Hoffnung in Euro-Krise Griechische Industrie wächst überraschend stark

Hoffnungsschimmer in Griechenland: Die Industrieproduktion ist zum ersten Mal seit Beginn der Krise deutlich gestiegen. Auch Italien und Frankreich melden ein überraschend starkes Produktionswachstum.

Arbeiten an einer Gasturbine in der Nähe von Athen: Die Lohnkosten sinken
REUTERS

Arbeiten an einer Gasturbine in der Nähe von Athen: Die Lohnkosten sinken


Athen - Griechenland kann es schaffen: Das war eine der Hauptbotschaften von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrem Athen-Besuch am Dienstag. Nun besteht tatsächlich Hoffnung, dass sich die Lage bessern könnte. Zum ersten Mal seit vier Jahren ist die Industrieproduktion im August wieder merklich gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat erhöhte sich der entsprechende Index um 2,5 Prozent, wie die nationale Statistikbehörde mitteilte.

Im Juni hatte die Behörde in Athen bereits ein leichtes Plus von 0,3 Prozent im Jahresvergleich gemeldet, im Juli ging es jedoch wieder um 5,0 Prozent nach unten. Seit Anfang 2008 hatte es in Griechenland nur drei Monate mit Zuwächsen bei der Industrieproduktion gegeben. In den übrigen Monaten brach die Produktion mehr oder weniger deutlich ein und erreichte mehrfach sogar zweistellige Minusraten.

Getrieben wurde das Wachstum durch höhere Ausfuhren. Die griechische Exportwirtschaft profitierte dabei von den gesunkenen Arbeitskosten. "Sektoren mit Exportorientierung wie die Pharma- und Metallbranche führten die Erholung an", sagte Volkswirt Nick Magginas von der National Bank.

Die Industrieproduktion macht allerdings nur 15 Prozent der griechischen Wirtschaftsleistung aus, in Deutschland ist der Anteil rund doppelt so hoch. Das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands wird Schätzungen zufolge in diesem Jahr um 6,5 Prozent schrumpfen nach einem Rückgang um 7,1 Prozent 2011.

Auch in Frankreich und Italien meldeten die Statistikämter einen überraschend starken Anstieg der August-Produktion. Die italienische Produktion legte im Monatsvergleich um 1,7 Prozent zu. Aus Frankreich meldete die Statistikbehörde einen Zuwachs um 1,5 Prozent.

Neue Phantom-Rentner entdeckt

Das griechische Sparprogramm ist in der Bevölkerung äußerst umstritten. Am Mittwoch kündigten die wichtigsten Gewerkschaften des Landes einen neuen Streik an. Am 18. Oktober wollen sie für 24 Stunden in den Ausstand treten. Damit protestieren die Arbeitnehmervertreter gegen neue Sparauflagen, denen Griechenland im Gegenzug für die nächste Tranche aus dem Euro-Rettungsschirm zugestimmt hat.

Die griechischen Behörden kämpfen derweil offenbar noch immer mit einer großen Zahl von Betrügern, die Zuschüsse und Renten verstorbener Angehöriger kassieren. Nach einer zweiten Prüfung innerhalb weniger Monate hätten sich mehr als 90.000 Rentner nicht bei den Behörden gemeldet, teilte die größte griechische Renten- und Krankenkasse IKA mit.

Die Phantom-Rentner werden nun keine Zahlungen mehr erhalten. Die IKA berechnete, dass es dabei um insgesamt fast eine Milliarde Euro geht. Die Kontrollen sollen Ende Oktober noch einmal wiederholt werden.

dab/dpa/Reuters



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insgesamt 72 Beiträge
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carlo02 10.10.2012
1. optional
nationale Statistikbehörde. lach. Da war doch was.
realpolitiker 10.10.2012
2. ----allein mir fehlt der Glaube
Zitat von sysopREUTERSHoffnungsschimmer in Griechenland: Die Industrieproduktion ist zum ersten Mal seit Beginn der Krise deutlich gestiegen. Auch Italien und Frankreich melden ein überraschend starkes Produktionswachstum. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenlands-industrie-waechst-ueberraschend-a-860564.html
Da bin ich aber wirklich neugierig, was GR neuerdings für eine Metall-Industrie haben soll. Ich habe bisher noch keine griechischen Metallprodukte u.a. auf dem hiesigen Markt feststellen können. Vielleicht verkaufen sie aber ihre ausrangierten Schrottpanzer. Und was eine Pharmaindustrie betrifft, da wurde doch zurückliegend immer heftig geklagt, dass das Land von den großen internationalen Pharmakonzernen nicht mehr oder nicht ausreichend beliefert wird. Nach griechischen Meldungen hatten sogar in einigen Bezirken Apotheken wegen Nachschubmangels geschlossen. Nur der Vollständigkeit halber - was den etwaigen Export von Agrarprodukten betrifft, so produziert GR (nach Meldung des FS-Senders Mega-TV) nur 30% des eigenen Bedarfs und 70% werden zusätzlich aus dem Ausland eingeführt.
winfired 10.10.2012
3. Wort des Jahres
Kann man dieses Land eigendlich als einen Staat bezeichen?
wahlphantom 10.10.2012
4. statistik
die hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber die erfahrung mit gr und deren zahlenwerte laesst wieder einmal nur strategie vermuten: nun zahlt die tranche aus, damit die zarte pflanze der wirtsch. erholung wachsen kann! eigentlich ist es beschaemend, dass ich mit meinen gedanken bereits so weit gesunken bin, ich warte auf den rechenfehler !!!
muellerthomas 10.10.2012
5.
Zitat von carlo02nationale Statistikbehörde. lach. Da war doch was.
Nun ja, laut den Zahlen, die auch Eurostat so bestätigt, gab es ausgehend von der Spitze deutliche Rückgänge der Industrieproduktion. Wenn hier manipuliert werden sollte, wieso hat man dann bis jetzt gewartet? Allerdings sollte man den Anstieg nach 25-30% Rückgang auch nicht überbewerten, zumal es immer mal wieder positive Monate mitten im Abwärtstrend gab.
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