Athen - Erst zu Wochenbeginn hatte die griechische Regierung ihre Erwartungen nach unten korrigiert: Um 3,8 Prozent werde die Wirtschaft des Landes im kommenden Jahr schrumpfen, heißt es im neuen Haushaltsentwurf. Das ist schlimm - aber offenbar immer noch nicht schlimm genug.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, erwartet die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) mittlerweile ein Minus von rund fünf Prozent für 2013. "Es gibt Meinungsverschiedenheiten über das makroökonomische Szenario", zitiert die Agentur einen ranghohen Vertreter des griechischen Finanzministeriums. "Wir erwarten eine Rezession um die vier Prozent und sie (die Troika) von fünf Prozent."
Damit hätten sich die Aussichten in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Noch im Frühjahr hatte die EU-Kommission eine Prognose veröffentlicht, wonach die griechische Wirtschaft im kommenden Jahr nicht mehr schrumpfen würde.
"Ziemlich große" Differenzen
Die Troika verhandelt seit Wochen mit der griechischen Regierung über Einsparungen in Höhe von 11,5 Milliarden Euro. Dabei spielt die Einschätzung der Wirtschaftsentwicklung eine entscheidende Rolle. Von einer Einigung und dem anschließenden Bericht der Troika hängt ab, ob Griechenland weiter Geld aus dem europäischen Rettungsfonds bekommt. Ohne die nächste Hilfstranche droht dem Land langfristig die Pleite - und wohl auch der Austritt aus der Euro-Zone.
Laut dem Vertreter des Finanzministeriums geht es in den Verhandlungen derzeit noch um Einsparungen von rund 2,5 Milliarden Euro für das nächste Jahr. Beide Seiten seien gewillt, einen Kompromiss zu finden. Auch der griechische Finanzminister Yannis Stournaras sprach am Mittwoch von "ziemlich großen" Differenzen zwischen Troika und Regierung. Er glaube aber daran, bis zum Treffen der Euro-Finanzminister am kommenden Montag eine Einigung zu erzielen.
Bis Mitte des Monats soll die Troika demnach ihren entscheidenden Bericht für die Freigabe der nächsten Hilfsgelder vorlegen. "Ich erwarte den Troika-Bericht bis Mitte Oktober", sagte Stournaras der "Bild"-Zeitung. "Und ich bin sehr optimistisch, dass Griechenland bis Ende Oktober frisches Geld vom letzten Paket bekommt."
Ursprünglich sollte der Bericht bereits im September vorgelegt werden. Inzwischen ist in der EU die Rede davon, dass der Report wohl erst Ende Oktober fertiggestellt werde. Einige EU-Vertreter und Diplomaten haben gar die Vermutung geäußert, die Veröffentlichung könnte bis nach der US-Wahl am 6. November hinausgeschoben werden. Die EU wolle jede Gefahr für die Weltwirtschaft vor der Entscheidung über eine Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama vermeiden, hieß es zur Begründung.
stk/Reuters/AP/dpa
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