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Immobilien: Jetzt verkaufen die Griechen ihre Inseln

Von , Thessaloniki

Griechische Inseln: Der Ausverkauf kann beginnen Fotos
Corbis

US-Investor Warren Buffett macht es vor: Griechische Inseln werden zum begehrten Kaufobjekt. Die Preise sind schon für Durchschnittsmillionäre erschwinglich - doch es gilt einige Dinge zu beachten.

Mein Haus, mein Auto, mein Boot - die Ikonen persönlichen Wohlstands gelten nicht nur für Bausparer, sondern auch für die Mitglieder der "Forbes"-Rangliste der reichsten Menschen. Nur dass diese andere Vokabeln benutzen, etwa: meine Jacht, mein Jet, mein Schloss.

Seit jüngster Zeit ist ein weiteres Statussymbol wieder in Mode: meine griechische Insel. Die kleinen Paradiese im Ionischen Meer und in der Ägäis stoßen auf zunehmende Nachfrage bei gutbetuchten Ausländern aus den USA, den arabischen Ländern oder Russland. Die Beweggründe für den Kauf sind höchst unterschiedlich. Einige suchen lediglich einen exklusiven Rückzugsort. Andere wiederum sehen drin den geeigneten Ort für eine Investition in den Tourismus.

Die Einstiegshürde für den Inseltraum ist wesentlich niedriger, als man denkt. Wer zum illustren Kreis der Eigentümer zählen will, ist schon mit 1,6 Millionen Euro dabei, wie ein Angebot des Vermittlers Vladi Private Islands zeigt. Wer das Geld nicht flüssig hat, kann auch ein Leasing-Modell wählen. Denn noch hat die griechische Regierung einige Inseln im Angebot und versucht Interessenten den Einstieg auf diesem Wege zu erleichtern.

Doch was gilt es beim Kauf einer griechischen Insel zu beachten? Mit Hilfe des Rechtsexperten Stamoulis Makris, der sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Verkauf von Inseln beschäftigt, hat SPIEGEL ONLINE eine kleine Kaufanleitung zusammengestellt und beantwortet die wichtigsten Fragen:

1. Wie exklusiv ist der Klub der Inselbesitzer eigentlich?

Wenn man die kleinsten hinzurechnet, zählen rund 6000 Inseln zum griechischen Staatsgebiet. Ein paar Hundert davon sind besiedelt, viele in Privatbesitz alteingesessener reicher Familien, die sie über Generationen hinweg vererbt haben. Ein paar Dutzend jedoch sind derzeit im Angebot. Fündig wird man bei den großen, exklusiveren Maklerbüros, die sich auf einen erlesenen Kundenkreis spezialisiert haben. Zu den griechischen Inselbesitzern gehört etwa der Starinvestor Warren Buffett, ebenso wie der Schauspieler Johnny Depp oder Jekaterina Rybolowlewa, die Tochter des russischen Oligarchen Dmitrij Rybolowlew

2. Wem gehören die zum Verkauf stehenden Inseln?

Als Eigentümer einer griechischen Insel wird anerkannt, wer nachweisen kann, dass er sie seit 1874 kontinuierlich in Besitz hält. Dafür reicht eine Besitzurkunde, ein Pacht- oder ein Leasingvertrag. Wenn die Insel bewaldet ist, kann in Einzelfällen die Forstbehörde dabei helfen, langwierige Verfahren vor Gerichten zu vermeiden. Wenn diese die Eigentumsrechte anerkennt und andere staatliche Stellen dagegen keinen Einspruch erheben, darf der Eigentümer die Insel nach eigenem Gutdünken verkaufen, wie jede andere Immobilie auch.

3. Wie viel kostet eine griechische Insel?

Die Preisspanne ist ähnlich groß, wie die in London zwischen den Stadtteilen Barking und Mayfair. Oder in Paris zwischen den Banlieues und dem siebten Arrondissement. 2013 bezahlte Jekaterina Rybolowlewa 158 Millionen Dollar für die Insel Skorpios, auf der zuvor die legendäre griechischen Reederfamilie Onassis residiert hatte. Athina, die Enkelin den Clan-Begründers Aristoteles wusste wohl nichts mehr damit anzufangen. Im Vergleich musste Warren Buffett nur eine geringe Summe investieren. Laut der griechischen Nachrichtenagentur ANA liegt der Preis für seine Insel bei etwa 15 Millionen Euro. Vereinzelt liegen die Angebote aber auch noch deutlich darunter. Das derzeitige Discountangebot liegt bei 1,3 Millionen. Dafür bekommt man in den Mittelklasse-Stadtteilen europäischer Großstädte noch nicht einmal eine familientaugliche Wohnung.

4. Was ist mit den unbewohnten Inseln, die dem Staat gehören?

Zu dieser Kategorie gehören die meisten der griechischen Inseln. Und es können jederzeit mehr werden. Denn der Staat besitzt ein Vorkaufsrecht, sobald ein Eiland zum Verkauf steht. Wenn ein privater Eigentümer verkaufen will, muss er dies beim Staat anmelden. Nach der Feststellung des Wertes kann der dann entscheiden, ob er das Land in staatliches Eigentum überführt oder zum Privatverkauf freigibt.

