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Finanzkrise: Griechische Steuerbeamte sollen Umgang mit wütenden Bürgern lernen

Anti-Aggressions-Training für Griechenlands Steuerfahnder: Weil sich tätliche Angriffe von zahlungsunfähigen Bürgern häufen, sollen die Beamten zu deeskalieren lernen - unter anderem mit Billy, dem Walross.

Proteste gegen Sparpolitik von Lehrern und städtischen Angestellten: "Die Seminare sind lächerlich" Zur Großansicht
DPA

Proteste gegen Sparpolitik von Lehrern und städtischen Angestellten: "Die Seminare sind lächerlich"

Athen - Steuerbeamter in Griechenland ist dieser Tage ein Horrorjob. Nach unzähligen Steuererhöhungen sind viele Griechen sauer auf ihre Regierung - und die Beamten, die das Geld eintreiben sollen. Drohungen gegen Steuerfahnder häufen sich, tätliche Angriffe auch. Doch nun haben die Steuereintreiber einen neuen Freund an ihrer Seite: Billy, das Walross.

Der ängstliche Arktisbewohner traut sich nicht, dem jähzornigen Anführer seiner Sippe schlechte Nachrichten zu überbringen. Die Geschichte von Billys Wandlung ist integraler Bestandteil des Anti-Aggressions-Trainings, das alle griechischen Steuerbeamten nun belegen müssen. Auch Rollenspiele mit harschen Anrufern gehören zu dem Programm.

Die Seminare werden aus einem EU-Programm finanziert und sollen den griechischen Steuerfahndern beibringen, wie sie auf die Wut ihrer Kunden reagieren können.

Der Verband der Steuerfahnder räumt ein, dass Hilfe durchaus willkommen wäre - doch nicht auf diese Art: "Offen gesagt, das ist lächerlich", sagte Trifonas Alexiadis, stellvertretender Vorsitzender des Verbands. Seminare seien sinnvoll, aber nicht, wenn sie sich auf Grundschulniveau bewegten.

Dabei ist die Situation für die Fahnder durchaus ernst. Die Angriffe auf die Beamten seien keine Seltenheit, einmal fielen sogar Schüsse, ein anderes Mal sei eine Axt im Spiel gewesen, erzählt Alexiadis.

Doch die Wut der Bürger habe ihren Grund, sagt Alexiadis. Die Steuereintreiber müssten nicht allein mit Aggressionen umgehen, sondern mit der Realität. So führt etwa die Vermögensabgabe auf Elektrizität in zahlungsunfähigen Haushalten dazu, dass ihnen der Strom abgestellt wird. "Der Druck auf Menschen, die nicht zahlen können, ist zu groß", meint Alexiadis.

Die Steuerbeamten spüren den Sparzwang Griechenlands auch selbst. Um gegen die erheblichen Kürzungen ihrer Gehälter zu protestieren, wollen sie sich am Mittwoch einem 24-stündigen Streik der Gewerkschaft der öffentlich Bediensteten anschließen.

