Kampagnenpläne gegen Zuwanderer: "Kommen Sie nicht nach Großbritannien. Hier regnet's"

Britische Beamte bringen aus Sorge vor hoher Zuwanderung skurrile Vorschläge ins Spiel: Offenbar tüfteln Regierungsmitarbeiter an einer Negativkampagne für das eigene Land, um arbeitsuchende Bulgaren und Rumänen abzuschrecken. Ein Plan mit Tücken.

Passanten vor einer Arbeitsvermittlung in London: Bitte wegbleiben Zur Großansicht
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Passanten vor einer Arbeitsvermittlung in London: Bitte wegbleiben

Hamburg - Schlechtes Wetter, mieses Essen, europapolitische Querulanten - Vorurteile gegen Großbritannien finden sich schnell. Doch Arbeitsuchende schreckt das nicht ab. Bereits 2004 öffnete die britische Regierung den Arbeitsmarkt für Menschen aus den damaligen acht mittel- und osteuropäischen EU-Beitrittsstaaten. Ende 2011 arbeiteten bereits mehr als eine halbe Million Menschen aus diesen Ländern in Großbritannien.

Dort brauchen ab 2014 auch Arbeitnehmer aus Bulgarien und Rumänien keine Arbeitserlaubnis mehr. Der "Telegraph" zitierte Experten, die vor den Folgen für den britischen Arbeitsmarkt warnen. 29 Millionen Bulgaren und Rumänen hätten ab kommendem Jahr das Recht, uneingeschränkt in Großbritannien zu leben und zu arbeiten, berichtete die Zeitung im Oktober.

Die Briten sind angesichts solcher Warnungen aufgeschreckt. Das ruft auch die konservative Regierung auf den Plan. Sie hat bereits versprochen, die Zuwanderung zu begrenzen. Dazu tüfteln eifrige Beamte nun offenbar an besonders ausgefallenen Plänen. So kursiert Berichten zufolge die Idee, Arbeitsmigranten aus Rumänien und Bulgarien mit einer Negativkampagne für Großbritannien abzuschrecken.

So könne man den Eindruck widerlegen, dass dort die Straßen vergoldet seien, zitierten Zeitungen einen hochrangigen Regierungsbeamten. Doch Details darüber, wie eine solche Kampagne aussehen könnte, gab es nicht. "Bitte kommen Sie nicht nach Großbritannien - es regnet und die Jobs sind rar und unterbezahlt", schlug der "Guardian" ironisch als Slogan vor.

Abschrecken oder doch lieber rausschmeißen?

In deutschen Behörden dagegen wird derzeit überlegt, wie Zuwanderer in die Bundesrepublik geholt werden können. Seit Montag ist die Webseite "Job of my life" mit Angeboten für arbeitslose junge Menschen aus den EU-Staaten online. Sie können sich dort über offene Lehrstellen in Deutschland, über Sprachangebote und Umzugs- und Bewerbungshilfen informieren. Die Arbeitsagentur hofft, dass zumindest ein paar hundert Jugendliche kommen.

Auch die britische Regierung ist offenbar noch nicht überzeugt von der Abschreckungsidee ihrer Beamten. Es werde bei der Steuerung der Zuwanderung nach Möglichkeiten gesucht, erklärte ein Sprecher. "Wir befinden uns gerade in einem Denkprozess. Es ist klar, dass wir uns dabei innerhalb des europäischen Rechtsrahmens bewegen müssen."

Doch nicht nur rechtliche Vorgaben dürften entscheidend sein. Mit einer Negativkampagne würde sich die Regierung auf einem schmalen Grat bewegen. Denn zahlungskräftige Touristen oder rare Fachkräfte sollen ja weiterhin ins Land kommen. Auch vor und während der Olympischen Spiele in London investierten die Briten viel Geld, um Besucher anzulocken und das Image des Landes aufzupolieren.

Premier David Cameron hat angesichts einer drohenden Rezession Mühe, den Bürgern die Erfolge seiner Politik nahezubringen. Würde seine Regierung nun in Rumänien und Bulgarien die schlechte Lage in Großbritannien herausstreichen, würden das wohl auch die Briten mitbekommen.

Zudem dürften einige der Warnungen vor einer massenhaften Zuwanderung deutlich übertrieben sein. Die Regierung selbst rechne nicht mit einer Welle, berichtete der "Guardian". Denn die Beschränkungen für Rumänen und Bulgaren fallen auch in anderen EU-Staaten. Und Rumänen hätten viel eher Beziehungen nach Deutschland oder Italien als nach Großbritannien.

Den Berichten zufolge kursieren neben der Idee einer abschreckenden Kampagne noch weitere Vorschläge, um unliebsame Zuwanderer loszuwerden. Demnach wird über Beschränkungen für den Dienstleistungssektor nachgedacht. Im Raum stehe auch die Idee, diejenigen Menschen auszuweisen, die nicht innerhalb von drei Monaten einen Job vorweisen können.

Beim Einbürgerungstest ist Gastfreundschaft Thema

Bei aller Furcht, die offenbar in Großbritannien vor Zuwanderern herrscht: Beim Einbürgerungstest legen die britischen Beamten die Latte nicht besonders hoch. Der "Independent" veröffentlichte Auszüge aus einem Handbuch der Zuwanderungsbehörde. In der Fibel sollen die wichtigsten Informationen zusammengefasst sein, die Einbürgerungswillige über Großbritannien wissen müssen.