5. Kann der griechische Staat Inseln verkaufen?

Einem Gesetz aus dem Jahr 2013 zufolge darf der Staat keine Insel an Privatleute veräußern. Allerdings sind langfristige Mietverträge erlaubt. Dafür ist eine öffentliche Ausschreibung nötig.

6. Verdient der Staat Geld an den privaten Inseln?

Zumindest beim Verkauf - dann nämlich wird die bei den Griechen so unbeliebte Grunderwerbssteuer fällig. Jährlich ist zusätzlich eine Grundsteuer zu bezahlen.

7. Wie schwierig ist es, eine griechische Insel zu kaufen?

Im Prinzip ist es einfacher denn je. Denn die Preise sind wegen den dramatischen Verwerfungen in der griechischen Wirtschaft in der jüngsten Vergangenheit massiv zurückgegangen. Gleichzeitig ist das Angebot so groß wie noch nie, weil viele Besitzerfamilien die laufenden Kosten nicht mehr tragen können. Auch die Anforderungen an die juristischen Formalitäten sind geringer geworden - auch wenn man nach wie vor mit der berüchtigten griechischen Bürokratie zu tun hat.

8. Woher kommt das plötzliche Interesse?

Im Zuge der griechischen Finanzkrise und der intensiven Berichterstattung ist natürlich auch die Aufmerksamkeit auf die Inseln gelenkt worden. Dadurch und durch die fallenden Immobilienpreise werden viele Investoren aus dem Ausland angelockt, die ein privates Feriendomizil suchen oder in die Tourismusbranche investieren möchten. Seit 1990 unterliegen EU-Bürger dabei keinen Einschränkungen mehr. Eine Gesetzesänderung hat den Kreis nun auf Nicht-EU-Bürger erweitert. Allerdings benötigt der Interessent dafür eine Art Unbedenklichkeitserklärung vom Verteidigungsministerium.

9. Kann ein Eigentümer alle anderen aussperren?

Ein Gesetz in Griechenland sichert jedermann den Zugang zu den Stränden des Landes zu, ganz gleich, ob am Festland oder auf einer der Inseln. Wer sich eine Insel kauft, muss also immer auf fremden Besuch gefasst sein. Die Behörden erteilen auch nur eine Baugenehmigung, wenn zuvor ein Küstenstreifen abgegrenzt worden ist.

10. Gibt es beim Kauf noch andere Dinge zu beachten?

Der formale Prozess, der beim Kauf zu beachten ist, ist sehr kompliziert und dauert entsprechend lang. Wenn die Insel bewaldet ist, mischt sich auch noch die Forstbehörde ein. Ansonsten muss man sich darauf gefasst machen, die gesamte Infrastruktur selbst zu errichten: Telefon, Stromversorgung, Wege, Wasser und Abwasser - je nach persönlichem Anspruch kann das sehr teuer werden.

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1. Bis ein Katasterwesen
Sonia 20.07.2015
und staatliche Vermessungen existieren, dürfte das ein Risiko sein. Grundbücher gibt es zwar aus den Jahrhunderten davor, aber nicht aus dem letzten Jahrhundert. Für uns unvorstellbar, hat schließlich mal der berühmte von Schmettau Deutschland schon unter dem Alten Fritz vermessen. Und, mögen es nicht Schleuderpreise werden ...ist den Griechen zu wünschen, dass ihr Staatsvermögen nicht im Angesichts der Probleme unter Wert an diejenigen geht, die ursächlich für das griechische Desaster veranwortlich sind.
2.
arkimethans 20.07.2015
Vor der Pleite wird es sie auch nicht bewahren. Es ist nur ein weiterer schmerzlicher Einschnitt. Die Krise wird nur weiter verschleppt. Wäre für jeden Privateumel natürlich strafbar. Aber Gesetze interessieren Politiker sowieso nicht. Ermittlungen verlaufen stets im Sande. Aber das haben die Foristen schon vor Jahren geschrieben. Als es Spiegel, andere Medien (v.a. die Zeit) und Finanzwissenschaftler (inklusive Nobelpreisträger) noch nicht glauben wollten. Da galt man noch als versprengter Radikaler, wenn man das schrieb. Das hier ist nur der Tropfen auf den heißen Stein. Zisch. Das war's. Und in einer Stunde fressen die Schulden den Mehrgewinn wieder auf. Was für ein Unfug.
3. So wie man Warren Buffet kennt ...
caillebotte 20.07.2015
... sind unter seiner Insel wahrscheinlich riesige Gasvorkommen im Wert des Vielfachen der Griechischen Staatsschulden :-). Der Mann ist ja ein Investorengenie :-). Und jetzt ernst: Privatisieren von allem und jedem zu Ausverkaufspreisen sollte nciht die Lösung sein - das ist Demütigung und sonst garnichts. Da fallen einem diverse bessere Dinge ein - zum Beispiel bestehende Steuerschulden und die Mehrwertsteuer einfach mal nur EINTREIBEN :-). Ich glaube es ist kein Zufall, dass Anarchie ein griechisches Wort ist.
4. Vielleicht schafft's Tsipras ja wirklich?
Das Grauen 20.07.2015
Nach fünf Jahren Heuchelei und Blockerei bewegt sich auf einmal was in Griechenland! Vielleicht war der Beinahe-Grexit ja der nötige heilsame Schock, und das Ausscheiden der schlimmsten Radikallinken aus der Regierung setzt jetzt neue Energien frei? Kaum wahrscheinlich, aber wenn es Tsipras gelingen sollte, gegen alle Widerstände Griechenland zu modernisieren, ist ihm ein Platz im Olymp sicher.
5. Kaufpreis mal 5
KJB 20.07.2015
Ich denke das man den Kaufpreis mal 10 nehmen muss um aus dem Eiland eine Insel zu machen die man dann Schlussendlich auch bewohnen kann. Vor allem auf den kleinsten Inseln dürfte natürliches Süßwasser unauffindbar sein. Geschweige den von den Folgekosten das alles erst mal auf die Insel geschafft werden muss. Der Preis für eine Flasche Wasser wird sich auf dem Weg vom Festland zur Insel vervielfachen.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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Was die Geldgeber von Griechenland fordern
Finanzbedarf
82 bis 86 Milliarden Euro braucht Griechenland in den kommenden drei Jahren. Die Eurostaaten wollen dem Land neue Kredite geben, verlangen im Gegenzug aber schnelle und weitreichende Reformen.
Reformen im Schnellverfahren

