EU-Aufenthaltserlaubnis Griechenland weitet Milliardengeschäft mit goldenen Visa aus

Wer 250.000 Euro in eine griechische Immobilie investiert, darf sich als Nichteuropäer frei im Schengen-Raum bewegen: Das Geschäft mit Premium-Visa floriert, künftig soll schon eine einfache Geldanlage reichen.

Hafen auf Kreta, Griechenland
imago/ blickwinkel

Hafen auf Kreta, Griechenland

Von , Thessaloniki


"Der Besitz einer Immobilie in Griechenland wird Ihnen die Tür in den Schengen-Raum öffnen." Mit diesen Worten wird das Visumprogramm auf einer griechischen Website beworben. Hinter dem Angebot steckt eine der unzähligen Kanzleien im Land, die darauf spezialisiert sind, die Kunden in diesem Sektor zu bedienen.

Worum es geht? Griechenland versucht schon länger all jene Nichteuropäer anzulocken, die genau das nicht mehr sein möchten - und dazu das nötige Kleingeld mitbringen. Um künftig noch mehr damit einzunehmen, hat die griechische Regierung neue Investitionsmöglichkeiten geschaffen, die Nicht-EU-Bürgern folgendes gewähren:

  • eine Aufenthaltserlaubnis,
  • freie Reiserechte im Schengen-Raum
  • und die Aussicht auf einen EU-Pass.

Das Prinzip des bisherigen Geschäftsmodells ist schnell erklärt. Jeder Nicht-EU-Bürger, der mindestens 250.000 Euro in griechische Immobilien investiert, erhält das Recht, sich für einen Zeitraum von zunächst fünf Jahren legal in Griechenland aufzuhalten, Option auf Verlängerung inbegriffen.

Schon jetzt ist das einfache System der Griechen sehr erfolgreich - mehr als 8000 Visa wurden seit der Einführung im Jahr 2013 von den griechischen Migrationsbehörden an Nicht-EU-Bürger vergeben. Allein in diesem Jahr waren es fast 3000. Es sind reiche Russen und Chinesen, die nach dem "goldenen Visum" greifen, zunehmend aber auch Türken, die vor dem autokratischen System fliehen, sowie Syrer und Iraker. Insgesamt hat diese Praxis bislang fast eine Milliarde Euro in die griechische Staatskasse gespült.

Griechenland ist nicht das einzige europäische Land mit einem solchen Programm. Ähnliche Systeme gibt es in Österreich, Belgien, Malta, Portugal und Zypern. Der "Verkauf" von Reisepässen zieht viel Kritik auf sich, hat sich unbenommen davon aber zu einem Multimilliardengeschäft entwickelt.

Einlagen, Anleihen, Aktien

Im Vergleich zu anderen Staaten mussten Interessenten in Griechenland mit 250.000 Euro wenig Geld investieren, um an ein solches Visum zu gelangen. Die Regierung in Athen hält die derzeitige Regelung über den Immobilienkauf aber immer noch für zu restriktiv.

Künftig können Interessenten ihr Geld statt in Immobilien auch

  • in befristete Bankeinlagen,
  • Aktien an der griechischen Börse,
  • griechische Staatsanleihen
  • oder in Unternehmen mit Sitz in Griechenland investieren.

Die Investitionshöhe muss allerdings mindestens 400.000 Euro betragen.

Die Erweiterung soll die gleichbleibend hohe Nachfrage bedienen und "sicherstellen, dass das Programm eines der wettbewerbsfähigsten in Europa bleibt", sagt Vasso Kyrkou, Direktor für Kommunikation bei Enterprise Greece, die Organisation, die für die Gewinnung ausländischer Investitionen zuständig ist.

Die griechische Volkswirtschaft kann das Geld gut gebrauchen, jetzt, da das Land das dritte Rettungspaket verlassen hat.

Der Weg zur Staatsbürgerschaft

Als weiteres Lockmittel für die goldenen Visa aus Griechenland, wird die Möglichkeit angepriesen, die griechische Staatsbürgerschaft zu erlangen - und damit einen EU-Pass. Erst vor kurzem wurde die rechtliche Grundlage dafür geschaffen: Jeder, der das Visum besitzt und seit sieben Jahren einen Wohnsitz in Griechenland hat, kann einen Antrag stellen.

Der Weg zur griechischen Staatsbürgerschaft ist damit noch immer steiniger als der zur zyprischen. Der Inselstaat im Mittelmeer vergibt den EU-Pass ausnahmslos an alle, die ein "goldenes Visum" haben - keine Einschränkungen, keine Mindestanforderungen an den Antragssteller. Lediglich die Höhe der Investitionssumme ist vorgeschrieben: zwei Millionen Euro.

Syrische Investoren gegen Flüchtlinge

Kritiker der Premium-Visa-Systeme haben moralische, rechtliche und sicherheitspolitische Einwände geäußert. Die Reichen würden bevorzugt, sagen sie, es handele sich um nichts anderes als einen Tausch: Staatsbürgerschaft gegen Investment.

In der Tat hat es einen Beigeschmack, wenn 250.000 Euro darüber entscheiden, ob man als Nicht-EU-Bürger als Investor gilt und die Visumsprivilegien genießt oder aber in einem überfüllten Flüchtlingslager landet.

