Gescheiterte Privatisierungen Griechischer Treuhandchef tritt zurück

Privatisierungen im Umfang von 50 Milliarden hat die griechische Regierung versprochen - ein völlig unrealistisches Ziel, wie Treuhandchef Ionnais Koukiadis längst einräumte. Nun tritt er ab. Mit seiner mageren Bilanz hat das angeblich nichts zu tun.

Protest gegen Privatisierungen in Athen: Nur noch neun Milliarden sind angepeilt
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Protest gegen Privatisierungen in Athen: Nur noch neun Milliarden sind angepeilt


Athen - Für Schlagzeilen sorgte Ioannis Koukiadis zuletzt Anfang des Jahres. Damals gestand der Präsident der griechischen Treuhandanstalt ein, dass die ursprünglich von der Regierung versprochenen Privatisierungserlöse in Höhe von 50 Milliarden völlig unrealistisch seien. "Die Zahlen, die genannt worden sind, können auf keinen Fall verwirklicht werden", sagte er. "Im Übrigen sind diese Zahlen auf gut Glück festgelegt worden."

Am Dienstag wurde nun bekannt, dass Koukiadis sein Amt abgibt. "Mein Rücktritt liegt schon seit Tagen vor", sagte er im griechischen Fernsehen. In einer Mitteilung seiner Behörde hieß es, Koukiadis habe seinen Rücktritt aus "rein persönlichen Gründen" eingereicht. Interimsfinanzminister Giorgos Zanias habe das Gesuch entgegengenommen. Ein Nachfolger wird voraussichtlich erst benannt, wenn der designierte Finanzminister Yannis Stournaras im Amt ist. Geschäftsführer Kostas Mitropoulos, der die Anstalt bislang gemeinsam mit Koukiadis führte, bleibt auf seinem Posten.

Im Gegenzug für Finanzhilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds hatte sich Griechenland zu umfangreichen Privatisierungen von Staatseigentum verpflichtet. Der Jura-Professor Koukiadis war im Juli 2011 zum Chef des neu geschaffenen Privatisierungsfonds berufen worden.

Das Privatisierungsziel von 50 Milliarden ist mittlerweile aufgegeben worden. Angestrebt wird nun eine Summe von neun Milliarden Euro. Bislang sind laut griechischen Medien nur etwa 1,7 Milliarden Euro in die Staatskasse geflossen.

Mitte Mai verkündete der Privatisierungsfonds die Aussetzung seiner Aktivitäten, nachdem die Bildung einer Regierung nach der Parlamentswahl vom 6. Mai gescheitert war. Bei einer neuen Wahl vor anderthalb Wochen siegte die konservative Nea Dimokratia. In Griechenland werden Behördenchefs häufig nach ihrer Nähe zu den regierenden Parteien besetzt. Koukiadis war einst Arbeitsminister unter der sozialistischen Pasok, die nach starken Stimmenverlusten nur noch Juniorpartner der Konservativen ist.

dab/dpa/AFP

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