sein. Insgesamt soll es um Vermögenswerte von geschätzt 1,5 Milliarden Euro gehen. Als Ergebnis der bisherigen Überprüfungen soll Griechenland bislang 80 Millionen Euro zurückgefordert haben.

Pikant ist jedoch: Bereits Ende dieses Jahres könnten Verjährungsfristen greifen. Die Regierung werde alles Mögliche unternehmen, um dies zu verhindern, versprach Alexiadis.

Übersetzung aus dem Englischen: Maria Marquart

insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
TheFrog 07.10.2015
1. Na ja, wenn der Vizefinanzminister...
das ankündigt. Ankündigungen haben wir in den letzten Jahren schon sehr viele vernommen. Allerdings ist es eigentlich immer dabei geblieben, bei der Ankündigung.
akkronym 07.10.2015
2. Falsches Vorbild
Wenn die deutsche Steuerfahndung Vorbild sein saoll, dann wird nicht viel bei raus kommen. Wir erinern uns an Steuerbehörden, die Steuerfahnder supendierte oder dienstunfähig schreiben leiß, weil diese ihren Job im Sinne eines Steuerfahnders und nicht als Steuermiderer verstanden.
alice-b 07.10.2015
3. Schön...
Alexiadis versprach.... was haben seine Vorgänger alles versprochen... was wurde gehalten? Dieses Zitat finde ich tollsten: Pikant ist jedoch: Bereits Ende dieses Jahres könnten Verjährungsfristen greifen. Die Regierung werde alles Mögliche unternehmen, um dies zu verhindern, versprach Alexiadis. Heißt, noch 2,5 Monate, für das was seit 3 Jahren bekannt ist. Da weiß ich nicht ob ich lachen oder heulen soll.
steinbock8 07.10.2015
4. es wäre schon gut
den Tag und die Uhrzeit vorher noch bekanntzugeben damit man sich darauf einstellen kann
El pato clavado 07.10.2015
5. ab kommenden Jahr ?
wie günstig, dann haben die Leute ja noch fast 11 Wochen Zeit alles sauber zu putzen,.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.