ade/sun/AP

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1. Seminare
karend 11.03.2014
Sollten sich diese Seminare auf dem gleichen Niveau bewegen, wie die, die die Bundesagentur für Arbeit oft vermittelt, wäre das - erneut - Geldverschwendung. Mich interessiert jedoch, ob mehr Steuereinnahmen von wohlhabenden Griechen zu verzeichnen ist. Doch das bleibt vermutlich eine Illusion. Alles wie gehabt: Die Reichen ersparen es sich, einige Politiker bereichern sich und faseln doch von der Liebe zum Land.
2. Das darf man dem Griechen nicht übel nehmen
oliver71 12.03.2014
Seit einer kleinen Ewigkeit gibt es für den Griechen nur theoretisch Steuern. Praktisch hat der Grieche aber seit Jahrzehnten keine Steuern gezahlt und es ging ihm trotzdem sehr gut. Angefangen hat alles mit Geschenken der Politik an die Reichen. Die wurden quasi Stück für Stück ganz legal von Steuern befreit. Grade die starken Wirtschaftszweige wie der Fischfang oder die Reeder und Schiffbauer müssen keine Steuer zahlen. Auch Hoteliers sind von der Steuer befreit solange der Bau eines Hotels nicht zu 100 % abgeschlossen ist. Heißt, wenn von 2000 Zimmern eines noch nicht fertig gestellt ist keine Steuer. Da wundert es nicht, dass quasi keine Hotel Steuern zahlen muss. Sie haben eine Jacht. In anderen Ländern müssen sich hier Geld an den Staat berappen nicht in Griechenland. Dort wird die Jacht wie ein Fischkutter behandelt. Und obwohl der Fischer kein Steuern zahlen muss kann er die Kosten seines Kutters von der Steuer absetzen und bekommt sogar noch Subventionen. So geht es auch dem Jachteigentümer. Er kann den Aufwand der Jacht als Werbungskosten geltend machen. Und da hat natürlich auch der kleine Bürger irgendwann aufgehört Steuern zu zahlen. Und das System Griechenland funktioniert ja auch schon seit Jahrzehnten. Warum das jetzt nicht mehr so sein soll muss man dem Bürger erst mal erklären. Auch hat ja der Finanzbeamte nicht nur das Problem des wütenden Bürgers. Nein er muss sogar seinen Arbeitsplatz aufsuchen auch wenn kein Kollege auf seinen Geburtstag einen ausgibt.
3. In Spanien auch nicht anders
b.nitsche 12.03.2014
Zitat von oliver71Seit einer kleinen Ewigkeit gibt es für den Griechen nur theoretisch Steuern. Praktisch hat der Grieche aber seit Jahrzehnten keine Steuern gezahlt und es ging ihm trotzdem sehr gut. Angefangen hat alles mit Geschenken der Politik an die Reichen. Die wurden quasi Stück für Stück ganz legal von Steuern befreit. Grade die starken Wirtschaftszweige wie der Fischfang oder die Reeder und Schiffbauer müssen keine Steuer zahlen. Auch Hoteliers sind von der Steuer befreit solange der Bau eines Hotels nicht zu 100 % abgeschlossen ist. Heißt, wenn von 2000 Zimmern eines noch nicht fertig gestellt ist keine Steuer. Da wundert es nicht, dass quasi keine Hotel Steuern zahlen muss. Sie haben eine Jacht. In anderen Ländern müssen sich hier Geld an den Staat berappen nicht in Griechenland. Dort wird die Jacht wie ein Fischkutter behandelt. Und obwohl der Fischer kein Steuern zahlen muss kann er die Kosten seines Kutters von der Steuer absetzen und bekommt sogar noch Subventionen. So geht es auch dem Jachteigentümer. Er kann den Aufwand der Jacht als Werbungskosten geltend machen. Und da hat natürlich auch der kleine Bürger irgendwann aufgehört Steuern zu zahlen. Und das System Griechenland funktioniert ja auch schon seit Jahrzehnten. Warum das jetzt nicht mehr so sein soll muss man dem Bürger erst mal erklären. Auch hat ja der Finanzbeamte nicht nur das Problem des wütenden Bürgers. Nein er muss sogar seinen Arbeitsplatz aufsuchen auch wenn kein Kollege auf seinen Geburtstag einen ausgibt.
Das ist in Spanien auch nicht anders. Mir wurde sogar von unseren spanischen Architekt nahegelegt für unser neues Haus auf Mallorca keine "Bewohnbarkeitsbescheinigung" zu erstellen, da wir ja danach sofort Steuern zahlen müssten (Strom und Wasser hatten wir schon). Haben wir aber gemacht und der Finanzbeamte der Gemeinde erklärte mir dann augenzwinkernd! noch einmal wenn ich hier nun diese "Bewohnbarkeitsbescheinigung" einreichen würde, dann müsste ich auch in Zukunft steuern zahlen. Einfach nur traurig.
4.
pepe_sargnagel 12.03.2014
Zitat von oliver71Seit einer kleinen Ewigkeit gibt es für den Griechen nur theoretisch Steuern. Praktisch hat der Grieche aber seit Jahrzehnten keine Steuern gezahlt und es ging ihm trotzdem sehr gut. Angefangen hat alles mit Geschenken der Politik an die Reichen. Die wurden quasi Stück für Stück ganz legal von Steuern befreit. Grade die starken Wirtschaftszweige wie der Fischfang oder die Reeder und Schiffbauer müssen keine Steuer zahlen. Auch Hoteliers sind von der Steuer befreit solange der Bau eines Hotels nicht zu 100 % abgeschlossen ist. Heißt, wenn von 2000 Zimmern eines noch nicht fertig gestellt ist keine Steuer. Da wundert es nicht, dass quasi keine Hotel Steuern zahlen muss. Sie haben eine Jacht. In anderen Ländern müssen sich hier Geld an den Staat berappen nicht in Griechenland. Dort wird die Jacht wie ein Fischkutter behandelt. Und obwohl der Fischer kein Steuern zahlen muss kann er die Kosten seines Kutters von der Steuer absetzen und bekommt sogar noch Subventionen. So geht es auch dem Jachteigentümer. Er kann den Aufwand der Jacht als Werbungskosten geltend machen. Und da hat natürlich auch der kleine Bürger irgendwann aufgehört Steuern zu zahlen. Und das System Griechenland funktioniert ja auch schon seit Jahrzehnten. Warum das jetzt nicht mehr so sein soll muss man dem Bürger erst mal erklären. Auch hat ja der Finanzbeamte nicht nur das Problem des wütenden Bürgers. Nein er muss sogar seinen Arbeitsplatz aufsuchen auch wenn kein Kollege auf seinen Geburtstag einen ausgibt.
Eine interessante Ausführung. Aber stellen wir uns das mal hier vor: Jeder sei von den Steuern befreit. Dann wäre man aber nicht Elite oder "Höhergestellt", wenn man wie alle anderen behandelt würde. Da man selbst die Gesetze macht besteuert man nun entweder die anderen oder man nimmt sich einfach etwas hinzu und belässt es bei der Nicht-Besteuerung. In den letzten Jahren hätte die Elite aber wahrscheinlich die Besteuerung eingeführt und sich etwas gegönnt. Einfach weil man es kann! Und das ist leider menschlich... Wäre ich an der Spitze wäre ich anders?
5. Es gibt Wichtigeres
derbergischelöwe 14.03.2014
Vielleicht sollten die Finanzbeamten erst mal lernen, ihren eigentlichen Job vernünftig zu machen, dann hätte Griechenland mehr Steuereinnahmen. Eine Anti-Korruptionsschulung täte vielen griechischen Beamten auch gut... Und die Demonstranten sollten lieber die Villenviertel der Reeder stürmen und die Luxusdomizile ihrer verkommenen Politiker. Da wären Ausfälligkeiten eher angebracht....
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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