Griechenland Umschuldungsplan gewinnt immer mehr Anhänger

Es kommt einem indirekten Forderungsverzicht gleich - und dennoch gewinnt der Plan immer mehr Anhänger. Eine Umschuldung Griechenlands könnte dem hochverschuldeten Staat mehr Luft verschaffen, ohne die Investoren zu verschrecken. Die Idee dafür hatte nach SPIEGEL-Informationen der Chef des Euro-Rettungsschirms.

Rettungsschirm-Chef Regling: Umfassendes Maßnahmenpaket in der Diskussion
REUTERS

Rettungsschirm-Chef Regling: Umfassendes Maßnahmenpaket in der Diskussion


Berlin - Der Plan für eine Umschuldung Griechenlands geht nach SPIEGEL-Informationen auf den Chef des Euro-Rettungsschirms, Klaus Regling, zurück. Bereits vor einigen Wochen hatte der Finanzexperte in den Hauptstädten der Euro-Zone und bei der EU-Kommission einen freiwilligen Forderungsverzicht bei Griechenland-Schulden vorgeschlagen.

Der Regling-Plan hat gute Aussichten, als Bestandteil eines Gesamtpakets zur Stabilisierung der Euro-Zone beim Europäischen Rat im März beschlossen zu werden. Die Finanzminister der Euro-Gruppe haben den Vorschlag bei ihrem jüngsten Treffen in Brüssel diskutiert. Die Überlegungen seien auf große Sympathien gestoßen. "Das ist eine gute Idee", sagte ein ranghoher Vertreter des Bundesfinanzministeriums.

Bereits in den vergangenen Tagen hatten mehrere Zeitungen von Gedankenspielen in der Euro-Zone über eine freiwillige Umschuldung griechischer Schulden berichtet. Ein Sprecher der EU-Kommission bezeichnete dies als Unsinn. Auch Regling äußerte sich am Donnerstag im Deutschlandfunk zurückhaltend: Eine Umschuldung Griechenlands stehe nicht bevor. Am gleichen Tag sprach Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter von Restrukturierungsphantasien, die auf Gerüchten basierten.

Allerdings hätte der Vorschlag von EFSF-Chef Regling zwei bestechende Vorteile. So würde der Plan den griechischen Staatshaushalt entlasten und - wichtiger noch - die Investoren nicht verschrecken, weil niemand zu einem Forderungsverzicht gezwungen werde. Demnach sollen die Euro-Partner der Regierung in Athen aus Mitteln des europäischen Rettungsschirms EFSF einen Kredit gewähren, mit dem das Land eigene höher verzinslichte Anleihen zum Marktpreis aufkaufen könnte. Weil die griechischen Papiere derzeit unter ihrem Nennwert notierten, laufe das Verfahren auf einen freiwilligen Forderungsverzicht der Gläubiger hinaus.

Ein ähnliches Verfahren hatte Regling bereits in den neunziger Jahren im Auftrag des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfolgreich bei der Rettung der hoch verschuldeten Philippinen entworfen.

In der EU wird derzeit über ein umfassendes Maßnahmenpaket zu Sanierung der Staatshaushalte in Europa diskutiert, die durch die schwere Rezession 2009 und die Finanzkrise aus dem Ruder gelaufen sind. Bis zum EU-Gipfel Ende März soll ein Konzept stehen. Bis dahin soll auch klar sein, welche Kompetenzen genau der schon beschlossene Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) haben soll, der im Juli 2013 den vorläufigen EFSF ablösen soll.

mik

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