Ende der Sparpolitik Griechische Regierung will Mindestlohn anheben

Syriza setzt ein weiteres Wahlversprechen um: Der Mindestlohn soll wieder auf das Vor-Krisenniveau von 751 Euro pro Monat steigen.

Arbeitsminister Panos Skourletis: Mindestlohn hoch
imago

Arbeitsminister Panos Skourletis: Mindestlohn hoch


Athen - Die griechische Regierung hat erste Eckpunkte der geplanten Erhöhung des Mindestlohns genannt. Die Regierung halte an dem Vorhaben fest, die Tarifverhandlungen wiedereinzuführen und den Mindestlohn aufzustocken. Der war mit dem Rettungspaket 2012 von 751 auf 586 Euro im Monat abgesenkt worden.

"Wir gehen davon aus, dass die Wiederherstellung des Mindestlohns auf diesem Niveau dem Markt einen kleinen Wachstumsschock geben kann", sagte der neue Arbeitsminister Panos Skourletis am Sonntag in Athen. "Wenn Sie Menschen mit einem solch niedrigen Einkommen etwas Geld geben, werden sie es für ihre Grundbedürfnisse ausgeben: Brot, Milch, ein Paar Schuhe."

Die neue griechische Regierung hat eine radikale Abkehr von der Sparpolitik ihrer Vorgänger angekündigt. Finanzminister Yanis Varoufakis hatte am Freitag der Troika, die bislang für die Geldgeber Hilfen und Auflagen mit dem hoch verschuldeten Land aushandelt, die Zusammenarbeit aufgekündigt. Die von der linken Syriza geführte Regierung in Athen lehnt deren Sparauflagen ab und will auch das laufende Rettungsprogramm nicht verlängern. Griechenland wird seit 2010 von den Euro-Partnern und dem IWF mit insgesamt 240 Milliarden vor der Staatspleite bewahrt.

Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Mindestlohn 8,50 Euro pro Stunde, was für eine Vollzeitstelle etwa 1400 Euro pro Monat entspricht. Allerdings beträgt die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Griechenland auch nur rund die Hälfte der deutschen.

ric/afp/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 229 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hermannheester 01.02.2015
1. MIndestlohn und Sparpolitik
Die Frage ist, was der Mindestlohn mit einem Verzicht auf die "Sparpolitik" zu tun haben soll. Vielmehr bringt der erhöhte Mindestlohn voraussichtlich höhere Steuereinnahmen und damit mehr Sicherheit bei der Rückzahlung der Schulden.
leidenfeuer 01.02.2015
2. Oder etwa nicht?
8,50 Euro Mindestlohn pro Stunde sollte in Griechenland schon drin sein. Dann wird die dort herrschende schlimme Arbeitslosigkeit bestimmt rasch heruntergehen...
holy10 01.02.2015
3. Richtiger Schritt
Die Leute die mit 751€ am ende des Monats nach Hause gehen, haben gewiss nicht die enormen Schulden Griechenlands verursacht. Wenn das die Bürokraten in Brüssel nicht schnellstens mitbekommen, wird es in noch so einigen Ländern Europas einen deutlichen Linksruck geben. Spanien wird folgen. Auch hier hat eine Partei, welche aus einer Protestbewegung enstanden ist, gute Chancen die Macht zu übernehmen. Was mich daran stört ist die entsprechende gegenbewegung in den reicheren Ländern. Siehe Ukip in england, Afd und Pegida in Deutschland.
moira39 01.02.2015
4. Weiter so!
Nach dem ersten Schritt in die richtige Richtung - der Absage an die Troika - nun der zweite. Das nenne ich konsequente Umsetzung eines durchdachten Programms! Der Binnenmarkt muss angekurbelt werden, um Wachstum zu generieren. Endlich ist Schluss mit der verfehlten Austeritätspolitik!
Andreas-Schindler 01.02.2015
5. Mindestlohn
"...Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Mindestlohn 8,50 Euro pro Stunde, was für eine Vollzeitstelle etwa 1400 Euro pro Monat entspricht. Allerdings beträgt die Wirtschaftsleistung pro Kopf in Griechenland auch nur rund die Hälfte der deutschen."-- Was hat die Wirtschaftsleistung mit den Mindestlohn zu tun? Wenn man sagen würde die Lebenshaltungskosten sind in Griechenland um mehr als 2/3 Niedriger könnte man schon sagen das der Mindestlohn entsprechend geringer sein sollte. Aber die Griechen haben fast die gleichen Lebenshaltungskosten wie wir Deutschen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.