Wahlzettel zum griechischen Referendum "Nein" steht an erster Stelle

Ein "Nein" soll her beim Referendum, so will es die griechische Regierung. Und so sieht der Stimmzettel auch aus: Kompliziert in Fachchinesisch formuliert, und die "Nein"-Option kann man zuerst ankreuzen.

Stimmzettel für das Referendum am Sonntag: Für oder gegen die Forderungen der Gläubiger
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Stimmzettel für das Referendum am Sonntag: Für oder gegen die Forderungen der Gläubiger


Ja oder Nein. Die Griechen sollen am Sonntag eine einfache Antwort auf eine komplizierte Frage finden. Die Bürger sollen darüber abstimmen, ob sie dem von den Gläubigern angestrebten Sparkonzept zustimmen - und damit weitere Hilfszahlungen freigegeben werden.

Die Stimmzettel für das Referendum sind bereits gedruckt, dürften den Griechen ihre Wahl aber kaum erleichtern. Zwar sind es nur zwei Absätze, die die Wähler am Sonntag ablehnen oder bejahen sollen, der Inhalt allerdings ist kompliziert:

"Soll die geplante Vereinbarung von EZB, EU-Kommission und IWF, die am 25.6.2015 in die Euro-Gruppe eingebracht wurde und aus zwei Teilen besteht, angenommen werden?", steht auf dem Stimmzettel. "Die zwei Teile sind die 'Reformen für die Vollendung des laufenden Programms und darüber hinaus' und die 'Vorläufige Schuldentragfähigkeitsanalyse'". (Auf Englisch heißen die Brüsseler Dokumente "Reforms for the Completion of the Current Program and Beyond" und "Preliminary Debt Sustainability Analysis".)

Demonstranten vor dem Parlament in Athen: Oxi heiß Nein
DPA

Demonstranten vor dem Parlament in Athen: Oxi heiß Nein

Neben der Erläuterung können die Griechen dann ihr Kreuzchen machen. Dabei steht das Nein (Oxi) an erster Stelle, das Ja (Nai) ist als zweites abgedruckt. Das griechische Alphabet würde eigentlich die andere Reihenfolge nahelegen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" mit Verweis auf Tweets von Regierungsgegnern.

Die Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras wirbt für ein Nein in der Bevölkerung, die EU-Kommission versucht die Griechen hingegen vom Gegenteil zu überzeugen.

In Athen demonstrierten am Montagabendüber 20.000 Anhänger der griechischen Regierung für ein Nein beim Referendum und forderten damit, den Spar- und Reformforderungen der internationalen Gläubiger eine Absage zu erteilen.

sun

insgesamt 92 Beiträge
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thomweb 29.06.2015
1. Wie 1938
Irgendwie fühle ich mich an den Wahlzettel erinnert, mit dem damals die deutschen Volksgenossen über den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich abstimmen konnten. Da stand das "Ja" oben und war viel größer als das "Nein". Ähnlich suggestiv ist diese Aufmachung.
Philibus 29.06.2015
2. Sinnlos
Kann mir jemand erklären, worüber die am Sonntag abstimmen wollen? Der Vorschlag hat ein Ablaufdatum, welches bis dann überschritten ist. Immerhin hat sich die EU für einmal nicht vera.... lassen. Hätte man das Programm wie gewünscht verlängert, wäre das Referendum erst mal verschoben worden, dann hätte sich das oberste Gericht eingeschaltet, usw., wie man es ja mittlerweile kennt.
Mi.St. 29.06.2015
3. Hoffnung
Ich hoffe dass gerade die Jungen und die intelligenten Griechen mit Ja stimmen . Lauft keinen ideologischen Populisten hinterher. Wenn ihr wählen könnt oder welche Parteien bin ich überfragt das müsst ihr schon selbst entscheiden
humble_opinion 29.06.2015
4. Kein Thema, aber doch da
Ich wähle seit ~40 Jahren, Bund, Land, Kommune in Hamburg und Niedersachsen. Statistiker werden mich widerlegen, aber gefühlt stand immer die CDU an erster Stelle. Das ist halt Marketing und natürlich auch Einfluss/Geld. Letztlich aber eine Hinterkommastelle, liebe Kollegen.
butternut 29.06.2015
5. Die Wahl der Qual
Wer mit "Nein" stimmt, wählt den Rückfall in ein Dritt-Welt-Land. Griechenland zeigt hervorragend, was mit einem Land passiert, in dem die Linken regieren: Chaos, Verarmung.
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