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Rückkehr an den Finanzmarkt: Griechenland will sich 2016 wieder privates Geld leihen

Finanzminister Tsakalotos: Mit Hedgefonds gesprochen Zur Großansicht
AFP

Finanzminister Tsakalotos: Mit Hedgefonds gesprochen

Das hochverschuldete Griechenland will sich ab 2016 wieder Geld bei privaten Investoren leihen. Das kündigte Finanzminister Tsakalotos an. Er habe dazu schon mit Hedgefonds gesprochen.

Griechenland will sich im kommenden Jahr wieder Geld am Anleihemarkt besorgen. Geplant sei eine Rückkehr in der zweiten Jahreshälfte 2016, sagte Finanzminister Euklidis Tsakalotos am Rande einer Veranstaltung in London.

Es wäre der zweite Comeback-Versuch Griechenlands. Im Frühjahr 2014 hatte das Land nach jahrelanger erzwungener Abstinenz erstmals wieder längerfristige Staatsanleihen an private Investoren verkauft. Kurz danach war allerdings Schluss, die Stimmung verschlechterte sich wieder.

Nun also ein neuer Anlauf: Tsakalotos sagte, er habe am Dienstag mit Hedgefonds über dieses Thema gesprochen. "Es ging um generelle Sachen wie den Zeitplan, die griechische Wirtschaft, die Rekapitalisierung der Banken, wann wir eine Rückkehr an die Märkte planen und so weiter", sagte der Finanzminister.

So funktionieren Staatsanleihen
Warum geben Staaten Anleihen aus?
Staaten brauchen Geld, um ihre Ausgaben zu finanzieren, zum Beispiel für Beamte, Sozialleistungen, Bundeswehr oder Straßenbau. Wenn ein Staat nicht genügend Geld mit Steuern und Abgaben einnimmt, muss er Schulden machen. Dazu verkauft er Anleihen an Investoren. Diese Papiere sind wie Schuldscheine: Der Staat leiht sich damit zum Beispiel 1000 Euro pro Papier und verpflichtet sich, den Betrag zum Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Die Laufzeit kann zum Beispiel 2, 5, 10 oder 30 Jahre betragen.
Wie hoch sind die Zinsen?
Damit sich das Geschäft für die Geldgeber lohnt, muss der Staat ihnen Zinsen versprechen. Wie hoch diese sind, hängt vom allgemeinen Zinsniveau am Kapitalmarkt ab, aber auch von der Wahrscheinlichkeit, mit der die Investoren ihr Geld am Ende der Laufzeit wiederbekommen, also von der Bonität des Schuldners. Deutschland etwa gilt als sehr guter Schuldner und muss den Investoren traditionell nur sehr niedrige Zinsen bieten. Bei anderen Staaten sind die Anleger vorsichtiger und kaufen Anleihen nur, wenn sie dafür hohe Renditen bekommen.
Wie läuft der Verkauf der Anleihen?
Die Anleihen werden in der Regel in einer Auktion versteigert. In Deutschland macht das die Finanzagentur. Sie versteigert die Papiere zunächst an einen festen Kreis von Banken, die im Rahmen einer vorgegebenen Preisspanne Gebote abgeben. Je nach Nachfrage ergibt sich daraus ein etwas höherer oder niedrigerer Ausgabekurs. Zusammen mit dem Zinssatz bestimmt dieser Kurs die jährliche Rendite der Anleihen.
Warum verändert sich die Rendite einer Anleihe?
Der Zins einer Anleihe bleibt in der Regel über die gesamte Laufzeit gleich, aber die Rendite der Investoren kann sich drastisch ändern. Sie ergibt sich nämlich aus dem festgelegten Zins (auch Kupon genannt) und dem Kurs der Anleihe. Fällt der Kurs, weil mehr Anleger verkaufen als kaufen wollen, steigt die Rendite. Sie spiegelt damit ein höheres Risiko für die Investoren wider, man spricht deshalb auch vor einem Risikoaufschlag.

Die griechische Regierung hatte am Dienstag erklärt, bis Ende der Woche die letzten Bedingungen für die Auszahlung weiterer Milliardenhilfen der Europartner zu erfüllen. Insgesamt geht es um bis zu 86 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre. Es ist das dritte Hilfspaket seit 2010. In zwei vorangegangenen Paketen wurden dem Land seit 2010 bereits mehr als 200 Milliarden Euro geliehen.

