Vorschläge aus Griechenland Warten auf die nächste Liste

Kommt sie? Und wenn ja: Was steht drin? An diesem Donnerstag will Griechenland eine neue Reformliste vorlegen. Ob dies die Europartner gnädig stimmt, ist allerdings fraglich. Und für die Banken des Landes sieht es düster aus.

Griechischer Premier Tsipras im EU-Parlament: Welche Vorschläge macht Athen?
AP/dpa

Griechischer Premier Tsipras im EU-Parlament: Welche Vorschläge macht Athen?


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In den Hauptstädten der Eurozone warten die Finanzminister auf dringende Post. Noch an diesem Donnerstag soll die neueste Reformliste aus Athen eintreffen. Mit detaillierten Vorschlägen, was die griechische Regierung tun will, um in den kommenden Jahren höhere Einnahmen zu erzielen und die Wirtschaft zu modernisieren.

Mit der Liste will die griechische Regierung die Eurostaaten in letzter Minute doch noch davon überzeugen, dem Land ein neues Hilfsprogramm zu gewähren. Den förmlichen Antrag dafür hat sie bereits am Mittwoch beim Euro-Rettungsschirm ESM gestellt. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank (EZB) damit beauftragt, den griechischen Antrag zu überprüfen. Der Ausgang des Prüfverfahrens ist aber völlig offen.

Griechenland möchte ein neues Hilfspaket mit einer Laufzeit von drei Jahren. Für diesen Zeitraum braucht das Land nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) mindestens 50 Milliarden Euro. Zudem dringt die Regierung in Athen auf eine Erleichterung der Schuldenlast. Kredite, die in den kommenden Jahren fällig werden, sollen gestundet, die Rückzahlung also weit in die Zukunft verschoben werden.

Ob sich die anderen Eurostaaten auf weitere Hilfen einlassen, ist offen. Vor allem die Regierungen osteuropäischer Länder hatten sich zuletzt gegen weitere Milliardenkredite und eine Umschuldung ausgesprochen. Auch die Bundesregierung steht unter massivem Druck. Viele Abgeordnete aus den Unionspartien CDU und CSU haben bereits angekündigt, einem neuem Hilfspaket nicht zuzustimmen.

Die großen Banken werden Probleme bekommen

Für diesen Sonntag ist ein weiterer EU-Gipfel geplant, auf dem die Staats- und Regierungschefs entscheiden sollen, ob sie Griechenland noch einmal helfen, oder ob sie das Land pleitegehen lassen und damit wohl auch einen Grexit einleiten - einen Austritt aus der europäischen Währungsunion.

Sollten sich die Eurostaaten gegen weitere Hilfen für Griechenland entscheiden, würde nicht nur dem griechischen Staat die Pleite drohen, sondern auch den dortigen Banken. Monatelang haben Kunden massenhaft Geld abgezogen, bereits seit Jahresbeginn werden die Institute nur noch mit Notkrediten der griechischen Zentralbank über Wasser gehalten.

Seit voriger Woche gelten zudem sogenannte Kapitalverkehrskontrollen. Die Banken bleiben geschlossen, pro Tag können die Kunden höchsten 60 Euro abheben. Überweisungen ins Ausland sind nur mit Genehmigung der Zentralbank und des Finanzministeriums möglich. Daran soll sich auch bis mindestens nächste Woche nichts ändern. Wie die Chefin des griechischen Bankenverbandes, Louka Katseli, mitteilte, sei allerdings bis Montag ausreichend Geld vorhanden, um die Geldautomaten zu füllen.

Was danach kommt, ist offen. Ohne eine baldige Einigung auf politischer Ebene dürften die Banken kaum wieder öffnen. Die EZB wäre gezwungen, die Notkredite der griechischen Zentralbank zu verbieten. Der Geldfluss wäre damit gestoppt. Die Finanzinstitute des Landes wären praktisch sofort pleite.

Doch selbst bei einer Einigung im Schuldenstreit dürften die griechischen Banken noch große Probleme bekommen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, gibt es bereits Überlegungen, mehrere große Institute zu schließen und mit anderen Banken zu fusionieren. Am Ende könnten von den vier großen Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank nur noch zwei bestehen bleiben, meldete Reuters unter Berufung auf einen Insider.

Zusammengefasst: Europa wartet gespannt auf die neuen Reformvorschläge der griechischen Regierung, die für diesen Donnerstag angekündigt sind. Ob die Eurostaaten neuen Hilfen für das überschuldete Land zustimmen, ist offen. Die Zeit drängt. Denn auch die griechischen Banken geraten ins Wanken.

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insgesamt 294 Beiträge
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Seite 1
sucher533 09.07.2015
1. Was für eine Liste?
Es liegen genug Papiere auf dem Tisch. Die Euro-Finanzminister und der IWF haben so oft nachgebessert, dass Herr Tsipras nur Oxi oder Nai sagen muß und das griechische Parlament dies bestätigt.
m.brunner 09.07.2015
2. Grexit now
Und täglich grüßt das Murmeltier..... Giechenland wird sich beim Grexit defacto doch entschulden. Was kann es besseres geben? Mit der Drachme kann es die Schulden eh nicht tilgen, also wird ein Schuldenschnitt kommen od. auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben. Nur weil man keinen Präzendenzfall schaffen will, kann man doch nicht unsere Milliarden Steuergelder zum Fenster hinauswerfen?! Ich glaubs nicht. Ökonomie und Sachverstand vor politischer UNION!
Thomassimo 09.07.2015
3. odysseus
...war ja bekannt als der "Listenreiche"
rumpel84 09.07.2015
4.
Wer soll daran noch glauben?
spiegelleser861 09.07.2015
5. Umsetzung?
Früher hieß es noch, dass Reformen nicht nur auf einem Zettel stehen müssten, sondern auch als Gesetz verabschiedet werden müssten? Ist das jetzt schon wieder vom Tisch? Ich weiß gar nicht, was Syriza die letzten 5 Monate gemacht hat, in der Zeit hätte man doch schon dutzende Regelungen zur Sanierung Griechenlands beschließen - und vorallem durchsetzen - können. Stattdessen springt Herr Tsipras nur mit Schmierzetteln in Europa herum...
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