Samaras-Besuch bei Merkel Griechenland will ohne neue Hilfen auskommen

"Die ersten zarten Pflänzchen des Erfolgs sind sichtbar": Kanzlerin Merkel hat den griechischen Ministerpräsidenten Samaras bei einem Treffen in Berlin für seine Reformen gelobt. Der versicherte: Ein neues Hilfspaket sei nicht notwendig.

Griechischer Premier Samaras, Kanzlerin Merkel: "Schmerzhafte Opfer" der Bevölkerung
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Griechischer Premier Samaras, Kanzlerin Merkel: "Schmerzhafte Opfer" der Bevölkerung


Berlin - Die Rezession sei nahezu überwunden, die Zahl der Arbeitslosen sinke, und auch ein neues Hilfspaket sei nicht notwendig. So zuversichtlich zeigte sich der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras bei seinem Berlin-Besuch bei Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag. Dennoch mache ihm die insgesamt hohe Zahl der Erwerbslosen noch Sorgen, sagte er.

Samaras sprach zudem von den Erfolgen seiner Regierung bei der Konsolidierung des Haushalts, der Stabilisierung der Schuldenlast und der Umsetzung der Strukturreformen. Griechenland sei früher als vorgesehen an die Finanzmärkte zurückgekehrt, sagte Samaras. Zudem habe Athen die Banken mit weniger Mitteln rekapitalisiert als geplant.

Zu einer möglichen Streckung der Tilgungsfristen für Griechenlands Schulden äußerte sich der konservative Politiker hingegen nicht. Für konkrete Angaben dazu sei es zu früh, sagte er. Natürlich müsse noch mehr getan werden, doch habe Griechenland es mit der Unterstützung der Partner und den "schmerzhaften Opfern" der eigenen Bevölkerung geschafft, die Krise hinter sich zu lassen.

Auch Merkel lobte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz die Fortschritte Griechenlands beim Weg aus der Krise. "Ich weiß, welch schwierige Zeit das Land durchmacht, aber die ersten zarten Pflänzchen des Erfolgs sind sichtbar", sagte Merkel. Auf die Frage, ob sie sich eine Lockerung der strengen Regeln des Stabilitätspakts vorstellen könne, verwies die Kanzlerin auf die EU-Kommission. Diese müsse im Oktober die Haushalte aller Mitgliedstaaten bewerten.

Das zweite Kreditprogramm für Griechenland läuft Ende 2014 aus. Die griechische Wirtschaft steckt seit sieben Jahren in der Rezession und wird seit 2010 mit internationalen Geldern unterstützt. Insgesamt erhält der von der Schuldenkrise am stärksten getroffene Staat 240 Milliarden Euro. Im Gegenzug verlangt die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) umfassende Reformen und Sparmaßnahmen.

vks//dpa/Reuters

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insgesamt 24 Beiträge
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wibo2 23.09.2014
1. Griechenland kehrt an den Kapitalmarkt zurück
Auch wenn Griechenland wieder Geld von Investoren bekomme, so sei es doch auf die Zusicherung der Euro-Staaten angewiesen, im Notfall vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt zu werden. Griechenland kann seien Schulden, die seit Beginn der Krise sogar gestiegen sind, nicht aus eigener Kraft zurückzahlen. Die Politik hat die Eurozonen Schuldenkrise, deren Ende nicht in Sicht ist, keineswegs im Griff.
hotgorn 23.09.2014
2. schönes bild
Merkel und Samaras sind farblich auf die gr. Nationalflagge abgestimmt. Für mich ist das ein Zeichen das es keine härtere Gangart gegen Griechenland geben wird trotz afd erfolgen.
james-100, 23.09.2014
3.
240 Mrd Euro hat Griechenland bekommen? Wie hoch waren die Schulden von G vor der Krise? Ich glaube so um die 160 Mrd. Jetzt hat G höhere Schulden und immer noch keine intakte Wirtschaft. Da ist doch was faul im Konstrukt der EU und des Euros. Das ist das Ergebnis, wenn man nur die Banken und die Finanzelite im Blick hat und rettet, und die Normalbevölkerung bluten lässt bis zum geht nicht mehr.
karend 23.09.2014
4. Gelder
Der griechische Ministerpräsidenten versicherte also: "Ein neues Hilfspaket sei nicht notwendig." Hm, das habe ich schon einmal gehört - zu Beginn der Krise. Wenn Frau Merkel sagt "Die ersten zarten Pflänzchen des Erfolgs sind sichtbar" und Schäuble von einem "gutem Weg" spricht, können sich Steuerzahler entspannt zurücklehnen.
ton.reg 23.09.2014
5. Wird uns keinen Cent kosten....
... ist das Versprechen der GröKaz und ihres Gehilfen gewesen. Ein paar Mrd. waren es aber schon durch den "freiwilligen Anleihentausch" der griechischen Papiere bei der deutschen Bad Bank. Mit dem Geld hätte ein schönes Stück der madroden deutschen Infrastruktur repariert werden können.... Aber durch die absehbare Mautumstellung wird wie bei der "einkommensneutralen" GEZ-Umstellung überraschenderweise ein paar Mrd. mehr vom Autofahrer abkassiert. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Der griechische Überschuß kommt überwiegend daher, dass einfach ausstehende Rechnungen in Mrd.-Höhe nicht bezahlt werden. (Das machen andere Staaten wie z.B. Italien genauso). Die Kreditvergünstigungen für Griechenland werden kommen. Warum ? Griechenland will das so und ist in der Lage, das einfach zu diktieren. Man könnte sonst ja einfach aus dem Euro austreten und das Kartenhaus würde vorzeitig zusammen fallen. Das war alles so vorhersehbar, insbesondere bei direkter Akteneinsicht. Wir wurden (werden) einfach nur Belogen. Aber aus Solidarität zu unseren misswirtschaftenden Währungsgenossen opfern wir gerne unsere Zukunft (koste es was es wolle), das ist halt die Aufgabe eines rechtlosen Stimmviehs..... Traurig, traurig....
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