Durch die Vereinbarung über die neuen öffentlichen Kredite war das Land im Juli vor der Staatspleite und einem drohenden Austritt aus der Eurozone bewahrt worden, musste sich dafür aber zu harten Reformen und Sparauflagen verpflichten.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Das sind dann ...
fridericus1 11.11.2015
... irgendwann die nächsten "notleidenden Anleihen", die dann durch nichtgriechische Steuermittel in ein paar Jahren getilgt werden müssen. Geiles Geschäftsmodell: ich leihe einem korrupten Pleitestaat Geld, kassiere dafür eine Zeit lang vergleichsweise gute Zinsen und wenn die Tilgung kritisch werden sollte, springen die guten Freunde des korrupten Pleitestaates ein.
2.
salkin 11.11.2015
Zuerst gibt es Geld für die griechischen Banken. Dann gelten diese wieder als solvent. Griechenland selbst wird von den Ratingagenturen soweit hochgestuft, dass die EZB wieder Sicherheiten der griechischen Banken mit Staatsbürgschaft für Refinanzierungen akzeptiert. Danach kaufen die Hedgefonds griechische Staatsanleihen zu 4% und refinanzieren diese bei der EZB zu 0%. Am Ende kauft dann die EZB diese Anleihen mit weiteren ABS Papieren den griechischen Banken und den Hedgefonds mit Aufschlag im Rahmen des erweiterten QE ab. Im 4. Hilfspaket wird dann die Rückzahlung vom ESM übernommen. Alle freuen sich nur die Steuerzahler der nächsten Generationen nicht.
3.
wo_st 11.11.2015
#1 fridericus1 hat ja so recht. So funktionierte Griechenland und seine Geldströme. Wo blieb das viele Geld hängen?
4. Was für ein Land, was für eine linke Regierung
ichsagwas 11.11.2015
Jetzt lassen die sich schon auf Hedgefonds ein. Die Krise wird mit großer Macht zurückkommen, das ist jetzt schon so gut wie sicher. Ich kann mir kaum vorstellen, dass in der Zukunft weitere sogenannte Hilfsprogramme aufgelegt. Irgendwann wird auch die deutsche Bevölkerung aufwachen und das an den Wahlurnen kundtun. Den Griechen bleiben dann nur noch die Flüchtlinge (äh Migranten eigentlich) als Erpressungspotential, frei nach dem Motto - wir lassen alle rein und gen Mittel- und Nordeuropa ziehen... es sei denn, ihr helft uns. Die Türkei wirds auch so machen.
5. Verzweifelte Griechen
michel-watcher 11.11.2015
Tsakalotos war stets sehr moderat und bemüht, ein Klima der Gesprächs- und Reformbereitschaft herzustellen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist er ein leiser und bescheidener Mann, der sich keinen Illussionen hingibt. Doch die Lage in Griechenland ist katastrophal und betrifft weite Teile der Bevölkerung. Auch der Staat steht extrem nahe am Abgrund und die Lage ist sehr angespannt. So können alle Versuche, wenigstens die Ärmsten zui schonen, nicht umgesetzt werden, da der Drück der Institutionen stetig und stark bleibt. Nun, da die Öffentlichkeit sich nicht mehr für das Thema interessiert, zieht man das Programm durch, ohne mit der Wimper zu zucken. Doch lange wird das wohl leider nicht mehr gehen. Einige wenige werden wohl zwar durchaus lukrative Geschäfte machen, die man auf dem griechischen Schnäppchenmarkt quasi 'für Umme' erstanden hat, doch die Mehrzahl der Unternehmen werden im Teufelskreis von geringer Kaufkraft, erhöhten Abgaben und ausländischer Konkurrenz landen. Das griechische Volk scheint gebrochen, tief enttäuscht und 'die Linke' hat es mal wieder geschafft, alle Versprechungen zu brechen und vermittelte Eindrücke als Täuschung erkennen zu lassen. Keine Frage, sie hatten kaum eine Wahl. Doch dann hätten sie das auch so sagen sollen: Denn sauer werden die Menschen nicht so sehr, wenn sie unangenehme Wahrheiten serviert bekommen, sondern dann, wenn ihnen das Blaue vom Himmel versprochen wurde und am Ende dann doch alles anders ist. Griechenland tut mir sehr leid! Die Zeiten werden wohl noch für lange hart bleiben...
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