Athens Schuldenkrise: Griechenland dringt auf Sparaufschub bis 2016

Griechenlands Premier begibt sich auf eine schwierige Mission. Antonis Samaras will Kanzlerin Merkel bei einem Treffen in der kommenden Woche davon überzeugen, die Sparauflagen für sein Land zu lockern. Zusätzlich braucht Athen neue Milliarden, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Protest gegen Reformen in Griechenland (Archiv): Erst soll Hollande überzeugt werden Zur Großansicht
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Protest gegen Reformen in Griechenland (Archiv): Erst soll Hollande überzeugt werden

London/Athen - Antonis Samaras beweist Mut: Der griechische Premier reist kommende Woche nach Berlin. Er will Kanzlerin Angela Merkel persönlich davon überzeugen, die harten Reformbedingungen aufzuweichen - und das, obwohl sein Land von deutscher Seite schärfer denn je kritisiert wird. Dennoch plant Samaras, das mit den Euro-Partnern, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) vereinbarte Programm bis 2016 zu strecken. Das berichtet die "Financial Times" ("FT") unter Berufung auf ein ihr vorliegendes internes Dokument.

Samaras wolle die neuen Pläne in der kommenden Woche zunächst dem französischen Präsidenten François Hollande vorstellen, um am nächsten Tag weiter zur Kanzlerin zu reisen, hieß es. Jannis Mourmouras, Samaras' oberster Wirtschaftsberater, begründete den Aufschub in der "FT" mit der schärferen Rezession in diesem Jahr. Es wird erwartet, dass die griechische Wirtschat um sieben Prozent schrumpft.

Bisher sehen die Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern vor, dass die Ausgaben der griechischen Regierung bis 2014 um 11,5 Milliarden Euro reduziert werden. Das entspricht etwa fünf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Den neuen Plänen zufolge will Griechenland nun das Haushaltsdefizit um 1,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung reduzieren statt wie bislang vorgesehen um 2,5 Prozent. Das hieße, dass die Vorgaben erst in zwei Jahren umgesetzt werden.

Außerdem braucht Griechenland der "FT" zufolge zusätzlich 20 Milliarden Euro für seinen laufenden Haushalt. Allerdings wolle die Regierung das zusätzliche Geld ohne Hilfe der Euro-Partner aufbringen, etwa durch einen bereits existierenden Kredit des Internationalen Währungsfonds oder die Ausgabe neuer Staatsanleihen. Erst am Montag hatte Griechenland mit der Versteigerung von Staatspapieren gut vier Milliarden Euro eingenommen - wenn auch nur für drei Monate.

Samaras' Plan ist gewagt: Denn zuletzt war die Kritik an Griechenland schärfer geworden. Selbst Mitglieder der schwarz-gelben Regierungskoalition legen dem Land einen Austritt aus der Euro-Zone nahe - und lehnen eine Aufweichung der Sparauflagen kategorisch ab.

Zugleich spitzt sich die Lage in Griechenland dramatisch zu, es droht eine unkontrollierte Pleite. Um diese abzuwenden, sollte das Land eigentlich schon längst weiteres Geld aus dem Rettungspaket der internationalen Partner erhalten haben. Doch die Hilfen sind seit Juni gestoppt. Solange nicht klar ist, wohin das Land unter seiner neuen Regierung steuert, halten die Geldgeber die fällige Zahlung von 31,5 Milliarden Euro zurück. Im September soll die Troika aus Europäischer Union, EZB und IWF über die Auszahlung der nächsten Tranche entscheiden.

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insgesamt 209 Beiträge
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1. Raus
Ghost24 15.08.2012
Raus und zwar sofort. Schluss mit den Spielen. Wegen mir eine kontrollierte Insolvenz zusammen mit den Europartnern aber die Griechen müssen wieder Wettbewerbsfähig werden und das schaffen sie nur, wenn man sie zwingt auch wieder für ihr Handeln zu haften. Das ist nur noch peinlich und vor Allem dreist. Ich nutze jetzt das Wort der europäischen Politiker. ALTERNATIVLOS ist der Austritt Griechenlands. Und dann einen harte und klare Reform der Europäischen Union. Evtl. kann man jetzt noch was retten.
2. Ach was...
fatherted98 15.08.2012
...Sparaufschub bis 2016 ... und dann...Sparaufschub bis 2026 weil halt noch keine Reform auch nur Ansatzweise umgesetzt wurde...und man auf Kosten der Anderen immer weiterwurschtelt....es ist das Ende der Fahnenstange erreicht...leider fallen unsere Polit-Nasen wieder reihenweise um und werden neue Hilfsgelder auf unsere Kosten lockermachen.
3. Eine Farce
maemo 15.08.2012
Zitat von sysopGriechenlands Premier begibt sich auf eine schwierige Mission. Antonis Samaras will Kanzlerin Merkel bei einem Treffen in der kommenden Woche davon überzeugen, die Sparauflagen für sein Land zu lockern. Zusätzlich braucht Athen neue Milliarden, um Haushaltslöcher zu stopfen. Griechenland will sich beim Sparen mehr Zeit lassen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,850097,00.html)
Da hilft auch kein Aufschub mehr, Griechenland hat nur noch eine Möglichkeit: Euro-Austritt und mit einer abwertbaren Drachme wieder auf die Füße kommen. Ansonsten gäbe es nur noch die Möglichkeit, das Land mindestens die nächsten 100 Jahre zu alimentieren. Alles andere würde für alle Seiten nur ins Verderben führen.
4. 2016??
scenes 15.08.2012
Guter Trick, das wäre nach der nächsten Wahl und Samaras könnte seine Legislaturperiode durchziehen wie alle anderen Regierungschefs vor ihm! Wann merkt die europäische Politik endlich, dass Griechenland nicht will????
5.
testthewest 15.08.2012
Zitat von maemoDa hilft auch kein Aufschub mehr, Griechenland hat nur noch eine Möglichkeit: Euro-Austritt und mit einer abwertbaren Drachme wieder auf die Füße kommen. Ansonsten gäbe es nur noch die Möglichkeit, das Land mindestens die nächsten 100 Jahre zu alimentieren. Alles andere würde für alle Seiten nur ins Verderben führen.
Geht doch schon seit 180 Jahren so. 100 Jahre mehr, was solls. Aber vielleicht bekommen wir es hin, dass jemand anders als wir zahlen muss. Ich wäre mal wieder für Frankreich und England, die ehemaligen Schutzmächte. Wir sollten aus dem Euro raus, dann kann auch niemand mehr böse auf uns sein.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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