Samaras in Berlin Griechenland will mehr Hilfe von Euro-Partnern

Nach harten Jahren überrascht Griechenland mit soliden Finanzen - und hofft nun auf Gratifikation: Die Euro-Partner sollen weitere Hilfe beim Abbau der Schulden leisten. Regierungschef Samaras will bereits am Freitag in Berlin mit Kanzlerin Merkel über niedrigere Zinsen und längere Tilgung sprechen.

Griechischer Regierungschef Samaras: Niedrigere Zinsen oder längere Tilgung
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Griechischer Regierungschef Samaras: Niedrigere Zinsen oder längere Tilgung


Berlin/Athen/Brüssel - Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras will die Euro-Länder um mehr Hilfe beim Abbau der immensen Staatsverschuldung bitten. Bereits am Freitag will Samaras bei seinem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin über Erleichterungen beim Schuldenabbau sprechen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Die Regierung in Athen hofft demnach auf niedrigere Zinsen oder längere Tilgungsfristen.

Samaras kann diesmal mit wesentlich mehr Selbstbewusstsein in Berlin auftreten als griechische Regierungschefs in den vergangenen Jahren. Denn zuvorderst möchte er in der deutschen Hauptstadt die Reformerfolge seiner Regierung präsentieren. Erst am Donnerstag hatte Finanzminister Yannis Stournaras dem Parlament einen Haushaltsentwurf für das Jahr 2014 und aktuelle Zahlen vorgelegt.

Demnach wird das Land bereits in diesem Jahr einen unerwartet hohen Primärüberschuss von mindestens 812 Millionen Euro erzielen. Das heißt, dass Griechenlands Einnahmen in dieser Höhe über den Ausgaben liegen, wenn man die Kosten für die Zinsen der hohen Schulden herausrechnet. Besonders erfreulich sind dabei die hohen Steuereinnahmen - die schlechte Arbeit der Finanzämter gilt als eines der größten Probleme des griechischen Staates.

Schulden steigen trotz Primärüberschuss

Zudem werde die Wirtschaft in diesem Jahr mit vier Prozent etwas weniger stark schrumpfen als bislang erwartet. Und für nächstes Jahr plant die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent und damit das Ende der jahrelangen Rezession.

Allerdings sorgen die extrem hohen Schulden dafür, dass die Last des Landes weiter wächst. Ende September hatte der Schuldenstand Griechenlands 321,8 Milliarden Euro oder 169 Prozent des Bruttosozialprodukts erreicht. Das ist deutlich mehr als vor einem Jahr, damals betrug die Summe 303,5 Milliarden.

Vor diesem Hintergrund wird das Werben Griechenlands um Erleichterung beim Schuldendienst verständlich. Denn zum allergrößten Teil steht das Land inzwischen nicht bei privaten Institutionen, sondern bei seinen internationalen Geldgebern, also vor allem den Euro-Partnerländern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Kreide. Die milliardenschweren Zinsen, die aus Griechenlands Primärüberschuss ein sattes Haushaltsdefizit machen, fließen also hauptsächlich an sie.

Kanzlerin Merkel hatte sich am Donnerstag positiv über die Entwicklung in Griechenland geäußert. Man könne "die ersten Erfolge sehen", sagte sie auf einer Veranstaltung in Berlin. Griechenland habe "bemerkenswerte Veränderungen" vollzogen.

Troika bricht Gespräche ab

Allerdings bedeute dies nicht, dass schon alles geleistet sei, sagte Merkel weiter. Weitaus kritischer äußerte sich Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. "Viele Finanzminister der Euro-Zone verlieren langsam die Geduld", sagte der niederländische Finanzminister der griechischen Zeitung "Ta Nea". "Die Gespräche über die Fortschritte des Landes - oder besser den Mangel an Fortschritten - bei der Erfüllung der Pflichten werden fortgesetzt."

Hintergrund ist der Streit zwischen der sogenannten Troika der internationalen Geldgeber und der griechischen Regierung über eine Lücke im Haushalt für das kommende Jahr. Die Geldgeber beziffern das Loch im Budget nach neuesten Schätzungen auf bis zu 1,5 Milliarden Euro und fordern weitere Sparmaßnahmen. Die Regierung schätzt die Lücke dagegen nur auf 500 bis höchstens 800 Millionen Euro und geht davon aus, dass der Betrag durch Reformen und ein weiter verbessertes Eintreiben von Steuern eingesammelt werden kann.

Vorerst sind die Gespräche zwischen Troika und der Regierung in Athen ohne Ergebnis abgebrochen worden. Sie sollen im Dezember fortgesetzt werden. Ohne eine Einigung steht die Überweisung der nächsten Tranche von einer Milliarde Euro für Griechenland auf dem Spiel. Nach Angaben des IWF hat Griechenland jedoch keinen dringenden Finanzbedarf. Das Land könne in den kommenden Monaten notfalls auf seine eigenen Polster zurückgreifen.

fdi/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
cologne237 22.11.2013
1. Primärüberschuss
Wenn ich Zahlungsverpflichtungen nicht nachkomme bzw. In die Zukunft verschiebe kann jeder zu einem bestimmten Stichtag einen Überschuss auf dem Papier erwirtschaften. Toll ist ja die Aussage, dass er mit mehr Selbstbewusstsein kommen kann... Ich finde diese gr. Schmarotzer einfach nur peinlich...
thomas_gr 22.11.2013
2. optional
"Denn zum allergrößten Teil steht das Land inzwischen nicht bei privaten Institutionen, sondern bei seinen internationalen Geldgebern, also vor allem den Euro-Partnerländern und dem Internationalem Währungsfonds (IWF) in der Kreide." Tja, das sah vor einigen Jahren noch anders aus und damals hätte man diese privaten Institutionen einfach draufgehen lassen sollen statt die Forderungen zu verstaatlichen.
solomong. 22.11.2013
3. solide?
Zitat von sysopAFPNach harten Jahren überrascht Griechenland mit soliden Finanzen - und hofft nun auf Gratifikation: Die Euro-Partner sollen weitere Hilfe beim Abbau der Schulden leisten. Regierungschef Samaras will bereits am Freitag in Berlin mit Kanzlerin Merkel über niedrigere Zinsen und längere Tilgung sprechen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-will-euro-zone-um-hilfe-bei-abbau-von-schulden-bitten-a-935025.html
in guten finanziellen Verhältnissen und so, dass man sich auf sie verlassen kann ≈ seriös. Also wenn Griechenland nun solide Finanzen aufweist, bedeutet das doch, dass total pleite nur um Haaresbreite davon entfernt ist. Das widerspricht jeglicher Definition.
joG 22.11.2013
4. Gut, dass er nicht vor der Wahl....
....wusste, dass ihm Geld fehlt. Wäre das peinlich gewesen!
c++ 22.11.2013
5.
Griechenland fordert mehr Hilfe von den Euro-Partnern. Vielleicht sollte man auch Klartext reden, wer mit "Euro-Partner" ganz konkret gemeint ist. Man könnte auch sagen: Griechenland will mehr Geld von den Steuerzahlern der anderen Eurostaaten, weil diese mittlerweile die Gläubiger der dubiosen Forderungen geworden sind. Und die fühlen sich immer weniger als "Partner", sondern eher als Abgezockte.
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