Rezession erwartet Griechische Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet

Griechenlands Bruttoinlandsprodukt ist im Anfangsquartal dieses Jahres gesunken. Weniger Exporte und ein schwächelnder Konsum sind Grund für die Misere.

Terminal im Hafen von Piräus
REUTERS

Terminal im Hafen von Piräus


Griechenland steuert auf die nächste Rezession zu. Die Wirtschaft des Krisenstaates schrumpfte zwischen Januar und März um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und damit stärker als zunächst angenommen, wie das Statistikamt Elstat mitteilte.

Griechenlands wirtschaftliche Talfahrt erklärt sich vor allem durch sinkende Exporte und schwächelnden Konsum. Im ersten Quartal bremsten zurückgehende Exporte die Konjunktur in dem Euro-Land. Zudem fiel der gesamte Konsum um 0,5 Prozent.

Fachleute sprechen von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwei Quartale in Folge sinkt. Im Schlussquartal 2015 stieg das BIP nur schwach um 0,1 Prozent. In sieben der vergangenen acht Jahre war das BIP des hoch verschuldeten Landes gesunken. Auch für 2016 erwartet die EU-Kommission ein Minus von 0,3 Prozent.

Die Finanzminister der Eurozone und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten sich vorige Woche auf weitreichende Hilfen für Griechenland geeinigt. Die Geldgeber und die Regierung in Athen verständigten sich grundsätzlich auf die Auszahlung weiterer Mittel in Höhe von 10,3 Milliarden Euro.

Rentenreform stockt

Griechenland kann Insidern zufolge einige der Zusatzforderungen seiner Geldgeber allerdings nicht umsetzen. Dies habe Finanzminister Euklid Tsakalotos vergangene Woche in einem Brief an seine europäischen Partner und den IWF erklärt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei mit den Verhandlungen vertrauten Personen. Vom Finanzministerium war vorerst keine Stellungnahme zu erhalten.

Offen blieb zunächst auch, ob das Vorgehen die Auszahlung weiterer Kredittranchen an Griechenland verzögern könnte. Einem der Insider zufolge drehen sich die Forderungen um Reformen bei der Rente. "Wir können keine wesentlichen Veränderungen machen", sagte ein Regierungsvertreter aus Athen. "Aber wir werden die technischen Verbesserungen angehen, die diskutiert wurden. Einige von ihnen sind richtig."

Schäuble hoffnungsvoll

Laut Zeitung "Ta Nea" ging der Brief an EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici, EZB-Direktor Benoît Cœuré und IWF-Europachef Poul Thomsen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte auf einer Konferenz in Berlin, er sehe Griechenlands Entwicklung trotz aller Schwierigkeiten mit mehr Hoffnung. Die dortige Arbeitslosigkeit nähere sich einem Wendepunkt. Schäuble fügte jedoch hinzu: "Kein Land in Europa hat einen so hohen Anteil an Steuern, die eigentlich bezahlt werden müssen, aber nicht erhoben werden."

msc/Reuters

insgesamt 30 Beiträge
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stuff 30.05.2016
1. ...wird wohl nix...
Erst neulich wieder von Freunden gehört, die nach Griechenland in den Urlaub wollen: "Das Hotel hat uns gesagt, wir sollen cash mitbringen." Also klar: Nichts gelernt, es werden weiter fleissig Steuern hinterzogen, dann sieht die 'offizielle' Wirtschaft schlecht aus, der Staat hat kein Geld, aber den Leuten geht's o.k. Und die Differenz zahlt die EU?
zockelbär 30.05.2016
2. Wer konnte denn ahnen,
dass durch die Austeritätspolitik der vergangenen Jahre der Konsum schwächeln könnte.Das Schäuble mit Rücksicht auf die 5-6% Hardcore-schwäbische-Hausfrau-Stammwähler lieber ein Schrecken ohne Ende als eine ehrliche (realistische) Herangehensweise favorisiert ist parteipolitisch nachvollziebar.Na ja diese Griechen mal wieder,ich wette nächstes Jahr schrumpfen sie wieder stärker als "erwartet".
cum infamia 30.05.2016
3. Kann nicht wahr sein!
Schon am 1.3.2012 konnte Herr Schäuble konstatieren : Griechenland ist auf einem guten Weg ! Wer will dem Finanzminister einen Irrtum unterstellen ? (Sarkasmus aus )
marthaimschnee 30.05.2016
4.
Es ist einfach nur Schwachsinn sich Hände und Füße abzuhacken, um dank der Gewichtseinsparung schneller laufen und besser arbeiten zu können. Und Herr Schäuble ist der Oberkracher, was denkt der wohl passiert mit dem Geld, das dem Staat geschuldet wird, sofern es noch existiert und keine bloße Schuld ist? Dann ist es im Umlauf und verhindert, daß die Wirtschaft noch stärker schrumpft! Aber um das zu verstehen, müßte man ja ein Minimum an Verständnis für Volkswirtschaft haben, was bei dem Mann jedoch durch vollkommene Abstinenz glänzt.
Egbert.Quirl 30.05.2016
5. Können
wir denn ewig so wietermachen ?? Ja richtig, bewährtes Sparprogramm führt zu dem allseits schrumpfenden Konsum bei erneuter Steuer- erhöhung für die breite Masse in Griechenland (Mwst24%). Bestimmt wird nach der Sommerpause und vor dem Novemberzauber eine neue Liste der griechischen Grausamkeiten aufgelegt, bei den Renten ist sicher noch Spielraum??
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