Fehlende Computer und Büros Griechenland lässt Steuereintreiber im Stich

Rund 55 Milliarden Euro schulden griechische Bürger dem Fiskus. Doch der Kampf gegen die Steuerflucht kommt laut einem Bericht von IWF und EU kaum voran: Viele Beamte der Steuerfahndung haben weder einen Computer noch einen richtigen Arbeitsplatz.

Finanzamt in einem Athener Vorort: Der Staat droht mit Gefängnisstrafen
REUTERS

Finanzamt in einem Athener Vorort: Der Staat droht mit Gefängnisstrafen


Athen - Griechenland braucht dringend neue Einnahmen, auf dem verstärkten Kampf gegen Steuerhinterziehung ruhen deshalb große Hoffnungen. Doch laut einer Studie von Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU kommt das Land bei der Modernisierung seiner Steuerfahndung kaum voran.

Das Papier, das am Donnerstag in der griechischen Presse veröffentlicht wurde, listet eine ganze Reihe von Defiziten auf: Wichtige Behörden der Steuerfahndung seien unterbesetzt. In vielen Fällen hätten die Angestellten weder Computer noch richtige Arbeitsplätze in einem Büro.

Die von Athen versprochene Neuorganisation der Behörde sei am Widerstand der Gewerkschaften der Staatsbediensteten gescheitert, heißt es weiter. Aus diesem Grund seien die Steuereinnahmen im Rückstand, was die Umsetzung des Sparprogramms gefährde. Zudem stellen die Experten von EU und IWF fest, dass Korruption in dieser Behörde noch nicht bekämpft worden sei.

Die Experten der Troika starten am Sonntag eine weitere Kontrolle der Bücher in Athen. Am Mittwoch hatte die Regierung unter Ministerpräsident Antonis Samaras angekündigt, sie nehme einen neuen Anlauf, um Steuerschulden einzutreiben: Das Finanzministerium drohte allen, die dem Staat mehr als 5000 Euro schulden, mit Gefängnisstrafen. Parallel droht das Finanzministerium auch Steuerbeamten Strafen an, die Steuersünder nicht anzeigen. Athen hofft damit einen Teil der insgesamt rund 55 Milliarden Euro zu kassieren, die Unternehmen und Bürger dem Staat schulden.

Am Mittwoch war der frühere Bürgermeister von Thessaloniki zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Vassilis Papageorgopoulos soll die Veruntreuung öffentlicher Gelder in Höhe von fast 18 Millionen Euro genehmigt haben. Die Entscheidung sorgte für großes Aufsehen; der Konservative ist seit Jahren der erste griechische Politiker, der verurteilt wurde.

dab/dpa

insgesamt 114 Beiträge
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suzie_q 28.02.2013
1. Alles leere Phrasen
ich kann das nicht mehr hören. Griechenland lebt in einem Sumpf voll Korruption, Steuerhinterziehung und Vetternwirtschaft. Solang andere dafür bezahlen, wird sich nichts ändern.
Abraxas77 28.02.2013
2. Die sollen froh sein
bei uns werden Steuerbeamte als psychisch krank frühverrentet, wenn sie den "ehrenwerten" Freunden unserer Politiker zu nahe kommen.
Anton 100 28.02.2013
3. Failed State
Sollte man beim Sammeln solcher Fakten über Griechenland nicht mit der Zeit zu der Meinung kommen, dass wir inzwischen auch schon im angeblich gesichert-kultivierten Europa einen Failed State haben? Warum da noch mit dem Finger auf Somalia oder auf manche Länder Schwarzafrikas zeigen ...? Und warum ignorieren das unsere Polit-Größen?
Methados 28.02.2013
4.
Zitat von sysopAFPRund 55 Milliarden Euro schulden griechische Bürger dem Fiskus. Doch der Kampf gegen die Steuerflucht kommt laut einem Bericht von IWF und EU kaum voran: Viele Beamte der Steuerfahndung haben weder einen Computer noch einen richtigen Arbeitsplatz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-steuerfahndern-fehlen-computer-und-bueros-a-886075.html
"am widerstand der gewerkschaften" evtl sollte man zuerst die gewerkschaften an sich verbieten, evtl klappt es dann ja mit effizienz usw.
monschu 28.02.2013
5. optional
na bei den vielen Milliarden für den "Rettungsfond" sind natürlich ein paar euro für Computer nicht drin...man unterstützt lieber Banken, wo das Geld über Jahre in schwarzen Löchern, auch "Erfolgsbonus" für den Vorstand genannt, verschwindet.
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