Luxusimmobilie in London: Griechischer Banker brachte Millionen ins Ausland

In Griechenland herrscht Empörung über den Ex-Chef der staatlichen Landwirtschaftsbank ATE. Theodoros Pantalakis brachte acht Millionen Euro aus seinem Vermögen ins Ausland - und kaufte sich eine Luxusimmobilie in London. Das Geldinstitut konnte er nicht retten, es wird nun zerschlagen.

Geschlossene Filiale der ATE Bank: Das Institut wird aufgespalten Zur Großansicht
AFP

Geschlossene Filiale der ATE Bank: Das Institut wird aufgespalten

Hamburg - Theodoros Pantalakis hat gehandelt wie viele andere reiche Griechen auch. Er brachte angesichts der Krise in seiner Heimat Geld im Ausland in Sicherheit. Acht Millionen Euro steckte er in eine Immobilie in London. Doch das Verhalten des Managers sorgt für besonderes Aufsehen. Denn Pantalakis war Chef der griechischen Landwirtschaftsbank ATE. Dem Institut drohte die Pleite, es wird zerschlagen. Nur wenige Monate vor dem Niedergang der Bank brachte Pantalakis laut "Financial Times" ("FT") Geld aus seinem Privatvermögen in Großbritannien in Sicherheit.

Heikel ist die Sache auch deshalb, weil ATE zu knapp 90 Prozent dem griechischen Staat gehört. Pantalakis sagte der griechischen Website Realnews, er habe nichts Unrechtes getan. Er habe die Transaktion 2011 bei den Behörden gemeldet und auch Steuern darauf bezahlt.

Die "FT" erreichte den früheren Bankchef in seinem Feriendomizil auf der Insel Paros. Doch Pantalakis wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern. "Ich bin im Urlaub und werde bis zu meiner Rückkehr nach Athen nichts sagen", zitiert ihn die Zeitung.

Selbst Banker sehen die Transaktion ihres Kollegen kritisch: "Niemand behauptet, Herr Pantalakis habe das Geld illegal ins Ausland geschafft", sagte ein Banker, der nicht genannt werden wollte, der "FT". "Aber es gibt ein moralisches Problem, da er in der Krise Chef einer großen staatlichen Bank war."

Kapitalflucht reicher Griechen sorgt für Ärger

Pantalakis hatte den Chefposten bei ATE im Juli abgegeben. Ende Juli gab die griechische Regierung bekannt, dass die verlustreiche Bank zerschlagen wird. Der gesunde Teil geht an die Piräus-Bank, der Rest soll wohl abgewickelt werden. Pantalakis stand drei Jahre an der Spitze des Instituts. Laut "FT" soll er Ende August vor einem Parlamentsausschuss zum Verlauf der Krise bei der Bank befragt werden.

Pantalakis steht auch unter Druck, da die ATE schlecht abgesicherte Kredite in Höhe von 150 Millionen Euro an die sozialistische Pasok-Partei und die konservative Nea Dimokratia (ND) vergab. Unter seiner Führung seien die Kredite nicht bedient worden, zitiert die "FT" Analysten. Der Manager soll zudem die Privatisierung von Unternehmen, die die ATE kontrollierte, nicht konsequent verfolgt haben.

Die Kapitalflucht reicher Griechen sorgt in dem Krisenland für große Verärgerung. Während die breite Bevölkerung unter den Sparmaßnahmen leidet, kamen die Wohlhabenden bisher glimpflich davon. Luxusimmobilien in London und auch Konten in der Schweiz gelten als beliebte Anlageformen. Mit der Schweiz will die neue griechische Regierung nun über ein Steuerabkommen verhandeln, um Gelder zu sichern. Denn das Kapital fehlt zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen in Griechenland.

Während Pantalakis betont, er habe für seine Transaktion Steuern bezahlt, verschieben viele Reiche ihr Geld illegal. Laut einem Zeitungsbericht wusste die griechische Zentralbank Ende Juli von 403 Griechen, die allein im Jahr 2010 jeweils mehr als 100.000 Euro ins Ausland transferiert hätten. Offiziell gaben die Steuerflüchtlinge demnach kein Einkommen an. 2010 sollen insgesamt 731 griechische Bürger eine Milliarde Euro auf Auslandskonten geschafft haben. 2011 und im laufenden Jahr dürfte die Kapitalflucht noch weiter gegangen sein.

mmq

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insgesamt 130 Beiträge
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1. Jaaaa...
l.augenstein 06.08.2012
Zitat von sysopIn Griechenland herrscht Empörung über den Ex-Chef der staatlichen Landwirtschaftsbank ATE. Theodoros Pantalakis brachte acht Millionen Euro aus seinem Vermögen ins Ausland - und kaufte sich eine Luxusimmobilie in London. Das Geldinstitut konnte er nicht retten, es wird nun zerschlagen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,848392,00.html
...für solche Vollbluteuropäer brauchen wir dann die von Gabriel geforderte gemeinsame Schuldenhaftung!!!
2. Ist doch alles ok
on-the-move 06.08.2012
Ein ganz normaler Vorgang. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, und nehmen ihr Geld mit. Meine Frage ist nur: wenn er der Manager einer staatlichen Bank war, dann woher hatte er ein so heftiges Gehalt, dass er sich Euro 8 Mill ansparen konnte? Man sollte die Shareholder fragen. In Deutschland laeuft dies doch auch nicht anders. Versagen im Job und werden dafuer von den Shareholdern auch noch belohnt. Beispiele in unseren Breitengraden gibt es genug. Also, nur keine Aufregung liebes Forum!
3. Bevor auch nur 1 cent
adam68161 06.08.2012
aus irgendeinem EU-"Rettungsfonds" nach Griechenland fliessen darf, müssten diese Kapitaltransfers zurückgeholt werden, notfalls dadurch, dass man die Leute in Beugehaft nimmt. Wenn es noch kein griechisches Gesetz gibt, dass diese Transfers rückwirkend unterbindet, müsste erst die Gesetzeslage geändert und danach gehandelt werden.
4. "Peanuts"
Worldwatch 06.08.2012
Zitat: "... Theodoros Pantalakis brachte acht Millionen Euro aus seinem Vermögen ins Ausland - und kaufte sich eine Luxusimmobilie in London. ..." Nun, der Mann weiss was folgt, und handelte -persoenlich wohlstandswahrend- wohl i.S.d. Familie. Die Frage sei indes gestattet, und zwar im Sinne Griechenlands, ob das Vermoegen rechtmaessig erworben und rechtl. einwandfrei versteuert war. Im uebrigen, und wenn an dem so sei, kann Hr.Pantalakis mit seinem Vermoegen doch machen was er will und wie ihm beliebt. Und, er weiss sicher auch viel besser, was noch auf Hellas und dessen Buerger zukommen wird. Alles nur zu verstaendlich. Er kam mit seinem Guthabentransfer indes sehr spaet, und nach Milliardentransfers von Hellenen, die weit groessere Transfersummen, und dazu unversteuert sowie mglw. unrechtmaessig erworben, nach dem Ausland verbrachten.
5. Wer sagte noch:
tronx 06.08.2012
"Manche nennen euch die Elite, ich nenne Euch meine Basis!"? Reich wird man nicht mit Moral, Anstand und Patriotismus, das sind Sachen die man von denjenigen verlangt, die man ausnimmt, um sich anschließend über deren Dummheit tot zu lachen! Kapitalismus ist geil! Moral ist nur eine faule Ausrede derjenigen, die diesen nicht abschöpfen können!
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.