Sie erfahren darin einiges über die Werke von William Shakespeare und Jane Austen. Monty Python wird als Beispiel für den einzigartigen britischen Humor genannt. Der frühere Labour-Premierminister Gordon Brown dagegen wird mit einem einzigen Satz abgespeist.

Die Zeitung veröffentlichte einige Beispielfragen, die Migranten bei dem Test erwarten. So müssen sie beantworten, ob die britische Flagge a) The British Standard oder b) The Royal Banner oder c) The St George Cross oder d) The Union Jack heißt.

Und natürlich darf in dem Test auch nicht der Hinweis auf die britische Gastfreundschaft und Weltläufigkeit fehlen. Denn eine der Fragen lautet: "Welches dieser Sportereignisse fand 2012 in London statt?

a) Die Commonwealth Spiele

b) Cricket-Weltmeisterschaft

c) Fußball-Europameisterschaft

d) Paralympics

mmq

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insgesamt 37 Beiträge
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1. ganz einfach
Nonvaio01 28.01.2013
Zitat von sysopBritische Beamte bringen aus Sorge vor hoher Zuwanderung skurrile Vorschläge ins Spiel: Offenbar tüfteln Regierungsmitarbeiter an einer Negativ-Kampagne über das eigene Land, um arbeitsuchende Bulgaren und Rumänen abzuschrecken. Ein Plan mit Tücken. Großbritannien diskutiert über Kampagne gegen Zuwanderung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/grossbritannien-diskutiert-ueber-kampagne-gegen-zuwanderung-a-880119.html)
formulare vom Amt einfach nicht mehr mehrsprachig anbieten...;-) Auch koennte man einfach ein paar Bilder von Hooligans auf prospecte pappen....with love from England...;-) Jugendliche Binch drinker sind auch gute Werbung....es gibt genug moeglichkeiten....;-) Ehrlich die Englaender haben ganz andere sorgen, ausser einer Finanz industrie gibt es dort doch nichts wirkliches mehr.
2. Von der tollen
Kohle&Reibach 28.01.2013
Zitat von sysopBritische Beamte bringen aus Sorge vor hoher Zuwanderung skurrile Vorschläge ins Spiel: Offenbar tüfteln Regierungsmitarbeiter an einer Negativ-Kampagne über das eigene Land, um arbeitsuchende Bulgaren und Rumänen abzuschrecken. Ein Plan mit Tücken. Großbritannien diskutiert über Kampagne gegen Zuwanderung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/grossbritannien-diskutiert-ueber-kampagne-gegen-zuwanderung-a-880119.html)
Osterweiterung hört man nichts mehr, vielen geht jetzt wohl schlechter im Realkapitalismus.
3. so ...
herrwestphal 28.01.2013
... haben sich also zuviele BILLIGE Arbeitskräfte aus den osteuropäischen EU Ländern im Königreich breitgemacht. Wer hat die denn eingestellt? Wer profitiert denn von deren geringeren Ansprüchen hinsichtlich des Lohngefüges? Aber die wohlbetuchten (wohl mehrheitlich ebenfalls aus dem Osten) sind dann weiterhin willkommen um Ihr Geld in U.K. zu lassen oder der Finanzindustrie der City of London zu spenden. hm, vielleicht sollten die Engländer den Eurotunnel wieder zuschütten und dafür sorgen dass man die Insel nur noch mit eigenem Heli besuchen kann. Für mich die einfachste Lösung!
4. Breakfast
deppendorfswoche 28.01.2013
Dieses Wort besteht eigentlich aus zweien. Teil 1: brechen, absetzen, kontern, zähmen, aufbrechen, erbrechen .... Teil 2: schnell, flott, hastig... Ganz spontan fällt mir dazu ein Plakat mit der Abbildung eines original englischen Frühstücks ein. Da bedarf es dann auch keines weiteren Kommentares. Als Steigerung könnte man noch weitere kulinarische Highlights ablichten. Ein Glas Ale mit herausstehendem Thermometer beispielsweise;)
5. Jetzt
Gman 28.01.2013
Zitat von sysopBritische Beamte bringen aus Sorge vor hoher Zuwanderung skurrile Vorschläge ins Spiel: Offenbar tüfteln Regierungsmitarbeiter an einer Negativ-Kampagne über das eigene Land, um arbeitsuchende Bulgaren und Rumänen abzuschrecken. Ein Plan mit Tücken. Großbritannien diskutiert über Kampagne gegen Zuwanderung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/grossbritannien-diskutiert-ueber-kampagne-gegen-zuwanderung-a-880119.html)
verstehen wir das Anti-EU-Getöse aus GB richtig. Komisch, sind doch alles Verfechter von "freien Märkten" (z.B. siehe Finance etc.) also müsste es doch gut sein, wenn noch mehr Billiglöhner aus Osteuropa den britischen Arbeitsmarkt aufmischen á la Manchester-Kapitalismus, um den Auftraggebern bessere Preise zu ermöglichen. Kleiner Tipp: vielleicht die englische Küche als Negativ-Argument mit einbinden -müsste funktionieren;)
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