Griechischer Schuldenschnitt Pleite-Spekulanten könnten leer ausgehen

In die Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland kommt Bewegung. Der Derivateverband Isda erklärte, dass private Gläubiger keinen Anspruch auf Kreditausfallversicherungen haben. Das könnte die Zockerstrategie einiger Hedgefonds durchkreuzen.

Akropolis in Athen: Kein Geld für Pleite-Zocker
dapd

Akropolis in Athen: Kein Geld für Pleite-Zocker


London - Diese Entscheidung dürfte die Euro-Retter aufatmen lassen: Der Internationale Derivateverband (Isda) sieht im Schuldenschnitt für Griechenland kein Kreditereignis. Das heißt, Inhaber griechischer Staatsanleihen werden im Fall des Forderungsverzichts privater Gläubiger zunächst nicht für ihre Verluste entschädigt - auch wenn sie Kreditausfallversicherungen abgeschlossen haben.

Das trifft professionelle Anleger, die sich gegen einen Staatsbankrott mit Hilfe von Credit Default Swaps (CDS) abgesichert hatten. Die Verbandsentscheidung verbessert die Chancen für Griechenland, dass der freiwillige Schuldenschnitt angenommen wird. Denn Isda nimmt den Investoren den Wind aus den Segeln, die darauf gesetzt haben, die Einigung scheitern zu lassen und damit eine Staatspleite Griechenlands hervorzurufen. Dann könnten sie ihre CDS ins Anspruch nehmen und bekämen hundert Prozent des Nennwerts zurück. Mit Blick auf Griechenland kauften manche Investoren Kreditausfallversicherungen, obwohl sie selbst gar keine griechischen Anleihen halten. Mit den CDS spekulieren sie auf Gewinne im Falle eines Staatsbankrotts.

Mit der Umschuldung über einen Anleihetausch sollen Banken, Versicherungen und Hedgefonds an der Rettung Griechenlands beteiligt werden. Weil manche Hedgefonds aber auf eine Pleite Griechenlands gewettet haben und ein Schuldenschnitt daher nicht in ihrem Interesse ist, war bisher nicht klar, ob diese Investoren bei der Einigung mitmachen.

Die Entscheidung in dem aus 15 Mitgliedern bestehenden Ausschuss sei einstimmig gefallen, erklärte der Verband Isda. Er ließ sich aber eine Hintertür offen: Die Lage in Griechenland könne sich ändern - je nachdem könne sich dann ein Kreditereignis ergeben, durch das die CDS fällig würden. Derzeit reiche die Sonderstellung der Europäischen Zentralbank (EZB) beim griechischen Schuldenschnitt aber nicht aus, um die CDS auszulösen.

Schlechte Erfahrungen mit der Lehman-Pleite

Weil CDS-Papiere bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 zu einem kolossalen Dominoeffekt und zur Beinah-Pleite des großen US-Versicherers AIG geführt hatten, sind ihre Auswirkungen gefürchtet. Das Volumen aller CDS auf griechische Staatsanleihen betrug zuletzt noch 3,25 Milliarden Dollar. Die Ansteckungsgefahren für das Finanzsystem sind Experten zufolge nicht mehr so groß wie vor einem Jahr. Bei den Plänen zur griechischen Umschuldung wurde bisher dennoch alles daran gesetzt, dass Kreditausfallversicherungen nicht fällig werden.

Die Grundlagen für den Schuldenschnitt stehen bereits fest: Die Banken wollen freiwillig auf 107 Milliarden Euro ihrer Forderungen an Griechenland verzichten und tauschen dafür ihre Staatsanleihen in neue Papiere mit 30-jähriger Laufzeit und mit geringeren Zinsen. Unter dem Strich müssen die Gläubiger 73 bis 74 Prozent abschreiben. Investoren sollen bis Ende kommender Woche entscheiden, ob sie das Tauschangebot annehmen.

