Skandal um Mietzuschuss für Politiker Auch griechischer Wirtschaftsminister tritt zurück

Weil Rania Antonopoulou als Ministerin einen staatlichen Mietzuschuss kassierte, wurde sie entlassen. Nun verlässt auch ihr Ehemann das griechische Kabinett. Experten gehen von einer Regierungsumbildung aus.

Dimitri Papadimitriou (Archivbild)
DPA

Dimitri Papadimitriou (Archivbild)


Der Skandal um einen vergleichsweise hohen Mietzuschuss für Minister in Griechenland zieht weitere Kreise. Kurz nach der Entlassung der stellvertretenden Arbeitsministerin Rania Antonopoulou ist in der Nacht zum Dienstag auch deren Mann, Wirtschaftsminister Dimitrios Papadimitriou, zurückgetreten. Regierungschef Alexis Tsipras akzeptierte seine Bitte, teilte das Büro des Ministerpräsidenten mit. Beobachter gehen davon aus, dass Tsipras nun seine Regierung umbilden werde.

Antonopoulou und Papadimitriou hatten einen staatlichen Mietzuschuss von jährlich 12.000 Euro kassiert, um die Miete für ihre Wohnung im vornehmen Athener Stadtteil Kolonaki zu bezahlen. Ministerpräsident Tsipras hatte am Montag Antonopoulou entlassen, weil sie den Mietzuschuss beantragt und kassiert hatte. Das Ministerduo gilt als eines der reichsten Ehepaare Griechenlands mit einem Vermögen von knapp drei Millionen Euro, berichtete die Presse unter Berufung auf dessen veröffentlichte Steuerangaben.

Sie machten Gebrauch von einem Gesetz, das die Tsipras-Regierung 2015 verabschiedet hatte. Darin wird neben allen Abgeordneten auch Ministern ein Mietzuschuss in Aussicht gestellt, damit sie in Athen eine Wohnung mieten können.

Griechische Zeitungen monierten, es sei unmoralisch, dass Minister in schwierigen Zeiten für viele Bürger Gebrauch von dieser Bestimmung machten. Die Griechen haben seit Ausbruch der schweren Finanzkrise im Jahr 2010 mehr als ein Viertel ihres Einkommens verloren. Fast jeder Dritte lebt an der Armutsgrenze.

bam/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.