Größte deutsche Krankenkasse: Mediziner wird Barmer-Chef

Ein Mediziner steht künftig an der Spitze der größten deutschen Krankenkasse. Christoph Straub wird Vorstandschef der Barmer GEK. Er ist Nachfolger von Birgit Fischer, die einen überraschenden Seitenwechsel vollzieht.

Künftiger Barmer-Chef Straub: Wechsel von der Krankenhauskette Zur Großansicht
Barmer

Künftiger Barmer-Chef Straub: Wechsel von der Krankenhauskette

Berlin - Die größte deutsche Krankenkasse wird künftig wieder von einem Mann geleitet: Christoph Straub wird Vorstandschef der Barmer GEK. Auf einer Sondersitzung habe der Verwaltungsrat einstimmig für den 49-jährigen Mediziner gestimmt, teilte die Kasse mit. Die Barmer GEK ist mit 8,6 Millionen Versicherten die größte deutsche Krankenkasse.

Wann Straub seinen neuen Job antritt, ist allerdings noch unklar. Das werde erst nach Absprache mit seinem derzeitigen Arbeitgeber feststehen, hieß es. Straub ist seit 2009 als Vorstandsmitglied der Rhön-Klinikum AG für den Bereich Versorgung zuständig. Er hoffe auf einen zeitnahen Wechsel, hieß es.

Straub studierte in Heidelberg Medizin und arbeitete dann mehrere Jahre zunächst in der Wissenschaft, bevor er zu einem Kassen-Verband wechselte. Vor seinem Job bei der Krankenhauskette Rhön-Klinikum war Straub Vorstandsmitglied bei der Techniker Krankenkasse.

Er wird Nachfolger von Birgit Fischer, die überraschend die Seiten wechselt und zum 1. Mai neue Chef-Lobbyistin beim Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) wird. Fischers Abgang hatte für erhebliche Aufregung gesorgt, weil sie als Kassenchefin auch Front gegen zu hohe Arzneipreise machte - nun dürfte sie in ihrem künftigen Amt als Pharmalobbyistin das Gegenteil vertreten.

mmq/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Mir wird bange!
niepmann 13.04.2011
Die machen doch einen Wolf zum Hüter der Lämmer! Da kriegt man Schnapp-Atmung. Man sollte erst mal davon ausgehen, dass der Schaden nicht grösser wird, als er schon ist. Das Geflecht von Kassen, Ärzten, Pharma, Krankenhäusern und Rettungsdiensten ist ohnehin mafiös. Man streitet nicht um der Versicherten willen, sondern um den eigenen Anteil am grossen Kuchen.
2. Lobby auflösen
Margrit2 14.04.2011
Zitat von sysopEin Mediziner steht künftig an der Spitze der größten deutschen Krankenkasse. Christoph Straub wird Vorstandschef der Barmer GEK. Er ist Nachfolger von Birgit Fischer, die einen überraschenden Seitenwechsel vollzieht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,756795,00.html
Ein Mediziner ist nicht gleich ein Mediziner. Dieser Mann hat nie im Mediziner-Beruf also als Arzt, gearbeitet. Das Geflecht Kassen, Politik und Lobby muß endlich aufgelöst werden und dann geht es auch besser. Schon diese Fischer war eine totale Fehlbesetzung. Ich weiß gar nicht, was da auf einmal bei der BARMER los ist.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Barmer GEK
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 2 Kommentare
Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.