Möglicher Euro-Austritt Darum ist die Griechenland-Wahl so wichtig

Es wird ernst: Griechenland wählt an diesem Sonntag ein neues Parlament, Favorit ist Alexis Tsipras von der linken Syriza-Partei - es droht ein Euro-Austritt. Fünf Gründe, warum das auch Sie betrifft.

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Griechische Flagge: Auch deutsche Steuergelder stehen auf dem Spiel
REUTERS

Griechische Flagge: Auch deutsche Steuergelder stehen auf dem Spiel


1. Weil Ihr Geld auf dem Spiel steht

Die Wahl ist eine Richtungsentscheidung über die künftige Schulden- und Sozialpolitik. Ihr wahrscheinlicher Gewinner ist Alexis Tsipras von der Linkspartei Syriza (lesen Sie hier ein Porträt). Seine Wahl könnte einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone zur Folge haben. Kommt es wirklich zum Grexit, und zahlt Griechenland dann seine Schulden nicht zurück, wären deutsche Steuergelder in Milliardenhöhe gefährdet.

DER SPIEGEL

2. Weil Ihr Geld selbst ohne Grexit auf dem Spiel steht

Wenn Alexis Tsipras zu sich selbst ehrlich ist, dann müsste er ziemlich schnell erkennen, dass er in Wahrheit kaum politischen Handlungsspielraum hat. Sein ultimatives Drohmittel - der Austritt aus der Eurozone - wäre wirtschaftspolitischer Wahnsinn. Den Griechen drohen Staatsbankrott und Hyperinflation.

Gut möglich also, dass Tsipras und die anderen, teils durchaus reflektierten, Syriza-Vordenker einen moderateren Kurs einschlagen (lesen Sie hier fünf Kurzporträts der wichtigsten Strippenzieher der Partei). Doch selbst dann muss die EU noch immer einen Rettungsplan für das hochverschuldete Land schmieden. Zur Auswahl stehen:

  • ein Schuldenschnitt, bei dem ein Teil der deutschen Steuergelder direkt in den Tartaros geschleudert würde.
  • ein weiteres Rettungspaket, das die Probleme nicht löst, sondern vertagt. Und mit ihnen das Risiko, dass Sie am Ende doch noch Geld verlieren.

Mehr dazu lesen Sie hier in der Kolumne unseres Wirtschaftsexperten Henrik Müller:

3. Weil Syriza andere auf dumme Gedanken bringen könnte

John Milios, einer der Chefstrategen der Syriza-Partei, ging in den vergangenen Wochen mit einer verwegenen Idee hausieren: Die Europäische Zentralbank soll einfach einen Großteil der Schulden des Kontinents übernehmen. So wäre nicht nur Griechenland gerettet - alle hätten mehr Geld zum Investieren, versprach Milios. Die Wirtschaft würde boomen.

Klingt toll, ist aber rechtlich und geldpolitisch fragwürdig. Trotzdem hat das Konzept prominente Unterstützer, zum Beispiel Adair Turner, der Ex-Chef der britischen Finanzaufsicht. Wenn Syriza die Wahl gewinnt, könnten solche Ideen bald noch mehr Fans bekommen, auch in anderen kriselnden Eurostaaten.

4. Weil Sie sich überlegen sollten, in Gold zu investieren

Analysten sehen die Parlamentswahl in Griechenland als Preistreiber für den Goldkurs. Denn ein Wahlgewinn von Syriza wäre ein großer Unsicherheitsfaktor für die Eurozone. Anleger pflegen in unsicheren Zeiten ihr Geld in vermeintlich sichere Anlagen umzuschichten. Einer ihrer Allzeitfavoriten ist Gold - bei einem Syriza-Sieg dürfte der Kurs steigen.

Heißt: Wenn Sie rasch Gold kaufen, könnten Sie womöglich abkassieren. Aber Vorsicht: Diese Angabe ist wie immer ohne Gewähr.

Goldbarren: Die Griechenland-Wahl als Chance für Anleger
DPA

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5. Weil das soziale Elend unerträglich ist

Auch wenn Sie in diesem Fall nicht unmittelbar betroffen sind: Niemand kann wollen, dass nach der Parlamentswahl politisch zu viel schief läuft und sich die soziale Misere in Griechenland weiter verschärft. Schon jetzt leben Millionen Menschen am Rande oder unter der Armutsgrenze. Haben ihren Job, ihre Besitztümer und teilweise auch ihre Lebensfreude verloren.

2015, im Jahr acht nach der großen Finanzkrise, herrscht mitten in Europa millionenfaches Elend. Es ist höchste Zeit, es zu beenden. Jeder mitfühlende Mensch sollte sich daher wünschen, dass die nächste Athener Regierung eine kluge ist.

Eine Reportage darüber, wie die Schuldenkrise die griechische Gesellschaft verändert, finden Sie hier im aktuellen SPIEGEL.

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insgesamt 154 Beiträge
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Seite 1
egal 24.01.2015
1. Wenn die Griechen
Sozialismus wählen, werden sie sich jemanden suchen muessen, dessen Geld sie ausgeben dürfen. Tsirpas hat kein Druckmittel mehr in der Hand. Wenn er sein Volk ins Elend stürzt, dann ist das Volk selber Schuld. Mit Wahlen hat Deutschland ja auch schon einmal ganz mirse Erfahrungen gemacht.
kopp 24.01.2015
2. Ja und, dann soll es halt so sein ...
... Dann zahlen wir halt einmalig die Milliarden und die Drohkulisse aus Athen ist vorbei.
gandhiforever 24.01.2015
3. Ich wunsche Hellas viel Erfolg
Diese Wahl betrifft mich zwar nicht, weder direkt noch indirekt, doch wuensche ich den Griechen, dass sie sich von Joch der EU befreien. Bis vor wenigen Jahren war ich ein Freund der europaeischen Einigung, doch was daraus geworden ist, dass ist eine Diktatur. In Bruessel sitzen nicht gewaehlte Vertreter (ja, wen vertreten die eigentlich), denen es einzig darum geht, ihre Macht auszudehnen. Man hat damals die Griechen in die Eurozone aufgenommen, obwohl jeder gute Rechnungspruefer haette erkennen muessen, dass die Bilanzen frisiert waren. Aber man traeumte halt, dachte, das dann spaeter hinkriegen zu koennen. Hauptsache Griechenland war in der Eurozone, die Macht der Kommission vergroessert.
hotgorn 24.01.2015
4.
Merkel die neoliberale Sparerin (hoffnungslos gescheitert) und Draghi der neoliberale Inverstor (ein Mutiger Versuch). Das soziale wird geschliffen in der Hoffnung das es besser wird dabei gibt das soziale einer Wirtschaft erst die Stabilität zu arbeiten.
ambergris 24.01.2015
5. Unsinn
Ein schlechter Artikel, so schlecht, dass er mich wütend macht. Wenn sie den Lesern sagen wollen, warum die Wahl wichtig ist, dann sollten sie nicht als erstes sagen, dass es egal ist, ob Griechenland aus dem Euro austritt oder nicht, da die Steuergelder so oder so verloren gehen. Dann macht es ja anscheinend keinen Unterschied wer denn gewählt wird. Abgesehen davon, scheinen die meisten das eh schon geahnt zu haben. Und die AfD ist ja auch ursprünglich als Anti-Euro-Partei zur Wahl angetreten, parallel zur Diskussion um ein neues Griechenland-Rettungspaket. Und sie schreiben es ja selbst, das nächste Rettungspaket und der nächste Schuldenschnitt kommen wahrscheinlich sowieso, als was hat Syriza damit zu tun? Desweiteren schreiben sie, dass es juristischer und geldpolitischer Unsinn ist, dass die EZB Schulden der Krisenstaaten übernimmt. Dabei ist genau das von Herrn Draghi vor Kurzem angekündigt worden. Ob die EZB jetzt neue oder alte Staatsschulden ankauft, ist geldpolitisch und rechtlich gleichgültig. Das QE der EZB ist ja schon nicht nur auf Griechenland beschränkt, sondern trifft alle Eurostaaten, da macht Syriza auch keinen Unterschied! Der letzte Punkt betrifft das soziale Elend, aber das existiert ja schon! Was hat denn die Wahl damit zu tun? Es gibt bereits eine Arbeitslosigkeit von 27%, eine Jugendarbeitslosigkeit über 50%, fünf Jahre hintereinander eine schrumpfende Wirtschaft. Und da soll es uns beunruhigen wenn "sich die soziale Misere in Griechenland weiter verschärft"? Die Katastrophe ist schon da, und Syriza hat damit nichts zu tun gehabt.
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