Das zweite Hilfsprogramm über 130 Milliarden Euro für Griechenland soll anlaufen, sobald der Schuldenschnitt mit hoher Beteiligung privater Gläubiger erfolgt. "Jetzt liegt es nur noch an den Gläubigern, das Angebot anzunehmen", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte, alle notwendigen Spar- und Reformmaßnahmen habe Griechenland erfüllt.

mmq/Reuters/dpa



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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
wb99 01.03.2012
1. Hä?
Die Entscheidung der Versicherung, bei einem freiwilligen Schuldenschnitt keine Entschädigung zu zahlen, verbessert die Chancen, dass der freiwillige Schuldenschnitt angenommen wird? Welches wäre denn hierbei der Wirkmechanismus?
Fassmann 01.03.2012
2. Haha, verzockt....oder?
sobald sich aber die Freude darüber etwas gelegt hat, wird man sich fragen müssen wie man zukünftig Anleihen überhaupt noch los werden will. Kein Anleger wird je solch unsichere und vor allem unversicherbare Anleihen mehr haben wollen...... so stellt man sich selbst das Bein!
danielkuehn 01.03.2012
3. Der Artikel geht völlig am Kern vorbei
Die ISDA hat lediglich erklärt, dass der EZB-Tausch kein Kreditereignis auslöst. Darauf hat auch nie jemand spekuliert (die Option war ja bis vor kurzem gar nicht bekannt) noch hat jemand damit gerechnet, dass die CDS auslösen könnte. "Denn Isda nimmt den Investoren den Wind aus den Segeln, die darauf gesetzt haben, die Einigung scheitern zu lassen und damit eine Staatspleite Griechenlands hervorzurufen. " genau das stimmt ja überhaupt nicht, denn wenn es zur Pleite kommt, dann greifen die CDS ja! und wenn die CAC rückwirkend implementiert werden, greifen die CDS mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch. Was der Autor eigentlich sagen wollte und wie er es begründet, bleibt im Dunkeln.
dingodog 01.03.2012
4. Sehr seltsamer Artikel
Vielleicht sind die Redakteure wirklich langsam überfordert. Geht einem ja auch schon so. Erstens ist das Kreditereignis absolut noch nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben - sobald nicht freiwillig am Tausch teilnehmende Gläubiger per rückwirkender einseitiger Vertragsänderung gezwungen werden, teilzunehmen, sind die CDAs fällig. Zweitens sehe ich nicht, dass die aktuelle ISDA-Entscheidung für viele Spekulanten oder auch normale Anleger irgendwas verändert. Wer CDAs UND günstig gekaufte Anleihen besitzt, lehnt sich weiter zurück und beteiligt sich nicht. Entweder die CDAs werden fällig, oder die Anleihen werden zurückgezahlt. Das interessante ist, das nach anderen Quellen (Reuters) die CDAs noch ziemliche Komplikationen bringen werden, aufgrund der komplizierten Konstruktion der Nicht-Pleite (Zwangsumtausch in eine Mischung von neuen griechischen und EU-Anleihen) ist der auszuzahlende Wert der CDAs ziemlich im Graubereich. Damit werden Kreditausfallversicherungen nur noch schwer voraussagbar, und damit EU-Kredite langfristig teurer. Macht aber nix, wir drucken uns unser Geld selbst...
starter 01.03.2012
5.
Zitat von sysopdapdIn die Verhandlungen um den Schuldenschnitt für Griechenland kommt Bewegung. Der Derivateverband Isda erklärte, dass private Gläubiger keinen Anspruch auf Kreditausfallversicherungen haben. Das könnte die Zockerstrategie einiger Hedgefonds durchkreuzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818738,00.html
Tolle Erkenntnis. Derjenige, der auf Grund eines Ereignisses zahlen soll, meint also, er müsse nicht zahlen. Das versicherte Ereignis sei nicht eingetreten. Völlig überraschend. Hatte jemand vermutet, Isda werde freudestrahlend verkünden, natürlich werde man zahlen, aber gern doch? Genauso könnte der GDV Gesamtverband der Versicherer erklären, im Falle eines Verkehrsunfalls sehe er keine Eintrittspflicht seiner Haftpflichtversicherer.
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