Euro-Krise Griechischen Krankenkassen droht Kollaps

Die Finanzkrise in Griechenland gefährdet die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Viele Krankenversicherungen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Ärzte und Apotheker setzen die Kassen unter Druck - und behandeln Patienten nur noch gegen Bargeld.

Protestierende Ärzte und Krankenschwestern: Aktion soll mindestens fünf Tage dauern
AP

Protestierende Ärzte und Krankenschwestern: Aktion soll mindestens fünf Tage dauern


Athen - Griechische Ärzte greifen in der Krise zu einem drastischen Mittel: Sie behandeln Patienten der größten staatlichen Krankenversicherung EOPYY nur noch gegen Barzahlung. Sie protestieren damit gegen die Zahlungsmoral der Kasse. Ein Ärzteverband erklärte, die Protestaktion werde mindestens fünf Tage dauern.

Viele Apotheker akzeptieren von ihren Kunden bereits seit Anfang des Jahres nur noch Bargeld. Diese müssen sich dann mit der Quittung an die Kasse wenden, um das Geld erstattet zu bekommen. Der griechische Staat schuldet Apothekern und Ärzten nach Angaben der Berufsverbände hohe Summen. Viele griechische Krankenkassen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Wegen der Rezession sind ihre Einnahmen um rund 40 Prozent eingebrochen.

Die Folgen der Krise werden in Griechenland immer dramatischer. Laut einem Bericht der größten Gewerkschaft des Landes GSEE haben Bezieher des Mindestlohns nur noch eine Kaufkraft, die jener des Jahres 1979 entspricht. Bei den Durchschnittsverdienern sank die Kaufkraft auf den Wert der frühen achtziger Jahre.

Die Gewerkschaft rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr auf 29 Prozent steigt. Damit wären mehr als 1,4 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Die Schätzungen stehen in einem Bericht, der am Donnerstag vorgestellt wird. Im Mai betrug die Arbeitslosigkeit in Griechenland 23,1 Prozent. Bei den unter 25-Jährigen waren es sogar 54,9 Prozent.

Die düstere Prognose für 2013 habe man unter der Annahme getroffen, dass die Regierung weitere Sparmaßnahmen umsetze, teilte die GSEE mit. Gewerkschaftschef Savvas Rombolis sagte, die griechische Wirtschaft befinde sich weiterhin im Abschwung. Für 2012 erwartet er einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Griechenland um sieben Prozent.

cte/dpa/dapd



insgesamt 47 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
starsnake 03.09.2012
1. was....
soll man da noch sagen ? Hochgradig schlimm ist das schon. Ein wirklich übles Spiel, dass alle Verantwortlichen da mit der griechischen Bevölkerung gespielt haben. Und damit meine ich die Geldgeber aber vor allem auch die Geldnehmer, die griechischen Politeliten, die das Geld offenbar wahllos unter der Bevölkerung, aber vor allem aber auch unter sich verteilt haben. Offenbar fehlt es an Kraft, diese Leute jetzt zur Verantwortung zu ziehen, schade. Ein Zusammenbruch ist nur noch eine Frage der Zeit. Gruß
byzopsycho 03.09.2012
2. geneu solche Meldungen braucht Deutschland um den Export ankurbeln zu können
Ein wenig GREXIT dort ein wenig Zusammenbruch dort und schon verliert der EURO an Wert. Dem deutschen Exporteur freut es.
prontissimo 03.09.2012
3. Ist doch alles nicht wahr.
Zitat von sysopAPDie Finanzkrise in Griechenland gefährdet die medizinische Versorgung. Viele Krankenversicherungen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Ärzte und Apotheker setzen die Kassen unter Druck - und behandeln Patienten nur noch gegen Bargeld. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,853673,00.html
Alles nur Panikmache. Die Griechen sparen jetzt was das Zeug hält und in ein zwei Jahren werden wir dort blühende Landschaften sehen. Nein, das ist keine Ironie, das ist Fatalismus angesichts dieser Europa-Verbrecher Kohl + Merkel und Waigl + Schäuble, Baroso und Schulz.
Knackeule 03.09.2012
4.
Man kann die Horrornachrichten aus dem griechischen Kaputtland allmählich nicht mehr hören und lesen. Was ist denn mit den Krankenkassenbeiträgen der Griechen geschehen ? Veruntreut wie fast alle anderen öffentliichen Gelder auch ? Warum zahlen die oberen Zehntausend in Griechenland immer noch keine Steuern ? Warum fließen die EU-Hilfsmilliarden nicht zu den griechischen Bürgern sondern zu Banken und Hedgefonds ? Wann hört dieser ganze Mist endlich mal auf ?
bjuv 03.09.2012
5. Wie alle Menschen
muss auch medizinisches Personal, Krankenpleger, Ärzte, etc die eigene Familie versorgen: Lebensmittel, Miete und Energie gibt es auch nur gegen Bezahlung. Von griechischen med. Personal kann keine GRATIS-Leistungen erwarten - wie von keinem anderen Berufsstand. Das ist nur allzu selbstverständlich. Die Notversorgung muss nun ebenfalls durch den griechischen Staat gezahlt werden. Leider wird dazu nicht viel Fachpersonal übrig geblieben sein, denn Resteuropa hat da einen großen Bedarf (wenn die sprachlichen Qualifikationen gegeben sind) Die Lebenserwartung in GR wird dadurch wohl sinken im Vergleich zur EU. Ob die Bilanzschummler dies vor dem Euroeintritt kalkuliert hatten?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.