Kritik an Ex-Finanzminister: Griechen wollen Cousinen-Connection aufklären

Der Fall ist mysteriös. Erst verschwindet eine griechische Steuersünder-Datei, dann taucht sie wieder auf - doch plötzlich fehlen auf der Liste die Verwandten des früheren Finanzministers. Nun will das Parlament in Athen die Sache aufklären: Der Ex-Politiker muss vor einen Untersuchungsausschuss.

Giorgos Papakonstantinou: Für den Ex-Finanzminister wird es eng Zur Großansicht
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Giorgos Papakonstantinou: Für den Ex-Finanzminister wird es eng

Athen - Eine Datei mit 2062 mutmaßlichen griechischen Steuersündern verschwindet und taucht erst nach zwei Jahren wieder auf - leicht frisiert, wie sich herausstellt. Nun soll sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Falls annehmen. Das Gremium muss klären, ob sich der frühere griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou strafbar gemacht hat.

Wie am Freitag bekannt wurde, fehlen auf der Liste ausgerechnet die Angaben zu Verwandten von Papakonstantinou. Dem früheren Vertrauten von Ex-Premier Giorgos Papandreou war zuvor bereits vorgeworfen worden, die sogenannte Lagarde-Liste 2010 unter den Teppich gekehrt zu haben.

Den Antrag auf einen Untersuchungsausschuss wollen alle drei an der Athener Regierung beteiligten Parteien mittragen, hieß es am Samstag übereinstimmend in den griechischen Medien. Demnach sprach sich neben der konservativen Nea Dimokratia (ND) von Premierminister Antonis Samaras und der Demokratischen Linken auch der dritte Koalitionspartner, die sozialistische Pasok, für den Ausschuss aus. Die Pasok hat Papakonstantinou bereits am Freitag aus ihren Reihen ausgeschlossen.

Papakonstantinou leitete das Finanzressort 2010, als die Datei erstmals von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde an Griechenland übergeben wurde. Die Daten hatte ein Mitarbeiter der Bank HSBC in Genf entwendet. Papakonstantinou leitete sie nach eigenen Angaben an den damaligen Chef der griechischen Steuerfahndung weiter. Allerdings machten die Steuerfahnder damals keinen Gebrauch von den Daten, weil sie nicht aus legalen Quellen stammten.

Die Liste verschwand anschließend im Labyrinth der Bürokratie in Athen und tauchte erst Anfang Oktober wieder auf. Allerdings in offenbar veränderter Form, wie ein Abgleich dieser Liste mit einer weiteren ergab, die unlängst erneut von Frankreich an Griechenland übergeben wurde. Hatte die "Lagarde-Liste" vom Oktober noch 2059 Einträge, waren es nun 2062. Die drei neu aufgetauchten Einträge betreffen ausgerechnet die Konten einer Cousine von Papakonstantinou und ihres Ehemanns sowie des Gatten einer zweiten Cousine. Während das eine Konto niemals benutzt worden war, waren auf dem anderen gut 1,2 Millionen Dollar verbucht. Unklar ist, ob das Geld versteuert wurde.

ric/dapd/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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1. mysteriös ist was anderes
Hilfskraft 29.12.2012
kriminell trifft es eher.
2. Alexis Sorbas
Cpt.Willard 29.12.2012
Mit etwas Phantesie: Griechische Regierung wie sie versucht diese Affaere auzuklaeren und im Hintergrund laeuft die Musik zum gleichnamigen Film... Mann muss die Griechen schon fast lieben für ihre Kreativitaet und ihre Improvisationsgabe. http://www.youtube.com/watch?v=iKb7cHP4uPw
3. Der Fisch stinkt vom Kopf her
schandmaul1000 29.12.2012
Auch und gerade in Griechenland.
4. ...ist doch alles arm!
giovanniconte 29.12.2012
Zitat von sysopDPADer Fall ist mysteriös. Erst verschwindet eine griechische Steuersünder-Datei, dann taucht sie wieder auf - doch plötzlich fehlen auf der Liste die Verwandten des früheren Finanzministers. Nun will das Parlament in Athen die Sache aufklären: Der Ex-Politiker muss vor einen Untersuchungsausschuss. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechischer-minister-muss-wegen-cousinen-vor-untersuchungsausschuss-a-875127.html
Kommt doch eh nix bei raus... . Griechenland ist zwar die Wiege Europas, aber das ist lange her. Nach dem Ende des Byzantinischen Reiches mit seiner effizienten Verwaltung hat man dort beinah ein halbes Jahrtausend als Kolonie eines orientalischen Landes gelebt, und die Spuren sind heute in der Mentalität noch sichtbar. Griechenland ist nicht vertrauenswürdig. Die Griechen schummeln und tricksen sich von einer Zahlung zur nächsten. Griechenland wird alles versprechen und jede gewünschte Zusage geben. Nur eines darf nicht passieren: daß die Einhaltung irgendeiner Zusage ernsthaft eingefordert wird. Lasst die Griechen gehen, die Griechen sind ja ein "stolzes Volk". Es ist ja nicht mehr mit anzusehen, wie dieser Leichnam künstlich am Leben erhalten wird. Kaum zu glauben, wie lange sich die Troika schon an der Nase herumführen ließ. Wenn Tote Rente kassieren, können doch auch Tote "entlassen" werden. D.h. Griechenland stellt zunächst Tote in den öffentlichen Dienst ein, um diese dann auf die Entlassunslisten zu stellen. Dabei wird natürlich eines überdeutlich, wie teuer Europa das griechische Abenteuer kommt. Gebt endlich den Euro auf, und ihr könnt so stabil regieren, wie es euch gefällt! Eine Salomonische Entscheidung. Felakistan ohee!
5.
Steve Holmes 29.12.2012
Zitat von Hilfskraftkriminell trifft es eher.
Allerdings machten die Steuerfahnder damals keinen Gebrauch von den Daten, weil sie nicht aus legalen Quellen stammten. (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechischer-minister-muss-wegen-cousinen-vor-untersuchungsausschuss-a-875127.html) Kriminell scheint auch der Ursprung der Liste zu sein weswegen sie von der Steuerfahndung nicht verwendet wurde. Hat sich am Ursprung etwas geändert? Wenn nicht, spielt der Inhalt der Liste doch keine Rolle.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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