Griechenlands Reformprogramm Geldgeber werfen Syriza Rücksichtnahme auf Reiche vor

Übt Griechenlands linke Regierung zu viel Nachsicht mit reichen Eliten? Vertreter der internationalen Geldgeber kritisieren nach SPIEGEL-Informationen eine soziale Schieflage im Reformprogramm von Syriza.

Griechische Flaggen: Soziale Schieflage im Reformprogramm
AP/dpa

Griechische Flaggen: Soziale Schieflage im Reformprogramm


Ausgerechnet die linksgerichtete Syriza-Regierung soll zu viel Nachsicht mit Griechenlands Reichen walten lassen. Griechische Regierungsvertreter seien mindestens zweimal gewarnt worden, wohlhabenden Einwohnern Steuerschulden zu stunden, erfuhr der SPIEGEL aus Verhandlungskreisen. Doch habe sich Athen darüber hinweggesetzt und damit eine rote Linie überschritten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Zwar hatte bereits die Regierung des konservativen Regierungschefs Antonis Samaras beschlossen, den Griechen Steuerstundungen zu ermöglichen. Doch waren davon die 6500 größten Steuersünder ausgenommen.

"Die jetzige Regierung hat die Steuerstundungen sogar noch ausgeweitet und auch die relativ Vermögenden einbezogen", kritisiert der deutsche Ökonom Klaus Masuch, der fünf Jahre Delegationsleiter der Europäischen Zentralbank für Griechenland war und nun in der EZB jene Länder kontrolliert, die Hilfen von der EU bekommen.

Die bisher vorgelegten Pläne der Athener Regierung hält Masuch für nicht ausreichend. "Wir brauchen ein umfassendes Paket mit einer kritischen Masse an Reformen", sagte er dem SPIEGEL.

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insgesamt 105 Beiträge
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Seite 1
wibo2 18.04.2015
1. Die Armen aus den reichen Ländern sollen die Steuern für die Reichen aus den armen Ländern zahlen!
Dieses griechische Schmierentheater geht einem echt nur noch auf die Nerven. Auf was haben sich die Eurokraten mit Griechenland bloß eingelassen?
hevopi 18.04.2015
2. Irgendwann
begreift sogar der Obernaive: Griechenland gibt mehr aus, als es einnimmt und das hat Gründe. Es ist nicht nur das Steuersystem, die unfähige korrupte Verwaltung, sondern zur griechischen Geschichte gehört es nun mal, nicht so ganz logisch Entscheidungen zu treffen. Ob es nun die Renten für Tote waren, Grundstücksurkunden für nie gekaufte Grundstücke, Prämien für Arzttermine usw., so lange die Bevölkerung damit glücklich ist und nicht andere dieses System finanzieren müssen, warum nicht. Wenn nicht die Aufnahme in den Euro erfolgt wäre, hätte man weitergewurschtelt und die Yachtbesitzer wären nie gefragt worden, wie sie mit einem Einkommen von jährlich 50.000 € eine Yacht im Wert von 20 Mio realisieren können. Typisch ist auch: Wer in Athen eine Villa mit Swimming-pool hat und diesen abdeckt, hat eben keinen, d.h. wird auch steuerlich nicht so behandelt. Laßt doch endlich den Griechen ihren Lebensstil weiterleben und gebt ihnen die Drachme, alle Schulden (sind ja nur über 240 Milliarden) werden nicht zurückgezahlt und die anderen Länder finanzieren eben diese Entwicklung.
filimou 18.04.2015
3. Ja und die Zinsabschlagssteuer auf Kapitalerträge
ist in Griechenland für Privatleute immer noch auf dem extrem niedrigen Satz von15%. Davon profitieren doch auch nur die wohlhabenderen Griechen. Es bedürfte nur eines Federstrichs, den Steuersatz mindestens auf den Deutschen Satz von 25 % + Soli anzuheben. Unterbleibt diese Maßnahme vielleicht nur deshalb, weil die Politikerkaste davon betroffen wäre????
MarkusH. 18.04.2015
4.
schon lustig. es passiert ja doch was in Griechenland. gesetze und reformen werden beschlossen. nur kostet leider jedes davon geld oder bringt 0,0 Steuereinnahmen. das ist schon ne Leistung. und das konsequent.
marthaimschnee 18.04.2015
5.
Wo ist der Unterschied, ob die Reichen keine Steuern zahlen, oder die Reichen keine Steuern zahlen?
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