Rückkehr an den Kapitalmarkt "Griechenland wird keine Hilfen mehr benötigen"

Griechenland ist die Rückkehr an die Finanzmärkte geglückt. Der Chef der Schuldenverwaltung in Athen spricht von einem Vertrauensvotum für die griechische Wirtschaft und sagt, wie es nun weitergeht.

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Zur Person
    Fragkiskos Koutentakis wurde im Oktober 2015 zum Generalsekretär für die Finanzpolitik des Finanzministeriums ernannt. Der 45 Jahre alte Ökonom ist auch Vorsitzender der Schuldenverwaltung Griechenlands. Er ist Dozent an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Kreta. Er war ein langjähriger Wirtschaftsberater für Alexis Tsipras und ein wichtiges Mitglied des griechischen Teams, das mit den internationalen Gläubigern des Landes verhandelt hat.

Fragkiskos Koutentakis hat keinen beneidenswerten Arbeitsplatz im internationalen Finanzsektor. Der Ökonom leitet die Schuldenverwaltung Griechenlands, das Land mit der zweithöchsten Staatsverschuldung weltweit.

Doch der vergangene Dienstag war ein guter Tag für den 45-Jährigen: Koutentakis beaufsichtigte Griechenlands Rückkehr an die Finanzmärkte, nach drei Jahren Abwesenheit. Das Projekt glückte: Griechenland nahm bei Privatanlegern zu einem ordentlichen Zinssatz neue Schulden auf. Das Rating Griechenlands liegt mit "B-", aber immer noch sechs Stufen unter dem Niveau, das als investitionswürdig gilt.

Dennoch könnte die erfolgreiche Rückkehr Griechenlands an die Finanzmärkte ein wichtiger Punkt in der griechischen Krise sein. Für die Regierung in Athen und die Gläubiger ist es zwingend, das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. In einem Jahr läuft das dritte Rettungsprogramm ab. Und niemand in Europa würde wohl ein viertes akzeptieren.

Koutentakis gibt sich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE zuversichtlich, dass Griechenland nach August 2018 keine Hilfe mehr von Europa benötigen wird.

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SPIEGEL ONLINE: Herr Koutentakis, sind Sie mit der Rückkehr Griechenlands an die Kapitalmärkte zufrieden?

Koutentakis: Auf jeden Fall. Die Nachfrage nach den Anleihen war höher und der Zinssatz niedriger als von uns erwartet. Das liegt vor allem an den institutionellen ausländischen Investoren, die zugegriffen haben. Es war ein Vertrauensvotum für die griechische Wirtschaft.

SPIEGEL ONLINE: Der griechische Zentralbank-Gouverneur hatte Ihnen geraten zu warten und erst wichtige Reformen und Privatisierungen umzusetzen, bevor sie an die Märkte zurückkehren. Haben Sie überstürzt gehandelt, um politische Bonuspunkte zu sammeln?

Koutentakis: Wir respektieren die Meinung des Zentralbank-Gouverneurs. Aber wir wollten zurück an die Märkte, um die Reaktionen der Investoren zu testen und unsere Schuldentragfähigkeit zu verbessern. Vor diesem Hintergrund war jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Seit April sind die griechischen Anleiherenditen gefallen. Auch weil Griechenland den größten Primärbudgetüberschuss in der EU erzielt hat.

SPIEGEL ONLINE: Griechenland nahm bereits 2014 unter der Regierung des konservativen Antonis Samaras am Kapitalmarkt neue Schulden auf. Die Opposition sagt, dass Sie sich jetzt rühmen, das Land wieder an die Stelle gebracht zu haben, an der es 2014 schon war - und somit drei Jahre Zeit verschwendet zu haben. Was ist Ihre Antwort darauf?

Koutentakis: Es ist wahr, dass Griechenland bereits 2014 am Kapitalmarkt aktiv war. Aber in diesem Jahr wurde es versäumt, die Haushaltsziele zu erreichen, und auch die Überprüfung des Rettungspakets war noch nicht abgeschlossen. Ich verstehe wirklich nicht, warum wir seit 2014 Zeit verschwendet haben sollen.

SPIEGEL ONLINE: Samaras feierte die Rückkehr an die Märkte damals als Meilenstein, der beweisen sollte, dass Griechenland aus der Krise herauskäme - und keine neue Rettungsaktion bräuchte. Diese Einschätzung wurde widerlegt. Könnte Ihr Optimismus gleichermaßen voreilig sein?

Koutentakis: Im Gegensatz zu damals hat die aktuelle Regierung ihre fiskalische Glaubwürdigkeit bewiesen. Wir haben in Bezug auf Haushaltsziele, Reformen und Steuererhebung mehr gemacht, als von uns erwartet wurde. Das erklärt die positiven Markterwartungen.

SPIEGEL ONLINE: Wird Griechenland erneut Anleihen platzieren, bevor das Programm ausläuft?

Koutentakis: Ja. Unser Ziel ist es, erneut Anleihen zu begeben. Die Marktbedingungen bestimmen aber dabei das Timing. Wir wollen den Boden bereiten für den endgültigen Ausstieg Griechenlands aus dem Programm im August 2018.

Börse in Athen
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SPIEGEL ONLINE: Für europäische Steuerzahler dürfte es eine Erleichterung sein, wenn keine weiteren Rettungspakete erforderlich sind.

Koutentakis: Das stimmt, es war für alle eine lange Zeit. Die Leute sind müde. Aber den deutschen und europäischen Steuerzahlern können zwei Dinge zugesichert werden: erstens, dass die griechischen Rettungspakete sie bislang nicht einen Cent gekostet haben, und sie in Zukunft auch nicht einen Cent kosten werden...

SPIEGEL ONLINE: ...auch wenn in einem Jahr ein neuer Schuldenschnitt für Griechenland angeboten wird?

Koutentakis: Die mittelfristigen Maßnahmen müssen geklärt werden, wie die Eurogruppe das versprochen hat. Aber jedenfalls werden sie keinen Verlust für einen Mitgliedstaat mit sich bringen. Griechenland erhält verzinsliche Darlehen.

SPIEGEL ONLINE: Und was ist die zweite Sache, mit der Sie die deutschen Steuerzahler beruhigen können?

Koutentakis: Dass Griechenland nach August 2018 keine Hilfen mehr benötigen wird. Griechenland wird auf eigenen Füßen stehen.

insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
taanuu 27.07.2017
1. Gute Nachrichten
Hoffen wir das Beste für Griechenland und die EU!
axlban 27.07.2017
2.
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/griechenland-bekommt-kredit-am-kapitalmarkt-13527434.html Wie vor zwei Jahren. ich habe ein deja-vu.
fred-vom-saturn 27.07.2017
3. Zwei Jahre TÜV unfallfrei
Ob der selber glaubt was für einen Unsinn der da erzählt. Wenn ich tausend Euro im Monat verdiene und 350.000 Euro Schulden habe und ich dann eine Bank finde die mir Geld leiht dann wohl nicht weil sie glaubt dass ich so ein erfolgreicher Typ bin sondern weil sie weiß dass ich da einen reichen Onkel in Brüssel habe der mir bislang auch immer geholfen hat wenn ich meine Raten nicht zahlen konnte. So einfach ist das.
denk1mal 27.07.2017
4. Wie jetzt?
Der IWF will noch einen Schuldenschnitt oder zumindest Laufzeitverlängerungen und Zinssenkungen, da er die Schuldenlast für nicht tragfähig hält. Und jetzt glaubt GR sich mit Anleihen zu ca. 4% Zins finazieren zu können? Da stimmt etwas nicht, wenn Zinsen von 1% vom IWF schon als zu hoch betrachtet werden. Schäuble bleibe hart!
lobro 27.07.2017
5. Operation gelungen - Patient tot
...Das einzige, was gerettet wurde, sind die Banken.
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