Athen - Der Vorsitzende der griechischen Sozialisten hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, für ihre Äußerungen zur Steuermoral seiner Landsleute scharf kritisiert. Lagarde habe damit "die Griechen beleidigt", sagte Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos laut einem Fernsehbericht. "Ich fordere sie auf, zu überprüfen und zu überdenken, was sie sagen wollte", fügte er hinzu.
Lagarde hatte die Bürger im hochverschuldeten Griechenland in einem am Samstag im britischen "Guardian" veröffentlichten Interview unverblümt aufgefordert, ihren staatsbürgerlichen Pflichten nachzukommen, um das Land aus der Krise zu führen: "Helft euch selbst und zahlt endlich Steuern!"
Auf die Missstände zum Beispiel im griechischen Gesundheitssystem angesprochen - so erhielten viele Kranke keine lebenswichtigen Medikamente mehr - hatte die IWF-Chefin gesagt: "Ich sorge mich mehr um die Kinder in einem kleinen Dorf in Niger, die nur zwei Stunden Unterricht am Tag haben und sich zu dritt einen Stuhl in der Schule teilen. Sie brennen darauf, Bildung zu bekommen. An diese Kinder denke ich die ganze Zeit. Denn ich glaube, sie brauchen viel mehr unsere Hilfe als die Menschen in Athen."
Am späten Samstag erklärte Lagarde den Griechen zwar ihr Mitgefühl angesichts der einschneidenden Sparmaßnahmen. Zugleich verwies sie aber auf die Notwendigkeit einer gerechten Lastenverteilung in der Krise. Insbesondere reiche Griechen rief sie auf, Steuern zu entrichten.
Die griechische Wirtschaft befindet sich das fünfte Jahr in Folge in der Rezession. Im Gegenzug für Milliardenkredite der Europäischen Union und des IWF hatte sich die Anfang Mai abgewählte griechische Regierung aus Sozialisten und Konservativen zu einem drastischen Sparprogramm verpflichtet. Nach der Wahl, bei der sparkursfeindliche Parteien großen Zuspruch erfuhren, kam keine neue Regierung zustande, weshalb am 17. Juni erneut gewählt werden soll.
ore/AFP
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