Keineswegs handelt es sich bei dem System um ein theoretisches Konstrukt. Insgesamt hat Griechenland in den vergangenen Jahren 67 Syrern und 82 Irakern ein "goldenes Visum" ausgestellt.

Was den Kritikern außerdem Sorge bereitet: Leicht können solche Angebote von Kriminellen für illegale Aktivitäten genutzt werden. Enterprise Greece und ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums sagten auf Anfrage, dass alle Neuinvestitionen intensiv geprüft würden. Woher etwa die Einkünfte der Antragsteller stammten, werde streng kontrolliert. Das gelte auch für mit dem Geld getätigte Transaktionen.

EU-Kommission erstellt Richtlinien

Die Europäische Kommission wird bis Ende des Jahres einen Bericht über Visa-Regelungen der EU-Staaten veröffentlichen, ganz konkret soll es um solche Premium-Visums-Programme gehen. Der Bericht soll Richtlinien bereitstellen: Wie sollen, dürfen und können solche Modelle angewendet werden?

Alle EU-Vorgaben würden natürlich umgesetzt werden, sobald es sie gibt, lässt Athen verlauten. Da die Staatsbürgerschaft aber lediglich Sache der Nationalstaaten ist, sind der EU die Hände gebunden, um die Maschinerie hinter dem "goldenen Visum" einzudämmen.

Das Visumprogramm ist nicht nur für jene interessant, die tatsächlich ein Aufenthaltsrecht in einem EU-Land suchen, sondern auch für Investoren, die langfristig einen Gewinn mit den seit der Krise günstigen Immobilienpreisen erwarten.

Besonders attraktiv ist es aber natürlich für alle, die das Premium-Visum als Joker in der Hinterhand haben wollen, sollte in ihrem Heimatland etwas schieflaufen, sollten sie genötigt sein, das Weite zu suchen. Da die griechische Regelung keine Mindestaufenthaltsdauer vorschreibt, können Visums-Inhaber in ihrem Land bleiben und nur dann nach Griechenland kommen, wenn es sein muss.

"Unser Notfallplan"

Das gilt auch im Fall eines jungen Paares aus der Türkei, das anonym bleiben möchte. Es gehört der türkischen Oberschicht an, arbeitet und wohnt in Istanbul. Da sich das Heimatland der beiden seit dem Putschversuch 2016 zusehends in Richtung Autoritarismus bewegte, stieg ihr Interesse, ein "goldenes Visum" zu erwerben.

Das Paar beauftragte einen Immobilienmakler, der nach einer Immobilie in Nordgriechenland suchen sollte. Nun stehen die beiden kurz davor, ein Haus in Chalkidiki, einem beliebten Urlaubsort, zu kaufen.

"Das ist unser Notfallplan. Man weiß nie, wann es notwendig sein wird, aus der Türkei zu fliehen."

insgesamt 119 Beiträge
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rabbijakob 06.09.2018
1. Wo ist das Problem?
Viele Menschen kommen nach Europa, können sich frei bewegen, haben keine Papiere, keine Visa...und keine 250.000 Euro.
MeinungVonMir 06.09.2018
2. Die EU, das kranke System...
das ist nur wieder eine neue Stilblüte des kranken Systems EU. Eine Gemeinschaft zu bilden und gemeinsame Gesetze erlassen wollen, ohne eine Legeslative oder Exekutive, die die Einhaltung der Gesetze sicherstellen kann. Ich finde es reichlich abenteuerlich, dass wir Deutsche uns vorschreiben lassen müssen, ob und wie eine Maut aussehen darf, währen die anderen EU Mitglieder machen was sie wollen, ob es nun die Ungarn oder Polen sind, die Menschenrechte abschaffen die Griechen die den EU Pass verticken, als wären sie die neuen Hehler der EU oder die Länder die sich vor der Aufnahme von Flüchtlingen drücken. Einzig und allein Deutschland darf so ziemlich alles verboten werden. Ich frage mich ernsthaft wann unsere Regierung mal anfägt ein Rückgrat zu entwickeln...
rooonbeau 06.09.2018
3. Na hört sich ja beruhigend an
Jeder grosskriminelle findet hier also einen einfachen Weg Große Summen zu waschen und letztlich als EU-Bürger Aufgenommen wird. Ohne Prüfungen etc. Unglaublich was alles möglich ist. Und da wundern wir uns.
nokaner 06.09.2018
4. Ohne Worte
Dafür wurde Europa nicht geschaffen. Gegen Geld --> Staatsbürgerschaft. Damit macht sich der Staat käuflich. Dagegen sollte man schnellstmöglich vorgehen.
DDUA 06.09.2018
5. Man braucht Merkel gar nicht
Kriminalität in die EU zu importieren ist kein Alleinstellungsmerkmal der grossen Führerin. Gut für die Briten, dass sie de Wahnsinn entsagt haben (illegale Migration, Abnahme von Wohlstand und Sicherheit, starker Anstieg der Kriminalität haben den Briten, wie allen anderen EU Staaten gezeigt, was die EU den Bürgern wirklich bringt). Nur, im Gegensatz zu anderen, haben die Briten es kapiert. Die EU gehört abgewickelt - genau, wie die grosse Führerin.
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