Krisenökonomie Touristenboom lässt Griechenlands Wirtschaft wachsen

Robuster Aufschwung in Griechenland: Von April bis Juni ist die Wirtschaft des Landes deutlich gewachsen. Die Regierung lockert zudem die Kapitalverkehrskontrollen: Das Limit für Auszahlungen von Bankkonten wird verdoppelt.

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Die griechische Wirtschaft wächst wieder deutlich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe im zweiten Quartal um 0,8 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum zugelegt, berichtete das Statistikamt Elstat am Freitag. Auch im Vergleich mit dem ersten Quartal 2017 gab es ein Plus: Die Wirtschaftsleistung wuchs demnach um 0,5 Prozent.

Wirtschaftsexperten sagten im griechischen Rundfunk, die Lage werde sich dank des Touristenansturms, der in diesem Sommer "alle Rekorde" breche, weiter deutlich verbessern. Die Tourismusbranche in Griechenland hofft dieses Jahr auf Einnahmen von rund 14,5 Milliarden Euro. Das wäre fast eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr (mehr zum Thema: Wie griechische Hotels ihre Beschäftigten ausbeuten).

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Die Regierung in Athen hat unterdessen die seit gut zwei Jahren geltenden Kapitalverkehrskontrollen gelockert. Monatlich können die Bürger ab 1. September bis zu 1800 Euro von ihren Konten zu einem beliebigen Zeitpunkt abheben. Bislang konnten die Bürger höchstens 840 Euro alle zwei Wochen abheben.

Es gelten aber weiter Einschränkungen für Reisen ins Ausland: Die Griechen können dabei höchstens 2000 Euro Bargeld mitnehmen. Die Überweisung von Geldern für den Import von Waren muss weiter von Banken genehmigt werden.

Griechenland hatte Ende Juni 2015 Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um sein Finanzsystem zu stabilisieren und seinen angeschlagenen Banken Luft zu verschaffen. Die griechische Finanzpresse schätzt, dass die Bürger aus Angst vor einem finanziellen Kollaps Geld im Volumen von 20 bis 30 Milliarden Euro gehortet haben.

beb/dpa



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schwaebischehausfrau 01.09.2017
1. Super...
..dann kann Griehenland ja bald anfangen, seine Schulden zurückzuzahlen. Denn analog zum Tourismus-Boom und Wirtschaftswachstum müsste es ja auch einen "Boom" in den griechischen Steuerkassen geben. Oder wird wieder, wie schon letztes Jahr das unerklärliche Phänomen auftauchen, dass trotz Rekord-Boom die Steuereinnahmen seltsamerweise schrumpfen?
apagonis 01.09.2017
2. Hoffnung
Ein paar hundert von den 14,5 Milliarden Euro habe ich beigesteuert. Bleibt zu hoffen, dass die Kohle diesmal mit sozialem Weitblick eingesetzt wird. Ansonsten wäre es zwar ein guter Sommer, aber der nächste Winter würde wieder hart...
f36md2 01.09.2017
3. Griechenland: Zehnmal besser, als die Türkei
Ja - geht doch! Die Griechenland-Urlauber brauchen auch keine Bedenken haben, dass sie, statt ins Hotel zu kommen, eine Aussicht durch Gitterstäbe betrachten müssen - siehe Türkei!
horstvonork 01.09.2017
4. Es wird Zeit, dass...
... Tsipras seinem Nachbarn mal auf einen Ouzo einlädt. Das Zugrunderichten der eigenen Tourismuswirtschaft dürfte nicht unwesentlich zu diesem Erfolg beigetragen haben. Freut mich - und auch wir hatten in diesem Jahr schöne Tage unter der griechischen Sonne - ganz ohne Ausbeutung irgendwelcher Hotelangestellten, in einer netten Ferienwohnung.
burlei 01.09.2017
5. @schwaebischehausfrau, #1
Die Einnahmen gehen ja nicht an den griechischen Staat, sondern -dank der hauptsächlich durch Schäuble aufgezwungenen Privatisierung- in die Kassen ausländischer, auch deutscher Konzerne und die versteuern eher ungern und wenn dann in Luxemburg oder der Isle of Man. Es ist eben wie bei der sogenannten "Griechenlandrettung". Gerettet wurde nicht Griechenland, seine Bürger oder seine Wirtschaft - gerettet wurden Großbanken, Hilfen erhielten deutsche und andere Konzerne bei ihrem Raubzug durch die griechische Wirtschaft. Die Bürger (Griechen, Deutsche, eigentlich aber auch alle Europäer) haben den Kopf dafür hinzuhalten.
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