In der Nacht zum Donnerstag, 16. Juli, verabschiedete das Parlament in Athen eine Reihe von Gesetzen, die die Gläubiger als Bedingung für Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket gemacht hatten:

  • Das Mehrwertsteuersystem wird gestrafft, mehrere bisher verminderte Sätze werden angehoben.
  • Erste Punkte einer Rentenreform sollen das Rentensystem tragfähiger machen.
  • Das griechische statistische Amt Elstat wird rechtlich voll unabhängig.
  • Die Regeln des Fiskalpakts sollen nun komplett umgesetzt werden.

Bis 22. Juli sollen weitere Reformen in Griechenland folgen:

  • Das Parlament soll eine Zivilprozessordnung verabschieden, um Gerichtsverfahren zu beschleunigen und die Kosten dafür erheblich zu senken.
  • Die Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Banken soll umgesetzt werden.

Mittelfristige Strukturreformen

Bis Oktober 2015 soll eine umfassende Rentenreform verabschiedet sein.

  • Vorschläge der OECD zu Produktmarktreformen sollen umgesetzt werden. Dazu gehören die Einführung von verkaufsoffenen Sonntagen und Schlussverkäufen sowie die Öffnung bestimmter Berufe wie etwa beim Fährbetrieb.
  • Der Stromnetzbetreiber (ADMIE) soll privatisiert werden.
  • Der Arbeitsmarkt soll modernisiert werden, etwa bei den Verfahren für Tarifverhandlungen, Arbeitskampfmaßnahmen und Massenentlassungen.
  • Der Finanzsektor soll gestärkt werden, etwa durch stärkere Durchgriffsmöglichkeiten des griechischen Bankenrettungsfonds und durch die Beseitigung sämtlicher Möglichkeiten zur politischen Einflussnahme.
  • Die griechische Verwaltung soll modernisiert werden und ihre Kosten gesenkt werden. Einen ersten Vorschlag dazu soll Athen bis zum 20. Juli 2015 vorlegen.

Privatisierungsfonds

Die Regierung in Athen soll mehr und schneller privatisieren. Dafür ist der Transfer von griechischem Staatsbesitz an einen unabhängigen Fonds vorgesehen, der das staatliche Vermögen zu Geld macht. Der Fonds würde in Griechenland eingerichtet und von den griechischen Behörden unter Aufsicht der europäischen Einrichtungen verwaltet.

So sollen auf lange Sicht etwa 50 Milliarden Euro Einnahmen entstehen. Die Hälfte davon würde zur Rückzahlung jener 25 Milliarden Euro verwendet, die aus Hilfsgeldern in die Bankenrettung fließen sollen. Weitere 12,5 Milliarden Euro sollen anderweitig zur Schuldentilgung verwendet werden. Die letzten 12,5 Milliarden Euro sind dagegen für Investitionen in Griechenland vorgesehen.

Schuldenerleichterung

Abgesehen von neuen Krediten erhält die griechische Regierung lediglich die vage Aussicht auf weitere Schuldenerleichterungen. Sollte sich bei einer ersten Überprüfung des griechischen Reformprogramms herausstellen, dass die Regierung die Vorgaben umgesetzt hat, werde man, falls nötig, weitere Maßnahmen erwägen. Erwähnt werden etwa längere Rückzahlungsfristen für die gewährten Kredite.



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