Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Griechische Schuldenkrise: Tsipras will einfache Bürger als Steuerfahnder einsetzen

Politiker Tsipras: Dramatische Finanznöte Zur Großansicht
REUTERS

Politiker Tsipras: Dramatische Finanznöte

Griechenlands Regierung will die Schuldenkrise mit extravaganten Methoden bekämpfen: Laut einem neuen Brief an Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem will sie Bürger als Amateur-Steuerfahnder einsetzen, um schneller Geld einzutreiben.

Athen - Im Kampf gegen die Steuerhinterziehung schlägt die griechische Regierung unkonventionelle Maßnahmen vor: In einem am Freitag veröffentlichten Brief an Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem schlägt Finanzminister Giannis Varoufakis unter anderem vor, "eine große Zahl nicht professioneller Inspektoren" nach einer kurzen Ausbildung für begrenzte Zeit als Steuerfahnder einzusetzen.

Sie sollen mit Video- und Audio-Aufnahmegeräten ausgerüstet werden und Fälle von Steuerhinterziehung dokumentieren. So könnten sie etwa festhalten, ob Tavernen anders als vorgeschrieben ihren Gästen keine Quittung ausstellen. Varoufakis will dafür Studenten, aber auch Hausfrauen oder sogar Touristen einsetzen, die nach Stunden bezahlt werden sollen.

PDF-Download
Die griechische Regierung befindet sich derzeit in dramatischen Finanznöten. Am 20. Februar hatte sich die Euro-Gruppe darauf geeinigt, das laufende Hilfsprogramm für Griechenland um vier Monate zu verlängern und unter bestimmten Auflagen ausstehende Gelder von 7,2 Milliarden Euro auszuzahlen. Bevor das Geld fließt, muss die Regierung in Athen jedoch ihre in Brüssel eingereichten Reformvorschläge in konkrete Maßnahmen umwandeln und darüber im griechischen Parlament abstimmen lassen.

Ursprünglich hatten die Eurostaaten vorgesehen, die Reformen bis Ende April prüfen zu lassen. Angesichts der akuten griechischen Geldnot hatte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem jedoch in Aussicht gestellt, einen Teil der Hilfsgelder früher auszuzahlen. Die griechische Regierung hat deshalb ihre Liste mit Maßnahmen gegen die Schuldenkrise aktualisiert und nun nach Brüssel geschickt.

In den kommenden Wochen will die griechische Regierung ihre Finanzlücke auch mit neuen kurzfristigen Anleihen überbrücken. Das kündigte Ministerpräsident Alexis Tsipras in einem SPIEGEL-Gespräch an. Sollte die Europäische Zentralbank diesem Plan nicht zustimmen, übernehme sie eine große Verantwortung, drohte er: "Dann kehrt der Thriller zurück, den wir vor dem 20. Februar gesehen haben. Die EZB hält immer noch das Seil, das um unseren Hals liegt."

Logo SPIEGEL

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Den digitalen SPIEGEL finden Sie in den Apps für iPhone/iPad, Android, Windows 8, Windows Phone und als Web-App im Browser.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie im kostenlosen SPIEGEL-Newsletter.

Im Video: Der Wutfänger - Die Karriere von Alexis Tsipras

DER SPIEGEL

ssu/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 103 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
jan07 06.03.2015
Der deutsche Blockwart jetzt auf griechisch. Das wird auch nicht helfen. Und ob dieses staatliche Spitzelwesen rechtskonform ist, kann man auch bezweifeln.
2. Bürger anschwärzen
wi_hartmann@t-online.de 06.03.2015
Mit diesem Vorhaben (wenn es wahr ist) bestätigt sich, daß keine staatlichen Strukturen vorhanden sind, die ein Staatengebilde zusammenhalten können. Griechenland meldet sich gewissermaßenselbst ab, jeder betrügt jeden, jeder schwärzt jeden an. Mit einem Rechtsstaat hat dies nichts mehr gemein.
3. keine Vorschläge
nick999 06.03.2015
Es geht nicht um neue Ideen, es geht für Griechenland darum, ERGEBNISSE vorzuweisen. Die neue Regierung hat keinen Bonus. Die Griechen würden sonst alle 3 Monate neu wählen, nur um weiter an den Fleischtöpfen der Geberländer hängen zu können. Wie sich jetzt herausgestellt hat, wurde die schwarze Null (Voraussetzung für das nächste Kreditpaket) nur erreicht, indem das Land keine Gehälter gezahlt hat. Früher war der Staat mit 8Mrd€ bei seinen Lieferanten in der Kreide. Ich sehe keinen Grund, warum sich das gebessert haben sollte.
4. Zeichen des Untergangs
vaikl 06.03.2015
Da jeder Politiker eigentlich wissen müsste, dass solche Spitzel-Instrumente nur die Endlichkeit eines Regimes beschleunigen, können solche "Ideen" heute eigentlich nur noch von Autokraten des Typs Berlusconi oder Erdogan stammen. Gute Nacht, Griechenland, das war's.
5. Ach wie schön es doch gewesen wäre...
j.polz 06.03.2015
hätte die Nea Demokratia als Schwesterpartei unserer CDU die absolute Mehrheit im Januar bekommen. Dann bräuchten die Griechen keine Spitzel, die Steuerhinterzieher in Kneipen ermitteln sollen und die Steuerhinterzieher müßten sich wie bisher keine Sorgen machen, aufzufliegen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: