Frankfurt am Main - Von Euphorie zu sprechen wäre übertrieben - eher ist es wohl Erleichterung, die zu Wochenbeginn die Märkte bewegt. Nach der Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket verzeichneten die europäischen Aktienmärkte leichte Gewinne. Der Dax
kletterte am Montag zunächst um 1,2 Prozent auf 6774 Punkte nach oben. Später gab der deutsche Leitindex etwas nach und lag noch 0,7 Prozent im Plus. Der Eurostoxx 50
, in dem die führenden europäischen Aktienwerte gebündelt sind, stieg zeitweise um 0,9 Prozent auf 2503 Punkte.
Besonders stark profitierten am Montag zunächst Papiere der beiden größten deutschen Banken: Die Commerzbank
legte zeitweise 4,2 Prozent zu, die Deutsche Bank
2,4 Prozent. Damit machten die beiden Institute Kursverluste wett, die sie Ende vergangener Woche wegen der Unsicherheit über die Lage in Griechenland erlitten hatten.
Noch deutlicher legten griechische Geldhäuser zu. Der Bankenindex verzeichnete ein Plus von zwölf Prozent. Bei überdurchschnittlichen Umsätzen legte auch der Leitindex ATG deutlich zu und notierte mit 5,4 Prozent bei 840 Punkten - so hoch wie zuletzt vor fünf Monaten.
Ausschreitungen in Athen und sechs weiteren Städten
Händler lobten die Entscheidung der Parlamentarier. "Die Leute waren dabei, die Geduld mit Griechenland zu verlieren", sagte Markus Huber, Händler von ETX Capital. "Zum Schluss haben sich die Griechen aber zusammengerauft und das ist definitiv positiv." Doch es gab auch skeptische Stimmen: "Ich bin mir nicht sicher, ob es schon Zeit für ein 'Hurra' ist. Es ist immer noch unklar, ob die Finanzminister der Euro-Zone dem Hilfspaket zustimmen," sagte Masafumi Yamamoto von Barclays Capital.
Die Entscheidung im Parlament wurde von heftigen Ausschreitungen begleitet. Randalierer setzten Dutzende Gebäude in Brand, fünfzig Polizisten und mindestens 70 Demonstranten wurden verletzt. Athens Bürgermeister Giorgos Kaminis sagte, Randalierer hätten versucht, das Rathaus zu stürmen: "Einmal mehr wird die Stadt als Hebel benutzt, um das Land zu destabilisieren." Ein verzweifelter Ladenbesitzer erklärte bei der Besichtigung seines verwüsteten Optikergeschäfts, er habe genug. Es gebe keinen Grund mehr, in Griechenland zu leben.
Zu Gewaltakten kam es auch in sechs anderen Städten des Landes. Am schlimmsten war es Polizeiangaben zufolge in der Stadt Volos, wo das Rathaus und Finanzamt in Brand gesteckt wurden.
Trotz der Einigung will Wirtschaftsminister Philipp Rösler den Druck auf die griechische Regierung aufrechterhalten. Er drängte auf eine zügige Umsetzung des Sparpakets. "Wir wollen jetzt erst mal abwarten, was nach der Gesetzgebung kommt", sagte der FDP-Politiker in der ARD. Zwar sei es gut, dass die Gesetze mit einer großen Mehrheit beschlossen worden seien. Die Maßnahmen müssten nun aber umgesetzt und von der Troika beurteilt werden. Erst dann könne es weitere Hilfen geben.
cte/Reuters/dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise in Griechenland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH