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Griechischer Finanzminister: Varoufakis tritt zurück

AFP

"Minister no more": Mit einem Tweet verkündet der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis seinen Rücktritt. Auf seinem Blog erklärt er die Gründe - auch die Opposition in Athen dürfte eine Rolle gespielt haben.

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Wenige Stunden nach dem Sieg des Nein-Lagers beim Referendum in Griechenland hat Finanzminister Yanis Varoufakis überraschend seinen Rücktritt verkündet. Einige Mitglieder der Euro-Gruppe hätten ihm klar gemacht, dass sie es vorziehen würden, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen werde, schrieb Varoufakis am Montag in seinem Blog unter der Überschrift "Minister no more". Er sei aus Kreisen der Euro-Gruppe darauf hingewiesen worden, dass es dafür eine "gewisse Präferenz" gebe.

Sein Abschied sei von Ministerpräsident Alexis Tsipras als "potenziell hilfreich" betrachtet worden, weshalb er heute das Finanzministerium verlasse. Der Rücktritt könne Ministerpräsident Alexis Tsipras möglicherweise helfen, eine Vereinbarung mit den Geldgebern zu erreichen. "Aus diesem Grund verlasse ich das Finanzministerium heute", schreibt Varoufakis weiter.

Motorradfahrer Varoufakis Zur Großansicht
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Motorradfahrer Varoufakis

"Wir von der Linken verstehen etwas davon, kollektiv zu handeln, ohne sich um Amtsprivilegien zu kümmern", so Varoufakis. "Ich werde Ministerpräsident Tsipras, den neuen Finanzminister und unsere Regierung voll unterstützen." Und weiter heißt es in seinem Blog: "Und ich werde die Verachtung der Gläubiger mit Stolz tragen."

Der 53-Jährige aktualisierte umgehend den Status in seinem Twitter-Profil: Jetzt bezeichnet er sich dort nur noch als "Wirtschaftsprofessor, der jahrelang friedlich obskure akademische Texte schrieb, bis er in die Öffentlichkeit geworfen wurde durch Europas dummen Umgang mit einer unvermeidlichen Krise".

Varoufakis bei seiner Stimmabgabe Zur Großansicht
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Varoufakis bei seiner Stimmabgabe

Varoufakis sprach von einer "historischen Ablehnung des Ultimatums", das die Euro-Gruppe den Griechen am 25. Juni gestellt habe. Nun sei es entscheidend, dass das "großartige Nein" unverzüglich in ein "Ja zu einer angemessenen Lösung" umgemünzt werde.

Noch am Sonntagabend hatten Vertreter der Syriza auf Anfrage erklärt, dass Varoufakis im Amt bleibe. Die griechische Opposition hatte jedoch einen neuen Verhandler für die Gespräche in Brüssel gefordert. Varoufakis hatte immer wieder mit Provokationen für Schlagzeilen gesorgt, zuletzt warf er den Gläubigern Griechenlands Terrorismus vor.

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Yanis Varoufakis: Der Rocker tritt ab
Er geriet mehrfach scharf und heftig mit seinen europäischen Amtskollegen aneinander. Wenn er von anderen Ministern nach Zahlen gefragt wurde, wich er gern aus: "Lasst uns doch nicht so technisch werden." Stattdessen: Vorträge über die gemeinsame Zukunft Europas. Das trieb viele - allen voran Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble - fast zum Wahnsinn, berichten Augenzeugen der Gespräche in Brüssel.

Druck der Opposition

Premier Tsipras ist mit dem Rücktritt nun auf die Forderungen der Opposition eingegangen, er sucht die Unterstützung der anderen sechs Parteichefs. Um 10 Uhr Ortszeit begann ein Treffen des Ministerpräsidenten mit ihnen bei Staatspräsident Prokopis Pavlopoulos. Dies dauert noch an.

Der Nachfolger von Varoufakis soll nach dem Treffen benannt werden. Mögliche Kandidaten sind Wirtschaftsminister Georgios Stathakis, Vize-Premier Giannis Dragasakis, der Wirtschaftswissenschaftler und Unterhändler der vorherigen Regierung Giorgos Houliarakis sowie der Koordinator der Gespräche mit den Gläubigern, Euklidis Tsakalotos.


Zusammengefasst: Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis ist zurückgetreten. Er will damit die Vereinbarungen mit den Gläubigern erleichtern, schreibt er auf seinem Blog. Auch die Vorsitzenden der griechischen Oppositionsparteien hatten Druck gemacht.

cvo/heb/AFP; Mitarbeit: Giorgos Christides

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 384 Beiträge
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1. Lieber ein Ende mit....
m.brunner 06.07.2015
Alles geplant. Der Bad guy geht und EUROPA wird zahlen. Wir bräuchten auch mal so einen Taktiker wie den Tsipras, Europa wäre ein Schlaraffenland. Es wird jetzt so wieter gehen wie vorher, nur das die EU mehr zugeständnisse machen wird, es in der Öffentlichkeit aber so aussehen läßt, als ob die Griechen auf etwas verzichten. Man muss das Gesicht wahren und der Bürger zahlt selber für seine politi. Stabilität. Nachdem V. abtritt, gibt es ja für die EU Strategen keinen Grund mehr, GR weit entgegenzukommen. Koste es was es wolle. Und in D werden dann wieder weniger Starßen renoviert und weniger Kindergärten gebaut weil das Geld nach GR geflossen ist. Merkt nur keiner so richtig bei Wohlfühl Angela. Solange niemand demonstriert kann man eben alles mit uns machen.
2. Tja,
tinchen1990 06.07.2015
1. Sehr schade. 2. Sehr schlau. 3. Absolut richtig. Er hat sich dem Druck der Demokratiegegner gebeugt, und handelt zum wohle des Volkes.
3. Intelligenter...
teacher20 06.07.2015
...als gedacht. Zumindest kann man Varoufakis nicht unterstellen, er habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Oder das Ganze läuft nach einem zuvor beschlossenen Drehbuch ab, nach dem Tsipras nach einem "Nein" auch noch das Finanzministerium in Personalunion übernimmt. Dann kann alles nur besser werden...
4. Der Baum der Erkenntnis
ockhams_razor 06.07.2015
Als hochintelligenter Mensch hat er erkannt, dass er das Versprochene nicht liefern kann. Erwartungen wecken ist einfach - erfüllen nicht. Ein 'JA' hätte alles einfach gemacht, dann wäre halt das Volk am Richtungswechsel schuld gewesen.
5. Nicht tragbar
robin-masters 06.07.2015
und wieder ein Professor der an der Realität gescheitert ist. (siehe Lucke) Das dauernde Grinsen in ernsthaften Momenten wird mir nicht fehlen.
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