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Wiedereinstellung gegen Provision: Korruptionsvorwürfe gegen Syriza-Minister

Syriza-Unterstützer am Wahlabend (Archiv): Die Korruption hinter sich lassen Zur Großansicht
AP/dpa

Syriza-Unterstützer am Wahlabend (Archiv): Die Korruption hinter sich lassen

In der griechischen Regierung bahnt sich ein Korruptionsskandal an: Der für die Verwaltungsreform zuständige Minister profitiert einer griechischen Zeitung zufolge finanziell von der Wiedereinstellung gefeuerter Beamter.

Athen - Es klingt wie eine Nachricht aus jenem Griechenland, das die Syriza-Bewegung überwinden und endgültig hinter sich lassen wollte: ein Land mit allgegenwärtiger Korruption, in dem die herrschende Klasse sich aus der Staatskasse bedient und Freunde und Familie gleich mitversorgt.

Georgios Katrougalos, als Minister zuständig für die Verwaltungsreform und den öffentlichen Dienst, soll persönlich von der Wiedereinstellung der unter den Sparauflagen gefeuerten Beamten profitieren.

Die griechische Wochenzeitung "To Vima" berichtet, dass die Anwaltskanzlei von Katrougalos Verträge mit 300 früheren Beamten geschlossen hat. Wenn sie wieder eingestellt und für die Zeit der Arbeitslosigkeit entschädigt werden, müssen sie dem Bericht zufolge zwölf Prozent dieses Geldes an die Kanzlei abführen. Egal, ob der Fall von einem Richter oder außergerichtlich entschieden wird.

Pikanterweise wurden die Verträge mit den Beamten am 26. und 27. Januar geschlossen - direkt nach der Wahl, als die Syriza-Bewegung mit der Regierungsbildung beschäftigt war. Und als Katrougalos zum Verantwortlichen für den öffentlichen Dienst ernannt wurde.

Der Zeitung zufolge verpflichten die Verträge mit den Ex-Beamten die Anwaltskanzlei dazu, die Ansprüche der ehemaligen Beschäftigten gegenüber dem griechischen Staat einzuklagen. Sobald der Fall gewonnen ist, wird die Zwölf-Prozent-Gebühr fällig.

Der Deal war schon damals ein ziemlich sicheres Geschäft. Schließlich war die Wiedereinstellung von 15.000 Beamten, die Griechenland als Auflage für das Euro-Rettungsprogramm hatte entlassen müssen, ein zentrales Wahlversprechen des jetzigen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras.

"To Vima" wird den kompletten Bericht erst am Sonntag veröffentlichen, aber die Vorabmeldung hat so viel Wirbel ausgelöst, dass sich Katrougalos genötigt sah, eine Pressekonferenz zu geben. Darin erklärte er, dass die Zahlungen der Ex-Beamten nicht an ihn persönlich gingen, sondern einzig die Kanzlei profitiere. Zudem habe er seine Partnerschaft in der Anwaltskanzlei ruhen lassen, seitdem er im vergangenen Jahr ins Europaparlament gewählt worden war.

Der Zeitung zufolge hat Katrougalos allerdings einen Anspruch auf das Geld, sobald er seinen Ministerposten verliert. Ginge es nach der Opposition, dürfte das sehr bald sein.

Die Partei des früheren Ministerpräsidenten Antonis Samaras, Nea Demokratia, forderte bereits den Rücktritt von Katrougalos, weil er "nicht verdiente Staatsangestellte wieder eingestellt hat, sondern die eigenen Kunden". Ministerpräsident Tsipras sagte allerdings nach einem Gespräch mit seinem Minister, dass ihn dessen Erklärungen überzeugt hätten.

nck/gec

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Seltsam,
cartwright58 21.03.2015
aber irgendwie wundert das mich jetzt nicht wirklich.
2. Da bleibt mir die Spucke weg
ulijoergens 21.03.2015
Selbst ohne den massiven Interessenkonflikt finde ich derartige Verträge ethisch mehr als fragwürdig. Durch und durch verrottet...
3. Passt!
bebelon 21.03.2015
Das ist mal wieder ein klassischer Fall von Bock als Gärtner.
4.
pecaracas 21.03.2015
Solange dei Schuld nicht bewiesen ist, gilt die Person als Unschuldig. Aus Erfahrung kann man aber sagen, dass das ein ganz logischerr Fall ist, die Linken haben halt Nachholbedarf, 40% in die Parteikasse, 60% in die eigene Tasche. Die Parteiarbeit muss ja finanziert werden.
5. egal, ob fake oder nicht
klyton68 21.03.2015
Das ist in D hier Wasser auf die Mühlen. Und gleich explodiert das Forum wieder vor Empörung. Nee, erst Morgen. Der Zensor hat auch ab 22.00 Feierabend. Und ich wähle die AfD ...................... nicht.
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